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19.09.2016

12:58 Uhr

Turnaround im Fußball

Wie der 1. FC Köln reif für Europa wird

VonThomas Schmitt

Der 1. FC Köln war fast pleite. Inzwischen ist er saniert. Überraschend schnell gelingt im September die Umschuldung – dank der Hilfe von Fans. Geld ist wieder da. Doch noch fehlt ein Super-Stadion, um fit zu werden.

Fans vom 1. FC Köln halten bei der Vereinshymne Ihre Schals hoch und zeigen eine Meisterschale. Die Unterstützung durch die eigenen Anhänger ist gewaltig, deshalb war es auch kein Problem, im September zwei neue Anleihen innerhalb weniger Wochen zu platzieren. dpa

Kölner Fans

Fans vom 1. FC Köln halten bei der Vereinshymne Ihre Schals hoch und zeigen eine Meisterschale. Die Unterstützung durch die eigenen Anhänger ist gewaltig, deshalb war es auch kein Problem, im September zwei neue Anleihen innerhalb weniger Wochen zu platzieren.

KölnIn zehn Jahren reif für Europa! Spätestens! Das ist der Langfristplan, den die neuen Macher des 1. FC Köln verfolgen: Jörg Schmadtke und Finanz-Geschäftsführer Alexander Wehrle. Beide verbindet offenbar ein Grundverständnis für das, was in Köln möglich ist. In den vergangenen zwei Jahren war dies sportlich die Etablierung in der Bundesliga und wirtschaftlich die Konsolidierung.

Schmadtke bastelte an der Mannschaft und war zuletzt sogar in der Lage, einige Verträge wichtiger Spieler langfristig zu verlängern. Wehrle räumte seit 2013 die Bilanz auf, bildete wieder Eigenkapital, sorgte für Umsatzrekorde und kann nun Altschulden abbauen. Spätestens 2024 sollte der Verein seinen nur schlecht gedeckten Schuldenberg von 15,5 Millionen Euro los sein.

Die Grundlage dafür wurde im September gerade durch eine Umschuldung gelegt. Die beiden neuen Anleihen wurden innerhalb von nur drei Wochen bei den Altgläubigern platziert. Und das, obwohl der Verein nur noch 3,5 Prozent Zinsen anbot und diese neuen Schulden sehr viel schneller wieder ablösen kann als bislang.

Fakten zum 1. FC Köln

Verein

„Der 1. FC Köln ist nicht irgendein Club. Er ist besonders. Zum Beispiel, weil Fans und Mitglieder diesem Club selbst dann nicht verlorengehen, wenn er keine Titel gewinnt. Weil sein Stadion selbst in der 2. Bundesliga ausverkauft ist. Weil er Humor hat und trotzdem ernsthaft professionell ist.“

www.fc-koeln.de

Mitglieder und Fans

Anfang 2015 zählt der Club rund 70.000 Mitglieder, knapp die Hälfte davon kommen aus Köln und dem Umland. 1.400 FC-Fan-Clubs gibt es in Deutschland, aber auch in Belgien, England, Spanien und sogar in Kanada, Costa Rica und Nigeria haben sich Fans zusammengeschlossen.

Maskottchen

1950 schenkte die Zirkusdirektorin Carola Williams dem 1. FC Köln auf einer Karnevalssitzung einen kleinen Geißbock als Glücksbringer. Benannt wurde er nach dem späteren Meistertrainer Hennes Weisweiler. Mittlerweile ist Hennes das bekannteste Maskottchen und Wappentier Deutschlands. Seit dem 24. Juli 2008 ist Hennes VIII. im Amt, er lebt im Kölner Zoo.

Umsatz

In der Saison 2015/16 stieg der Umsatz erstmals über die Marke von 100 Millionen Euro – ein Rekord.

Gewinn

2012 war der Verein nahe an der Insolvenz. Inzwischen fällt wieder ein Gewinn nach Steuern an, der in der Saison 2015/16 deutlich gestiegen ist.

Trikots

Sponsor ist die Handelskette REWE. Bis 2018 fließen so 6 Millionen Euro pro Jahr an den Verein. Ausrüster ist bis 2018 Erima.

Trikotpreise

Ohne Beflockung: 79,99
Mit Standard-Beflockung: 92,94 Euro
Mit besonderer Beflockung: 97,94 Euro
Kindertrikots: 59,99 Euro

Stadion

Rheinenergiestation – Kapazität: 50.000 Plätze, nahezu ausverkauft
Namensrechte vergeben bis 2018, bringen 2,5 Millionen Euro pro Jahr
Eigentümer: Kölner Sportstätten GmbH (Stadt Köln)

Ticketpreise

Tagestickets: 16 bis 75 Euro
Dauerkarten: 165 bis 785 Euro
verkauft: 25.000

Geschäftskunden

Logen: 57
Logenplätze: 780
VIP-Plätze: 2927

Der Verein könnte sogar im Geld schwimmen, doch der Versuchung, planlos Millionensummen bei den Fans einzusammeln, widerstand man. „Wir hätten mit Blick auf die Interessentenliste weitere Schuldverschreibungen im Volumen von rund 25 Millionen Euro ausgeben können, das ist ein sehr positives Zeichen“, sagt FC-Geschäftsführer Wehrle.

1. FC Köln-CFO Alexander Wehrle: Der unverbesserliche Optimist

1. FC Köln-CFO Alexander Wehrle

Premium Der unverbesserliche Optimist

Der Finanz-Geschäftsführer Alexander Wehrle hat den Fußballverein wieder handlungsfähig gemacht. Umsatz und Gewinn sind gestiegen, nun sollen die Schulden schneller sinken – mit neuen Anleihen, die 3,5 Prozent bringen.

Das allein reicht aber noch lange nicht, um wieder ganz oben mitzuspielen. Das langfristige Ziel kann nur Europa sein. Im Moment sieht es in der Tabelle dafür zwar gut aus. Doch nachhaltig gelingt dies im Fußballballgeschäft nur, wenn sich die Geißböcke sportlich wie wirtschaftlich weiter entwickeln. Auch dafür existiert in Köln bereits ein Plan.

In der ersten Phase heißt das zunächst: Wieder mehr Geld in die Mannschaft stecken. Für Köln ist bereits dies eine kleine Revolution. War man doch wegen der finanziellen Schieflage 2012 und des damit verbundenen Abstiegs gezwungen, Gehälter zu senken und auf junge Spieler zu setzten. Trotzdem gelang es unter Trainer Peter Stöger, sich mit einer Defensivtaktik in der Bundesliga zu etablieren.

Kommentare (1)

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21.09.2016, 12:21 Uhr

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