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15.01.2010

08:32 Uhr

Udo Lattek wird 75

„Ich habe dem Fußball alles zu verdanken“

Udo Lattek trainierte die besten Clubs der Welt, gewann mit Bayern München, Borussia Mönchengladbach und dem FC Barcelona alle europäischen Pokale, wurde mehrfach deutscher Meister und DFB-Pokalsieger. Am Samstag feiert der Altmeister seinen 75. Geburtstag. Im Interview zieht Lattek eine Bilanz seiner Karriere, spricht über seine größten sportlichen wie privaten Duelle und schimpft über zu hohe Gehälter mittelmäßiger Spieler.

Udo Lattek rückt die Krawatte zurecht: Der Fußballtrainer wird 75. dpa

Udo Lattek rückt die Krawatte zurecht: Der Fußballtrainer wird 75.

Am Samstag werden Sie 75 Jahre alt. Wie fällt die Bilanz Ihres beruflichen Lebens aus?

Mehr positiv als negativ, auch wenn nicht alles so gelaufen ist, wie man sich das vorgestellt hat. Wie zum Beispiel der Tod meines Sohnes, der mich ein bisschen aus der Bahn geworfen hat. Mit dem Verlauf meiner "Fußball-Karriere" kann ich sehr zufrieden sein. Ich bin aus dem Nichts gekommen, ich bin ein Bauernsohn. Außer dem, was ich kann, habe ich nichts mitgebracht. Ich habe dem Fußball alles zu verdanken.

Zu Beginn Ihrer Fußballlehrer-Laufbahn lief allerdings nicht alles rund, oder?

Mit 20 Jahren, als ich zur Sporthochschule kam, habe ich mich mit Hennes Weisweiler überworfen. Die Trainerausbildung habe ich dann mit 30 Jahren nachgeholt. Hennes hat 14 Tage versucht, mich zu provozieren, aber ich habe mich nicht provozieren lassen. Später hat er, wenn er morgens keine Lust mehr hatte, zu mir gesagt: "Lattek, machen Sie das mal." Dann kam die Prüfung, Helmut Schön war damals Prüfungsleiter. Dann hat er Weisweiler gefragt: "Ich brauche einen Assistenten, wen haben Sie denn da?" Da hat Hennes gesagt: "Ich habe da noch einen Jungen, der ist zwar Student und kein Fußballer, aber der kann das." So bin ich für fünf Jahre zum Deutschen Fußball-Bund gekommen.

Wie kam der Wechsel vom Verband zu Bayern München zustande?

Franz Beckenbauer kam damals zu mir und fragte, ob nicht zum FC Bayern wechseln wolle, weil die Zusammenarbeit mit Branko Zebec keine Zukunft mehr habe. Dann bin nach München geflogen und habe einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. So begann die ganze Scheiße... Meine Frau hat mir später gesagt, wenn ich gewusst hätte, dass du Fußballlehrer wirst, hätte ich dich nicht geheiratet.

Wie hat sich der Fußball seit Ihrem Einstieg in die Bundesliga verändert?

Das ganze Drumherum ist mir zu heftig geworden. Als ich die fünf Wochen nochmals in Dortmund war, habe ich ja den ganzen Tag mit den Journalisten zu tun gehabt. Es war aber auch der Sinn, den Druck von der Mannschaft wegzunehmen. Ich habe alles abgefangen. Ich habe mal Erich Ribbeck gefragt, als der bei Bayern war. Er hat mir gesagt, 75 Prozent ist Öffentlichkeitsarbeit. Zum Training hat man kaum Zeit. Überspitzt formuliert: Das Einzige am Fußball, was stört, ist der Fußball. Ich würde gerne sehen, wenn der Fußball wieder mehr im Vordergrund stehen würde.

Als einer der wenigen Trainer haben Sie alle drei europäischen Pokal-Wettbewerbe mit drei unterschiedlichen Mannschaften gewonnen. Sie sind einer der erfolgreichsten deutschen Trainer überhaupt. Welches war der schönste Erfolg in Ihrer Laufbahn?

Am schönsten ist immer die erste Meisterschaft. Das war 1972 mit Bayern München, als wir im entscheidenden Spiel, dem ersten im Olympiastadion, Schalke 04 mit 5:1 bezwungen haben. Was mir natürlich auch in Erinnerung geblieben ist, war, als ich Otto Rehhagel ärgern konnte. Wir waren 33 Spieltage nicht an der Tabellenspitze, aber am 34. und letzten.

Die größte Enttäuschung dürfte sicherlich die Niederlage mit den Bayern im Endspiel des Europapokals der Landesmeister 1987 in Wien gegen den FC Porto gewesen sein.

Das hat mir unheimlich weh getan, der Pott war nur zwei Meter entfernt, wir mussten nur zufassen. Ludwig Kögl hat per Kopf das Führungstor erzielt. Ich habe aber der Mannschaft in der Halbzeit in der Kabine gesagt, dass das Spiel noch nicht entschieden ist. Aber die alten Hasen meinten, sie könnten das Spiel über die Runden schaukeln. Deshalb ist es schiefgegangen. Damals habe ich bei der Pressekonferenz gesagt: "Gut, dass ich nichts mehr damit zu tun habe". Zu dem Zeitpunkt stand schon fest, dass ich bei Bayern aufhöre.

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