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04.07.2015

08:00 Uhr

TV-Rechte in der Bundesliga

DFL plant Montagsspiele und kürzere Sportschau

VonThomas Schmitt

Die Bundesliga pokert um mehr Geld für Übertragungsrechte in TV und Internet. Die DFL will daher Montagsspiele einführen. Zudem soll es weniger freie Berichte in der ARD-Sportschau geben. Das Kartellamt prüft dies.

SID

Die Bundesliga hält sich noch zurück

Frankfurt/MainDer Milliardenpoker um die TV-Rechte in der Bundesliga geht los. Ziel dabei ist: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will so viel wie möglich aus den Fernsehanstalten und Internetanbietern herausholen, um im Konkurrenzkampf mit der englischen Premier League nicht weiter an Boden zu verlieren.

Die bestmögliche Vermarktung des Premiumprodukts Bundesliga wird daher von der Liga generalstabsmäßig vorbereitet. Seit Monaten wird intern und auf Fachkongressen um Konzepte gerungen. Nun ist ein Papier auf dem Tisch, das bereits an das Kartellamt weitergeleitet worden ist. Wenn es bei den Wettbewerbshütern durchgeht, kann das Spiel mit Sky, ARD, ZDF und weiteren Interessenten so richtig losgehen.

TV-Rechte: Was Fernsehsender für den Fußball zahlen

Bundesliga I

In der Bundesliga fließt Geld an die Klubs seit 1965. Am Anfang waren es mit umgerechnet gut 330.000 Euro, doch dieser Betrag erhöhte sich Schritt für Schritt. Einen richtig großen Sprung machte Bundesliga aber erst Ende der achtziger Jahr mit einem Volumen von mehr als 20 Millionen Euro.

Bundesliga II

In den neunziger Jahren wurde die Marke von 100 Millionen Euro pro Saison gerissen. In den folgenden Jahren vervierfachte sich der Betrag bis 2013 auf mehr als 400 Millionen Euro.

Bundesliga III

Aktuell sind folgende Erlöse für die 1. und 2. Bundesliga vereinbart, wie auf der Internetseite Fußball und Geld nachzulesen ist:
2014/2015: 642 Millionen (1. Bundesliga: 513,6 / 2. Bundesliga: 123,4)
2015/2016: 663 Millionen (1. Bundesliga: 531 / 2. Bundesliga: 132)
2016/2017: 673 Millionen (1. Bundesliga: 539 / 2. Bundesliga: 134)

Bundesliga IV

Ein neuer Vertrag muss also vorerst nicht ausgehandelt werden. Allerdings kursiert bereits die Erwartung, dass die Einnahmen aus TV-Rechten spätestens 2017 die Milliardengrenze erreichen.

Premier League

Vorbild dafür ist die englische Premier League, die bereits über die Milliardengrenze gesprungen ist. Mehr noch: Ab 2016 steigen dort die TV-Einnahmen auf mehr als zwei Milliarden Euro pro Saison - allein aus dem Inland.

Serie A

In Italien wurde ein Vertrag für den Zeitraum 2015 bis 2018 geschlossen. Die Serie A erhält danach 943 Millionen Euro. Das sind 114 Millionen mehr als im Zeitraum von 2011 bis 2014.

Ligue 1

Der französische Profifußball hat einen neuen Vertrag ab 2016 geschlossen. Danach kassiert die Liga pro Saison 748,5 Millionen Euro – also deutlich weniger als in Italien und vor allem England.

Primera Division

Anders ist die Situation in Spanien. Dort vermarktet sich nicht die Liga, sondern es verkaufen die Klubs ihre TV-Rechte einzeln. Deshalb schaffen beliebte Vereine wie Madrid und FC Barcelona seit Jahren hohe Millionenbeträge, während die meisten anderen deutlich weniger erlösen.

Fifa

Schon 2011 hat die Fifa für die von ihr veranstalteten Weltmeisterschaften TV-Rechte vergeben. Dies betraf den Zeitraum 2015 bis 2022. Es ging dabei um einen von 1,85 Milliarden US-Dollar.

Wichtige, geplante Neuerungen hat am Freitagabend das Fachmagazin „Sponsors” veröffentlicht. Die Informationen des führenden deutschsprachigen Anbieters von Informationen im Sportbusiness kommentierte die DFL dem Magazin gegenüber. Auch den Agenturen dpa und sid bestätigte die DFL die Vorschläge, die nun beim Kartellamt liegen.

Im Kern geht es um folgendes: Die Liga will ab der Saison 2017/18 zwei neue Anstoßzeiten einführen. Der erste Vorschlag für die Vergabe der milliardenschweren Medienrechte sieht nun fünf Montagsspiele um 20.15 Uhr und fünf zusätzliche Partien am Sonntag um 13.30 Uhr vor. Damit würde der gesamte Sonntagnachmittag bis ca. 20 Uhr mit Profi-Fußball abgedeckt.

Premier League – TV-Einnahmen 2014/2015

FC Chelsea und Manchester City

FC Chelsea: 134,3 Millionen Euro

Manchester City: 133,7 Millionen Euro

Manchester United und FC Arsenal

Manchester United: 131,3 Millionen Euro

FC Arsenal: 130,8 Millionen Euro

FC Liverpool und Tottenham Hotspur

FC Liverpool: 125,6 Millionen Euro

Tottenham Hotspur: 120,1 Millionen Euro

FC Southampton und FC Everton

FC Southampton: 111,4 Millionen Euro

FC Everton: 108,7 Millionen Euro

Swansea City und Newcastle United

Swansea City: 108,6 Millionen Euro

Newcastle United: 105,9 Millionen Euro

Stoke City und Crystal Palace

Stoke City: 104,8 Millionen Euro

Crystal Palace: 104,1 Millionen Euro

West Ham United und West Bromwich Albion

West Ham United: 102,7 Millionen Euro

West Bromwich Albion: 97,9 Millionen Euro

Leicester City und AFC Sunderland

Leicester City: 96,2 Millionen Euro

AFC Sunderland: 93,8 Millionen Euro

Aston Villa und Hull City

Aston Villa: 91,9 Millionen Euro

Hull City: 89,2 Millionen Euro

FC Burnley und Queens Park Rangers

FC Burnley: 87,5 Millionen Euro

Queens Park Rangers: 86,8 Millionen Euro

Rund die Hälfte der Spiele, circa 158 von 306 Spielen, sollen weiterhin samstags um 15.30 Uhr stattfinden. Bislang sind es 158 bis 184 von 306 Spielen. Auch wenn der Samstagnachmittag damit als Kernspieltag beibehalten werden soll, dürfte die angedachte Verlegung von maximal zehn Begegnungen pro Saison für heiße Debatten an den Stammtischen sorgen.

Vor sechs Jahren hatten bereits viele Fans gegen die Einführung des zweiten Sonntagsspiels um 15.30 Uhr protestiert. Laut DFL dienen die neuen Anstoßzeiten der Entlastung der in der Europa League vertretenen Clubs, die im internationalen Wettbewerb jeweils donnerstags ran müssen.

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