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12.04.2016

16:55 Uhr

TV-Rechte in der Bundesliga

Am Ende zahlt sowieso der Zuschauer

VonMarkus Hennes

Die TV-Einnahmen der Bundesliga sollen ab 2017/18 über einer Milliarde Euro liegen. So plant es die Deutsche Fußball Liga. Der finanzielle Vorsprung der britischen Premier League ist damit nicht aufzuholen. Ein Kommentar.

Bundesliga

„Profifußball braucht erhebliche finanzielle Mittel"

Bundesliga: „Profifußball braucht erhebliche finanzielle Mittel"

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DüsseldorfChristian Seifert hat Wort gehalten. Seit Monaten beschwört der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Attraktivität der Bundesliga, das hohe Zuschauerinteresse im Inland und Ausland. Immer mehr Menschen auf dem Globus wollen die Spiele, insbesondere aber die Toptorjäger der beiden besten deutschen Vereine, Robert Lewandowski von Bayern München und Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund, auf dem Bildschirm in Aktion sehen.

Dieses Fußball-Vergnügen sollte den Fußballfans auch einiges wert sein, schlussfolgert der DFL-Chef. Nach Seiferts Vorstellung mehr als eine Milliarde Euro im Jahr. Die Auktion der insgesamt 17 Rechtepakete für den nationalen und den europäischen Markt hat die DFL nun offiziell eröffnet. Bis Anfang Juni, also kurz vor dem Beginn der Europameisterschaft in Frankreich, soll das Verfahren abgeschlossen sein.

Auf dem Preisschild für die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2017/18 steht nun tatsächlich „1,1 bis 1,5 Milliarden Euro“. Das ist deutlich mehr als bisher. In der laufenden Saison nehmen die 36 Erst- und Zweitliga-Klubs 826 Millionen Euro aus der Vergabe der inländischen und internationalen Fernsehrechte ein. 2016/17 steigt die Summe auf 844 Millionen Euro.

Premier League: Die galaktischen TV-Deals

Mega-Deals

Die Premier League verdient nicht nur Geld im Inland, sondern auch massiv im Ausland. Steigerungsraten von 50 bis 100 Prozent sind nicht ungewöhnlich. Daher verfügt die englische Liga über noch mehr Geld als bisher erwartet. Für weitere Millionentransfers und extrem hohe Spielergehälter. Einige Beispiele.

Quellen: Sponsors, Februar 2016, Sven Schmidt

TV-Rechte in den USA

Der TV-Sender NBC zahlt rund 160 Millionen Dollar pro Jahr für die TV-Rechte an der Premier League in den USA. Die Steigerungsrate: etwa 100 Prozent.

TV-Rechte in Frankreich

Das multinationale Telekomunternehmen Altice erhält die TV-Rechte für Frankreich von 2016 bis 2019. Es bezahlt etwa 100 Millionen britische Pfund pro Jahr. Steigerungsrate: mehr als 50 Prozent.

TV-Rechte in Skandinavien

In Schweden, Dänemark und Finnland überträgt MTG von 2016 bis 2019 die Premier League. Das spült jährlich 100 Millionen britische Pfund in die Kasse der Liga. Steigerungsrate: 100 Prozent.

Wert der Auslandsverträge

Die Premier League erlöst allein aus den TV-Rechten im Ausland im Jahr künftig etwa 1,5 Milliarden Euro. Das ist etwa 50 Prozent mehr als die Bundesliga voraussichtlich künftig für die Inlandsrechte wohl erlösen wird.

Inlandsdeal

Gemessen an den Möglichkeiten im Ausland könnte sogar bald der fantastische Inlandsdeal verblassen. Zur Erinnerung: Sky (126 Live-Spiele), BT (42 Live-Spiele) und BBC (Zusammenfassung) zahlen ab der nächsten Saison umgerechnet 2,7 Milliarden Euro pro Jahr. Steigerungsrate: 70 Prozent.

Medienrechte insgesamt

Addiert man die TV-Rechte-Deals aus Inland und Ausland ergibt sich eine Summe von 4,2 Milliarden Euro. Diese fantastische Summer erhält die Premier League pro Jahr. Es übertrifft das voraussichtliche Bundesliga-Niveau um mehr als Vierfache.

TV-Einnahmen pro Verein

Bricht man die TV-Milliarden auf die 20 Vereine der Premier League herunter, so ergibt sich: Jeder englische Klub verfügt allein deshalb ab der nächsten Saison 210 Millionen Euro. Ein deutscher Erstligist kommt dagegen im Schnitt wohl nur auf 45 Millionen Euro.

Gigantischer Wettbewerbsvorteil

Aus dem Vergleich der TV-Rechte ergibt sich ein gigantischer Wettbewerbsvorteil für die Premier League: 165 Millionen Euro hat jeder Verein im Schnitt mehr als ein Bundesliga-Konkurrent, um Spieler zu kaufen und höhere Gehälter zu zahlen. Um es in Relation zu setzen: 15 der 18 Erstligisten kommen nicht einmal auf den Umsatz, den englische Klubs allein mit den Fernsehrechten machen.

Investoren kommen

Investoren realisieren diese Zahlen und stecken nun auch massiv Geld in die Klubs der ersten Liga. So investierten die Chinesen bereits 400 Millionen Euro in Manchester City. Denn: Die Premier League hat Fans überall auf der Welt. Eine ideale Plattform für Werber.

Wenn das alles so klappt, steigen die TV-Einnahmen der deutschen Profiklubs um mindestens 25 Prozent. Und trotzdem blickt die Bundesliga neidisch nach England. Umgerechnet 2,3 Milliarden Euro pro Jahr kassieren die 20 Vereine der Premier League seit Beginn dieses Jahres allein aus der nationalen TV-Vermarktung des Spielbetriebs.

Bundesliga-Übertragung: Fußballfans gucken in die Röhre

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Spiele am Montag, Übertragungen bei mehreren Anbietern: Die DFL will mehr Geld mit der Bundesliga einnehmen. Für Fans droht es kompliziert zu werden – und teuer. Auch die Spannung könnte verlorengehen. Eine Analyse.

Die Erlöse aus der internationalen Vermarktung kommen sogar noch oben drauf. Die vollen Kassen der englischen Klubs sind vor allem das Ergebnis eines Bietergefechts zwischen den Bezahlsendern Sky und British Telecom. Die beiden großen Anbieter haben zusammen 15 Millionen Abonnenten. Nur auf vier Millionen Abonnenten kommt dagegen Sky Deutschland.

Schon diese Zahlen zeigen: Die Bundesliga kann den Vorsprung der Premier League nicht aufholen. Und Sky Deutschland, das bisher schon für drei Viertel der TV-Einnahmen der DFL steht, dürfte sich davor hüten, gleich 1,5 Milliarden Euro zu bieten. Denn das Refinanzierungsrisiko ist beträchtlich, daran sind schon andere Anbieter gescheitert.

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