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15.04.2013

16:10 Uhr

Trotz Champions League

Schalke macht Verluste

Schalke fuhr im vergangenen Jahr zwar einen Verlust von knapp neun Millionen Euro ein, baute aber gleichzeitig seine Verbindlichkeiten erheblich ab. Der Revierverein steht wirtschaftlich besser da als vor einigen Jahren.

Schalke kann trotz Verlusten seinen Schuldenberg abbauen. dpa

Schalke kann trotz Verlusten seinen Schuldenberg abbauen.

GelsenkirchenDer Konzern des FC Schalke 04 hat das Kalenderjahr 2012 mit einem Minus in Höhe von 8,9 Millionen Euro abgeschlossen. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Bilanz des Fußball-Bundesligisten für den Zeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2012 hervor. Der Konzernumsatz im Kalenderjahr 2012 betrug nach Clubangaben 190,8 Millionen Euro. Dies bedeutet einen erheblichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr 2011 (224,2 Mio. Euro), gleichwohl sei dies der zweithöchste Erlös der Vereinsgeschichte, erläuterte Finanzvorstand Peter Peters am Montag.

„Wir wollen beim FC Schalke erfolgreich Fußball spielen, unsere Verbindlichkeiten weiter zurückführen und gleichzeitig auch weiter in die Infrastruktur investieren“, fasste Peters die Ziele des Vereins zusammen. „Alles mit Augenmaß, wir sind keine Zauberer.“

Der Umsatz-Rückgang von 33,4 Millionen Euro erkläre sich zum Großteil mit den ausbleibenden Transfererlösen in der Größenordnung, wie ihn der Fußball-Bundesligist 2011 durch den Wechsel von Torhüter Manuel Neuer zum FC Bayern München erzielte. 2011 hatte Schalke einen Jahresüberschuss von 4,9 Millionen Euro ausgewiesen. Zu einer großen Belastung wurden im Vorjahr nicht eingeplante Aufwendungen in Höhe von 6,6 Millionen Euro für die Sanierung des durch die Schneemassen beschädigten Daches der Veltins-Arena.

Wirtschaftsfakten der Champions League

Prämien

In der Saison 2010/2011 schüttete die Uefa insgesamt 754,1 Millionen Euro an die 32 Teilnehmer der Champions League aus. Neben einer Antrittsprämie von 3,9 Millionen gab es 550.000 Euro für jedes Vorrundenspiel, 400.000 Euro für ein Remis und 800.000 für einen Sieg in der Gruppenphase.
Die Qualifikation für das Achtelfinale war der Uefa 3 Millionen Euro wert, für das Viertel- und das Halbfinale gab es 3,3 und 4,2 Millionen Euro Prämie. Während sich der unterlegene Finalist mit 5,6 Millionen Euro trösten durfte, kassierte Sieger Barcelona für den Titel satte 9 Millionen Euro.

Market Pool

Neben den Siegprämien werden an die Vereine Anteile des Market Pools ausgeschüttet, in dem die Einnahmen durch Fernsehgelder gesammelt sind. In der vergangenen Saison waren das 341 Millionen Euro.
Der Anteil der einzelnen Teams ist dabei neben der Menge an Spielen auch von den im eigenen Land bezahlten Fernsehgeldern abhängig und der Ligaplatzierung des Vorjahres abhängig. So konnte Manchester United als unterlegener Finalist 2011 trotzdem insgesamt knapp 2 Millionen Euro mehr einnehmen als Sieger Barcelona.

Solidarzahlungen

Ein Teil der Prämien gingen zudem an Mannschaften, die bereits in einer der Qualifikationsrunden ausgeschieden sind. Jeder gescheiterte nationale Meister erhielt 200.000 Euro Antrittsprämie, jedes Team 130.000 Euro für das Erreichen der nächsten von insgesamt drei Runden, also maximal 590.000 Euro.

