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11.02.2015

09:39 Uhr

TV-Rechte im Fußball

Bundesliga schleicht Premier League hinterher

VonThomas Schmitt

TV-Gelder bestimmen den Rang im Fußball. Doch die Bundesliga ist weit abgeschlagen. Erst 2017 sind eine Milliarde Euro oder mehr pro Saison drin. Das wird bei weitem nicht reichen, um England einzuholen. Eine Analyse.

Ein Kameramann während seiner Arbeit: Sky hat sich die Übertragungsrechte der Bundesliga einiges kosten lassen. Im internationalen Vergleich ist der Preis aber noch überschaubar. dpa

Bundesliga

Ein Kameramann während seiner Arbeit: Sky hat sich die Übertragungsrechte der Bundesliga einiges kosten lassen. Im internationalen Vergleich ist der Preis aber noch überschaubar.

DüsseldorfOhne Geld vom Fernsehen ist Spitzenfußball nicht mehr denkbar. Deshalb will die Bundesliga die Sender künftig noch stärker melken. Eine Milliarde Euro pro Saison peilen sie nun an – nur für die TV-Rechte in der ersten und zweiten Liga. Doch selbst das wäre zu wenig, um den Vorsprung der Konkurrenz aufzuholen.

Bisher kassieren die erste und zweite Liga gut 600 Millionen Euro im Jahr für die TV-Rechte. Das ist zwar doppelt so viel wie vor zehn Jahren und zehn Mal mehr als Anfang der neunziger Jahre. Doch im internationalen Vergleich ist die Bundesliga abgeschlagen. Italien liegt über 900 Millionen und England nun sogar bei mehr als zwei Milliarden Euro pro Saison - in drei Spielzeiten von 2016 bis 2019 macht das 6,9 Milliarden Euro.

Wer so viel TV-Geld kassieren kann, hat natürlich mehr Möglichkeiten, in erstklassige Spieler zu investieren. Kein Wunder also, dass in der Premier League die höchsten Gehälter gezahlt werden – und das nicht nur von den Spitzenklubs. Selbst Vereine im hinteren Tabellendrittel kassieren mehr Geld für TV-Rechte als hierzulande die Bayern. Droht also ein Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit?

Nicht mit den Bundesliga-Bossen. Die sind wild entschlossen, die TV-Sender zu melken, so weit es eben geht. „Das Vertragsvolumen für die erste und zweite Bundesliga dürfte in 2017 in Richtung der Milliarden-Euro-Marke weiter zulegen“, sagte der BVB-Vorstand Thomas Treß vergangenes Jahr in einem Interview mit den Analysten von GSC-Research. Er war da einer der wenigen, die sich schon aus der Deckung wagten.

TV-Rechte: Was Fernsehsender für den Fußball zahlen

Bundesliga I

In der Bundesliga fließt Geld an die Klubs seit 1965. Am Anfang waren es mit umgerechnet gut 330.000 Euro, doch dieser Betrag erhöhte sich Schritt für Schritt. Einen richtig großen Sprung machte Bundesliga aber erst Ende der achtziger Jahr mit einem Volumen von mehr als 20 Millionen Euro.

Bundesliga II

In den neunziger Jahren wurde die Marke von 100 Millionen Euro pro Saison gerissen. In den folgenden Jahren vervierfachte sich der Betrag bis 2013 auf mehr als 400 Millionen Euro.

Bundesliga III

Aktuell sind folgende Erlöse für die 1. und 2. Bundesliga vereinbart, wie auf der Internetseite Fußball und Geld nachzulesen ist:
2014/2015: 642 Millionen (1. Bundesliga: 513,6 / 2. Bundesliga: 123,4)
2015/2016: 663 Millionen (1. Bundesliga: 531 / 2. Bundesliga: 132)
2016/2017: 673 Millionen (1. Bundesliga: 539 / 2. Bundesliga: 134)

Bundesliga IV

Ein neuer Vertrag muss also vorerst nicht ausgehandelt werden. Allerdings kursiert bereits die Erwartung, dass die Einnahmen aus TV-Rechten spätestens 2017 die Milliardengrenze erreichen.

Premier League

Vorbild dafür ist die englische Premier League, die bereits über die Milliardengrenze gesprungen ist. Mehr noch: Ab 2016 steigen dort die TV-Einnahmen auf mehr als zwei Milliarden Euro pro Saison - allein aus dem Inland.

