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18.11.2015

02:21 Uhr

Trauriger Fußball-Tag

Zweiter Schock für den Weltmeister

Terrorangst statt Freundschaftsmatch: Das abgesagte Länderspiel gegen die Niederlande ist der nächste Schock für die deutsche Nationalmannschaft innerhalb von vier Tagen. Bundesliga-Spieltage finden statt.

Zwei Polizisten stehen am frühen Morgen in der leeren HDI-Arena in Hannover. Das Freundschaftsspiel Deutschland-Niederlande wurde wegen Terrorfurcht abgesagt. dpa

Deutschland - Niederlande abgesagt

Zwei Polizisten stehen am frühen Morgen in der leeren HDI-Arena in Hannover. Das Freundschaftsspiel Deutschland-Niederlande wurde wegen Terrorfurcht abgesagt.

HannoverNach der Länderspiel-Absage von Hannover hat im deutschen Fußball eine Debatte um die Sicherheit begonnen. „Das wird den Fußball verändern und stellt uns vor eine neue Herausforderung“, sagte Präsident Martin Kind von Hannover 96 der Deutschen Presse-Agentur. Ligapräsident Reinhard Rauball versicherte trotz der kurzfristigen Absetzung der Testpartie zwischen der deutschen Nationalmannschaft und den Niederlanden wegen einer Terrorwarnung am Dienstagabend, die Bundesliga werde am Wochenende spielen. „Der Spieltag wird stattfinden“, sagte Rauball.

Rainer Koch, der derzeit gemeinsam mit Rauball den Deutschen Fußball-Bund (DFB) führt, warnte vor übereilten Reaktionen. „Wir müssen jetzt entsprechend besonnen damit umgehen und einfach wachsam sein und auch die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend für zukünftige Veranstaltungen kritisch überprüfen und gegebenenfalls auch erhöhen, wo notwendig“, sagte Koch.

Es war das zweite Schockerlebnis für die Weltmeister: Die Fußball-Nationalmannschaft war schon auf dem Weg zum Stadion, da wurde der Mannschaftsbus in Hannover kurz vor der Arena gestoppt.

Statt mit dem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande nach den direkt miterlebten Anschlägen in Paris ein Symbol für Frieden und Freiheit setzen zu können, musste Bundestrainer Joachim Löw mit seinen Spielern wieder umkehren - zurück an einen sicheren Ort.

„Dass unsere Mannschaft innerhalb von vier Tagen zweimal so ein tragisches Erlebnis miterleben muss, war in meiner Vorstellungskraft nicht möglich“, sagte Rauball bei einer Pressekonferenz

„Mein Eindruck ist, dass der Fußball in Deutschland mit dem heutigen Tage in allen Facetten eine andere Wendung genommen hat“, sagte Rauball nach der ersten Absage eines Länderspiels in Deutschland wegen Terrorgefahr.

Löw und das Team waren da schon nach Barsinghausen ins Teamquartier zurückgekehrt. Aber nur kurz. Spieler und Betreuer aus München flogen direkt heim nach Bayern. Andere Spieler wurden von Freunden abgeholt, berichtete Rauball. „Es ist ein trauriger Tag für Deutschland und ein trauriger Tag für den deutschen Fußball, sicher auch für den holländischen Fußball“, sagte der Topfunktionär.

Dafür, dass die DFB-Auswahl in Frankreich und nun in Hannover das primäre Anschlagsziel gewesen sei, gebe es keine Erkenntnisse, sagte Rauball. Schon das erste Schreckensszenario im Stade de France am vergangenen Freitag hatte die Spieler und Trainer tief verunsichert. Das Team musste überzeugt werden, dass das Niederlande-Spiel nicht schon am Wochenende abgesagt wurde. Die ganze Nacht hatten die Weltmeister in der Kabine in Paris ausharren müssen.

„Wir Spieler haben uns natürlich darüber unterhalten und gesagt, dass, wenn dieses Spiel stattfindet, es extrem schwierig sein wird. Wir haben uns irgendwo dann auch ein Stück weit dagegen ausgesprochen, um da mal auch ehrlich zu sein, weil wir letztendlich keine Maschinen sind, sondern auch Menschen mit Gefühlen. Auch wenn wir Profis sind, in dem, was wir machen, geht das nicht spurlos an einem vorbei“, berichtete der Dortmunder Ilkay Gündogan vor den dramatischen Ereignissen in Hannover über die Gefühlswelt der Nationalspieler.

Fünf Kilometer vor der Arena wurde der deutsche Teambus am Dienstagabend gestoppt. Der niederländische Bus fuhr direkt dahinter. Rauball telefonierte nach der Information der Sicherheitskräfte mit Löw und Teammanager Oliver Bierhoff. Löw hatte bei einer emotionalen Pressekonferenz am Montag noch erklärt, dass diese Partie zu einem Symbol für Frieden und Freiheit werden solle, jenseits jeder sportlichen Rivalität mit den Niederländern. Mit den Gästen aus dem Nachbarland waren mehrere symbolische Aktionen vor dem Anpfiff abgesprochen gewesen, um Solidarität mit Frankreich zu demonstrieren.

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