So viel Geld bekamen die Klubs

Die Einnahmen ausgewählter Teams in der Champions-League-Saison 2011:

FC Barcelona: 51,025 Millionen Euro
Manchester United: 53,197 Millionen Euro
Real Madrid: 39,822 Millionen Euro
FC Schalke: 39,288 Millionen Euro
Inter Mailand: 37,982 Millionen Euro
Bayern München: 32,562 Millionen Euro

Sponsoren

Die Uefa lässt in jeder Drei-Jahres-Periode nur maximal acht Hauptsponsoren für die Champions League zu, deren Branchen sich nicht überschneiden dürfen. Im Moment sind das die Firmen Ford, Mastercard, Sony Ericsson, Sony Europe, Playstation als Marke der Sony Computer Entertaintmend Europa, UniCredit und in allen Ländern, in denen Alkoholwerbung erlaubt ist, Heineken. Adidas als Lieferant des offiziellen Spielballs ist nur Ausrüster und damit Nebensponsor.
Die Vereine dürfen weiterhin ihren persönlichen Hauptsponsoren auf dem Trikot tragen, allerdings nur diesen einen. Der Mediawert der aktuell sieben Hauptsponsoren der Champions League wird auf 15 Millionen Euro geschätzt. Für die kommenden drei Jahre stehen als Sponsoren bereits Heineken, UniCredit, Ford, Mastercard und Playstation fest.

Fernsehrechte

Die Übertragungsrechte an der Champions League werden ebenfalls alle drei Jahre für die kommenden drei Spielzeiten vergeben, getrennt nach Free-TV- und Pay-TV-Sendern. Während in der Saison 2011 noch Sky Deutschland und Sat1 die Spiele übertragen, übernahm das ZDF ab Sommer 2012 für drei Jahre die Berichterstattung im Free-TV.
Die Rechte gelten für ein Spiel pro Matchwoche sowie die Übertragung des Finals und des Super Cups – online und im Fernseher. Außerdem umfasst der Vertrag das Zeigen von Spielzusammenfassungen anderer Partien. Offizielle Zahlen zu den Kosten der Rechte gibt es nicht, Experten schätzen den Preis pro Jahr aber auf über 50 Millionen Euro.

Das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (EBITDA - bereinigt um den Sonderaufwand) lag zwar unter dem von 2011 (62,1 Mio. Euro), blieb jedoch mit 40,8 Millionen Euro im positiven Bereich. Nach Vereinsangaben lagen die Finanzverbindlichkeiten zum 31. Dezember 2012 bei 173,1 Millionen Euro und wurden im Vergleich zum Vorjahr (184,8 Mio. Euro) um 11,7 Millionen Euro reduziert. „Unser Ziel ist, 2022 oder 2023 schuldenfrei zu sein“, nannte Peters das ehrgeizige Ziel.

Unter dem Strich konnten die Königsblauen trotz der Umsatzeinbuße auch ihre Gesamtverbindlichkeiten von 217 Millionen Euro im Vergleich zu 2011 (228,6 Mio Euro) um 14,2 Millionen Euro zurückführen. „Schalke 04 hat die Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg aufgrund seiner hohen Ertragskraft weiter reduziert, seine Handlungsfähigkeit durch die fortschreitende Konsolidierung hingegen erhöht“, betonte Peters. Alle acht Tochtergesellschaften der Schalke GmbH arbeiten nach Angaben des Finanzchefs profitabel.

Die umsatzstärksten Fußballklubs in Europa (Rang 1-10)

Platz 1

Der umsatzstärkste Fußballklub der Saison 10/11 ist Real Madrid mit 479,5 Mio. Euro. Damit bleibt der Verein seinem Platz des Vorjahres weiterhin treu.

Quelle: Studie „Football Money League“, Deloitte (März 2012)

Platz 2

Auf der zweiten Position bleibt der FC Barcelona in der Saison 10/11 mit 450,7 Millionen Euro.

Platz 3

Der Verein Manchester United behält ebenfalls seine Position 3 als umsatzstärkster Fußballklub. In der Saison 10/11 machte er einen Umsatz von 367,0 Millionen Euro.

