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16.11.2014

12:07 Uhr

Uli Hoeneß kommt

Der FC Bayern und „unbescholtene Personen“

VonKaren Grass

Der FC Bayern will seine Satzung ändern. Dabei geht es vordergründig um das Wörtchen „unbescholten“. Ex-Präsident Uli Hoeneß soll bald angestellt werden – und der Verein will nicht in Erklärungsnot kommen.

Eine Satzung extra für Uli Hoeneß: Satzungsänderungen je nach Vereinsbedarf sind laut Juristen nichts ungewöhnliches. Doch dass sie auf einzelne Personen zugeschnitten sind, kommt eher selten vor. dpa

Eine Satzung extra für Uli Hoeneß: Satzungsänderungen je nach Vereinsbedarf sind laut Juristen nichts ungewöhnliches. Doch dass sie auf einzelne Personen zugeschnitten sind, kommt eher selten vor.

DüsseldorfDer Zeitpunkt ist pikant und lässt Spekulationen hochkochen. Der FC Bayern will seine Mitglieder am 28. November auf der Hauptversammlung über eine Satzungsänderung abstimmen lassen. Das bestätigten Fankreise nach mehreren Medienberichten, etwa der „Bild“-Zeitung und des „Merkur“, gegenüber Handelsblatt Online.

Der Änderungswunsch: Der Wortlaut in Artikel 7 über die Aufnahme neuer Mitglieder. Bisher lautet dieser: „Als Mitglied können nur unbescholtene Personen aufgenommen werden.“ Künftig soll der Passus heißen: „Mitglied kann jede natürliche Person werden, welche die Ziele des Clubs unterstützt.“

Ein Zusammenhang drängt sich da: Momentan sitzt Ex-Präsident Uli Hoeneß noch in Haft. Ab Beginn des Jahres 2015 soll er aber wieder für den Verein arbeiten. „Es ist beabsichtigt, dass Uli Hoeneß in unserem Nachwuchsbereich beschäftigt wird, sobald er Freigang bekommt“, bestätigte Vereinspräsident Karl Hopfner in einem Interview der „Welt am Sonntag“.

Freigänger können tagsüber außerhalb des Gefängnisses arbeiten und müssen nur zum Schlafen hinter Gitter. Seit Monaten war bereits spekuliert worden, dass der 62-Jährige bald wieder tagsüber bei seinem ehemaligen Club arbeitet. Hoeneß war bis zu seinem Rücktritt Mitte März 2014 Vereinspräsident und Aufsichtsratschef der ausgegliederten Profi-AG beim deutschen Fußball-Branchenprimus.

Das Münchner Landgericht hatte Hoeneß am 13. März wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Am 2. Juni musste er ins Gefängnis. Am 20. September bekam er seinen ersten Ausgang. Wann Hoeneß Freigänger wird, kommentieren die Justizbehörden nicht.

Mit solch einem Job im Verein würde Uli Hoeneß auch erstmals seit Beginn seiner Haft im Juni 2014 in die breite Öffentlichkeit zurückkehren. Und da liegt für das Präsidium des Vereins möglicherweise das Problem, das die Verantwortlichen nun zu der Satzungsänderung animierte.

Denn das Präsidium entscheidet über Mitgliedsanträge und kann somit auch im Zweifel Mitgliedsaspiranten ablehnen. Es könnte nun in Erklärungsnot kommen, wenn es vorbestrafte Sportfans oder Freigänger von einer Mitgliedschaft ausschließen wollte.

Kommentare (7)

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Herr peter gramm

14.11.2014, 16:43 Uhr

beim fußball sind verträge oder satzungen das papier nicht wert, auf dem sie stehen. die amigo und freunderlwirtschaft in bayern macht es möglich. geld ebnet eben viel. gerade wenn man straffälig geworden ist. schön anzusehen ist dies nicht, weil dadurch die vorbildfunktion verloren geht. solange aber das pure geldverdienen als oberstes ziel angestrebt wird ist die vorbildfunktion sekundär. hauptsache kohle.

Herr Thomas Ungläubig

14.11.2014, 16:56 Uhr

„Als Mitglied können nur unbescholtene Personen aufgenommen werden.“

Wo sucht man da in einem Land in dem die Spezl-Wirtschaft blüht? Aber wenn's der Herrgott nicht sieht…

Herr Ferdinand Loeffler

14.11.2014, 17:46 Uhr

Dies ist ja wieder eine journalistische Meisterleistung. Als hätten wir in Deutschland keine größeren Probleme, als die Sazzungsänderung des FC Bayern,die einen solch umfangreichen Bericht rechtfertigen. Selbst wenn die Satzungsänderung in Zusammenhang mit der Rückkehr von UH stehen sollte: Er hat sich ja wirklich um den Verein verdient gemacht. Er hat eine Straftat begangen, verbüßt due Strafe und muss ja wieder in das normale Leben zurückkehren. Da wird er sich sicher anders verhalten als mancher richtiger Ganove, der mehrmals zur Bewährung verurteilt wird und nichts, aber auch gar nichts dazu lernt (aber was ist der ja vom Schicksal bebeutelt). Über so jemand habe ich noch nie im Handelsblatt einen umfangreichen Bericht gelesen. Das ist doch nur wieder die blanke Eifersucht...oder Sensationshascherei...oder Neid ...oder alles zusammen.

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