Serie A

In Italien wurde ein Vertrag für den Zeitraum 2015 bis 2018 geschlossen. Die Serie A erhält danach 943 Millionen Euro. Das sind 114 Millionen mehr als im Zeitraum von 2011 bis 2014.

Ligue 1

Der französische Profifußball hat einen neuen Vertrag ab 2016 geschlossen. Danach kassiert die Liga pro Saison 748,5 Millionen Euro – also deutlich weniger als in Italien und vor allem England.

Primera Division

Anders ist die Situation in Spanien. Dort vermarktet sich nicht die Liga, sondern es verkaufen die Klubs ihre TV-Rechte einzeln. Deshalb schaffen beliebte Vereine wie Madrid und FC Barcelona seit Jahren hohe Millionenbeträge, während die meisten anderen deutlich weniger erlösen.

Fifa

Schon 2011 hat die Fifa für die von ihr veranstalteten Weltmeisterschaften TV-Rechte vergeben. Dies betraf den Zeitraum 2015 bis 2022. Es ging dabei um einen von 1,85 Milliarden US-Dollar.

Auch wenn das Thema sensibel ist, weil verhandelt werden muss: Der BVB-Manager steht da keineswegs alleine. Besonders forsch tritt öffentlich immer wieder der Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge auf. Bereits vor zwei Jahren erklärte er, dass er weiter Wachstumspotenzial in der Vermarktung der Fußball-Bundesliga sieht. „Ich bin überzeugt, dass wir irgendwann zumindest Italien einholen werden.“

Nur Italien? Als Rummenigge das sagte, hatte die Bundesliga gerade erst ihren neuen TV-Vertrag abgeschlossen. Erstmals hatten die Bundesliga-Manager die Fernsehanstalten richtig ausgepresst – dank der neuen Konkurrenz durch das Bezahlfernsehen, den TV-Sender Sky. Gleich um rund 50 Prozent stieg das Volumen. Ob das jetzt wieder drin ist? Oder noch mehr?

Vorbild für die Bundesliga ist die englische Premier League. Nach dem jüngsten Milliardendeal gilt das erst recht. Dort werden für die Fernsehrechte geradezu astronomische Summen gezahlt. Selbst die Prognosen von optimistischen Experten wurden nun wieder übertroffen. Deshalb blicken die Bundesliga-Manager seit Jahren neidisch auf die Insel. Rummenigge: „Für ihre Arbeit bei der TV-Vermarktung national wie international kann man nur Beifall klatschen.“

Das sagte der Bayern-Vorstandschef schon 2012, als die Deutsche Fußballballliga DFL gerade ihren neuen Vertrag ab der Saison 2013/2014 geschlossen hatte. Für vier Jahre war durchschnittlich die Rekordsumme von 628 Millionen Euro vereinbart worden. Die Premier League lag damals schon deutlich darüber und damit völlig außerhalb der Reichweite.

Kommentare (2)

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Herr W. Zimmermann

11.02.2015, 10:26 Uhr

Dann doch lieber weniger Geld für die Vereine, so dass sie statt teuerer ausländischer Spieler auf Eigengewächse und den Nachwuchs setzen müssen. Und daher wurden wir Weltmeister und England schaffte nicht mal die Vorgruppe.
Ausserdem würde mehr Geld für die Bundesliga heissen, dass wir als Fans das irgendwie bezahlen müssen.

Herr J.-Fr. Pella

11.02.2015, 10:50 Uhr

Die Idioten kennen keine Grenzen.
Turnhallen, Schwimmhallen usw. müssen wegen Baumängel geschlossen werden. Kitas, Grundschulen usw. haben nicht ausreichend Geld.
Die Suppenküchen in Deutschland sind überfüllt.
In einigen Schlaglöchern in unseren Straßen können problemlos Kleinwagen ver-
senkt werden, Brücken müssen gesperrt werden und die Fußballer und deren Funktionären kriegen den Hals nicht voll.
Gearbeitet hat von diesen Typen noch keiner!!!
Wehe, wehe wenn für diese Multimillionäre Fernsehgelder verschwendet werden.
Lieber Gott, laß Hirn regnen.

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