Platz 4

Auch Bayern München hält sich wacker auf der vierten Position vom Vorjahr mit 321,4 Millionen Euro Umsatz in der Saison 10/11.

Platz 5

Arsenal London gibt ebenfalls seinen Platz vom Vorjahr nicht ab und machte in der Saison 10/11 einen Umsatz von 251,1 Millionen Euro.

Platz 6

Kurz dahinter liegt Chelsea London weiterhin auf dem sechsten Platz mit 249,8 Millionen Euro.

Platz 7

Der AC Mailand nimmt - wie im Vorjahr auch - mit 235,9 Millionen Euro die siebte Position des umsatzstärksten Fußballklubs ein.

Platz 8

Inter Mailand hingegen stieg von Platz neun auf Platz acht auf und erzielte einen Umsatz von 211,4 Millionen Euro.

Platz 9

Vom achten Platz auf den neunten Platz fiel der FC Liverpool. Sein Umsatz in der Saison 10/11 betrug 203,3 Millionen Euro.

Platz 10

Den zehnten Platz nimmt schließlich der FC Schalke ein. Im Vorjahr war er noch auf Platz 16 und schaffte es jetzt, mit einem Umsatz von 202,4 Millionen Euro auf den zehnten Platz vorzudringen.

„Ziel unseres wirtschaftlichen Handelns bleibt es, zukünftig wieder Gewinne zu erzielen. Dies wird 2013 vor allem dann gelingen, wenn der Verein erneut europäisch erfolgreich spielt oder die Personalkosten in der kommenden Transferperiode reduziert“, sagte Peters weiter. Im Sponsoring könnten noch Mehreinnahmen generiert werden. „Ein Gestaltungsspielraum bei Spieleinnahmen“ sei aber nicht vorhanden, meinte Peters.

Beim Personalaufwand hat sich nicht viel verändert. Die Konzern- Ausgaben für alle Mitarbeiter, Aushilfen und Angestellten (mehr als 500) lagen 2012 bei 98,5 Millionen Euro. Den größten Batzen verschlang natürlich der Lizenzspielerbereich mit allen Profis und dem Trainerstab. Die Kosten hierfür bezifferte Peters auf rund 86 Millionen Euro. „Diese Kosten wollen wir nicht über Qualität, sondern über Quantität weiter reduzieren“, so Peters.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Investor13

15.04.2013, 20:22 Uhr

Peinliche Panne. Borussia Dortmund müsste müsste mit einem Umsatz von 215 Millionen ca. auf dem 8. Platz liegen. Wie konnte das denn passieren ? Passt da jemand der Erfolg des BVB nicht in den Kram ?

Dandy_Du

15.04.2013, 23:17 Uhr

Peinlich die Zweite: Vom Handelsblatt erwarte ich eine kritische Auseinandersetzung mit einer derart desaströsen Bilanz bzw. DPA-Meldung. Bei Schalke 04 sinken das EK und das Vermögen schneller als das Verbindlichkeiten abgebaut werden, reine Bilanz-Politur.
Errechnet mal die Kennzahlen zur finanziellen Stabilität & Rentabilität. Nach §16f. InsO sollte ernsthaft der Tatbestand der Überschuldung geprüft werden. Problem, welcher Wirtschaftsprüfer traut sich schon zu, die Spielerwerte als stille Reserven zu bewerten. Folge, solange die Liquidität auch nur ansatzweise möglich ist, dreht sich der Zirkus weiter. Bei Personalaufwand > 50% plant Schalke fest mit der CL, erinnert eher an Poker denn Fußball, in sechs Spieltagen wissen wir ob es das Risiko wert war...Glück auf!
@Investor13: Das Handelsblatt führt hier die Zahlen der Deloitte Money Football League 2011 auf, du beziehst dich auf die Umsätze von 2012.

Raul666

16.04.2013, 08:32 Uhr

@Dandy_Du
Es geht um die Vereins-Bilanz der Saison 10/11...
Warum sollte Dortmund jetzt mit der aktuellen Bilanz dazwischen aufgeführt weden...

Ist das Doofmunder Logik?

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