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10.02.2015

10:53 Uhr

TSG-Mitglieder einstimmig

Dietmar Hopp kauft Hoffenheim

De facto bestimmt der Milliardär und SAP-Gründer schon lange das Geschehen beim Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Dank einer Ausnahmeregel der Deutschen Fußball-Liga hat Dietmar Hopp nun auch offiziell das Sagen dort.

Beschlossene Sache: Der Milliardär und SAP-Gründer wird offizieller Boss. dpa

Dietmar Hopp

Beschlossene Sache: Der Milliardär und SAP-Gründer wird offizieller Boss.

HoffenheimSeit 1989 fördert Dietmar Hopp den Fußball-Klub 1899 Hoffenheim. Der Gründer des größten deutschen Softwarekonzerns SAP hat aus dem „Dorfverein“ einen Bundesligisten gemacht. Seit gestern Abend ist der Verein nun auch im Besitz des Milliardärs. Dank einer Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) darf Hopp, der bisher 49 Prozent an der Hoffenheimer Fußball-Spielbetriebs GmbH hielt, die Mehrheit übernehmen. Am Montagabend stimmten auch die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung des Vereins in der Stadthalle Sinsheim mit einem einstimmigen Votum für die Übernahme durch Hopp zum 1. Juli 2015.

Zuvor hatte bereits die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Fall Hoffenheim einer Ausnahme der 50+1-Regel zugestimmt, denn eigentlich dürfen Investoren gemäß den Statuten nicht die Stimmenmehrheit bei Proficlubs übernehmen.

Hopp hatte damals die Entscheidung der DFL begrüßt. Die Übernahme sei auch eine Antwort auf die immer komplexeren Herausforderungen sportlicher und wirtschaftlicher Art, schütze den Kapitalgeber und „erleichtert es, das vielfältige sportliche und finanzielle Engagement auf den langjährigen substanziellen Erhalt der TSG und weitere Erfolge auszurichten“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ den früheren SAP-Chef.

Investoren im Fussball: Die 50+1-Regel

Regel

Die 50+1-Regel ist ein Paragraph in den Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sie soll verhindern, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgliedern.

Hintergrund

Hintergrund dieser Regelung ist das Interesse von Großunternehmen oder Investoren am Fußball. Die Liga möchte einer Entwicklung wie in England, Spanien oder Italien vorbeugen, wo Fußballvereine zum Spielball für Investoren wurden.

Streit

Um die Regel gibt es seit Jahren Streit. Manche Investoren wollten sie kippen, doch ein Schiedsgericht bestätigte die Regel im Kern.

Ausnahme

Liga-Präsident Reinhard Rauball ist sicher: „Im deutschen Profi-Fußball werden Investoren weiterhin nur im Ausnahmefall und sehr eingeschränkt die Stimmenmehrheit bei einzelnen Clubs übernehmen können.“

Charakter

Die Bundesliga behält damit nach Einschätzung der DFL ihren unverwechselbaren Charakter und kann weiter auf die Faktoren setzen, die in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zum Erfolg beigetragen haben: Stabilität, Kontinuität, Vorrang des Wettbewerbs und gelebte Bodenständigkeit.

Investoren

Allerdings ist künftig im Liga-Fußball mehr Platz für Investoren. Das ist ein Erfolg von Hannovers Präsident Martin Kind, der gegen die Regel vorgegangen war.

Zukunft

Nach Einschätzung von Experten erhalten Klubs fortan die Möglichkeit, eng verbundene Finanziers, Sponsoren oder Mäzenen nach 20 Jahren Engagement im Verein die Kapitalmehrheit und Stimmenmehrheit an der Fußball-Kapitalgesellschaft zu übertragen.

Hoffenheim und München

Auch hinter 1899 Hoffenheim und 1860 München stehen potente Einzelpersonen – SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp (Hoffenheim) und der jordanische Multimillionär Hasan Ismaik (München) –, die die Mehrheit des Vereins besitzen. Jedoch haben sie ihre Stimmanteile formal auf 49 Prozent beschränkt, um nicht gegen die 50+1-Regel zu verstoßen.

Lex Leverkusen

Die „Lex Leverkusen“ besagte, dass Investoren erlaubt sind, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Das war im Grunde eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. In unteren Ligen machen auch als Betriebssportgemeinschaften gegründete Vereine wie der FC Carl Zeiss Jena oder Wacker Burghausen von der Regel Gebrauch. Deshalb dürfen Jena oder Leverkusen den Sponsor im Vereinslogo und -namen tragen und der VfL Wolfsburg eine hundertprozentige Tochter der Volkswagen AG sein.

Anteile an Fußballvereinen

Beim börsennotierten Erstligisten Borussia Dortmund befinden sich weniger als zehn Prozent der Aktien im Besitz des Vereins. Beim Branchenprimus FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile. Wobei ein Tochterunternehmen von Audi auch 20 Prozent bei Zweitligist FC Ingolstadt 04 hält. Und bei Hertha BSC stieg Anfang des Jahres der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) ein.

Bei einer Mitgliederversammlung der Hoffenheimer Fußball-Spielbetriebs GmbH hatte sich der Ligaverband Anfang Dezember mit Ausnahmeregelungen beschäftigt, dies ging ursprünglich auf eine Klage von Clubchef Martin Kind von Hannover 96 zurück. Die Bedingungen für die Mehrheitsübernahme bei mehr als 20-jähriger ununterbrochener und erheblicher Förderung wurden dabei durch die DFL gelockert.

Hopp, der 74-jährige Mitbegründer des Software-Giganten SAP, ist der größte private Förderer im deutschen Fußball. Er unterstützt den Verein bereits seit 1989 und hat in Spieler, Stadion, Leistungszentrum und weitere Infrastruktur bereits etwa 350 Millionen Euro investiert. Dank seiner Finanzkraft landete der Dorfverein in der Bundesliga.

Der Milliardär bestimmt de facto schon lange das Geschehen in Hoffenheim. Doch er gilt inzwischen, anders als viele fußballverrückte Milliardäre in England und Spanien, die um jeden Preis Titel wollen, als besonnener und bedächtiger Investor, der Hoffenheim langsam aufgebaut hat. Und so sind inzwischen die kritischen Stimmen von Konkurrenten und fremden Fans aus der Liga, die ihn zu anfangs begleiteten, verstummt.

Sie begleiteten Hopp allerdings auch deshalb, weil er Mitte der 2000er-Jahre durchaus spektakuläre Verpflichtungen finanzierte. So trat 2006 der Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick bei Hoffenheim an, als der Verein noch in der Regionalliga spielte. Mit ihm kamen einige Bundesliga-Legionäre, die Hoffenheim mit zwei direkten Aufstiegen in die Bundesliga führten.

Von

dpa

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