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12.04.2014

18:00 Uhr

Unentschieden gegen Stuttgart

Gladbach rettet schmeichelhaftes Remis

VonThorsten Giersch

Ein Unentschieden, das beiden Teams nicht viel nutzt: Stuttgart hätte die Partie frühzeitig für sich entscheiden können, doch der VfB ließ zahlreiche Hochkaräter liegen. Und so wurde die Stevens-Elf spät bestraft.

Ibrahima Traoré mag die Welt nicht mehr sehen, Gladbach jubelt über den späten Ausgleich. AFP

Ibrahima Traoré mag die Welt nicht mehr sehen, Gladbach jubelt über den späten Ausgleich.

Fußballweisheiten sind das letzte, das Fußballer hören wollen – erst recht, wenn sie im Abstiegskampf stecken. Aber wer seine Chancen nicht nutzt, bekommt später oft die Rechnung serviert. Der VfB Stuttgart muss sich dies vorwerfen lassen. Ende der ersten Hälfte  hatte der VfB drei ausgezeichnete Möglichkeiten, doch die Schwaben ließen die Chancen fahrlässig liegen. Und so stand es zur Pause nur 1:0 durch das Tor von Didavi aus der 12. Minute. Gladbach blieb im Spiel, investierte in der zweiten Hälfte mehr und kam durch Arango Minuten vor dem Ende zum schmeichelhaften Ausgleich (89. Minute). Wieder einmal konnte der VfB eine Führung nicht über die Zeit bringen. Das Unentschieden nützt keinem der beiden: Für Stuttgart helfen im Abstiegskampf nur Siege, Wolfsburg droht Gladbach im Kampf um die Champions-League-Quali den Rang abzulaufen.

Dabei waren die Gladbacher sehr selbstbewusst in die Partie gegangen. Schließlich hatten sie vier der letzten fünf Partien gewonnen. „So laut waren wir noch nie in der Saison“, sagte der Stadionsprecher vor dem Anpfiff. Die Lust auf die Champions League war förmlich greifbar.

Auch der VfB hatte nichts zu verschenken: Zwar gingen die akut abstiegsgefährdeten Stuttgarter als das schwächste Team der Rückrunde in die Partie. Doch zuletzt zeigte die Formkurve nach oben. In der vergangenen Woche konnten die Schwaben gegen den SC Freiburg drei Punkte einfahren. Im Vergleich zum Derby-Sieg stellte Stuttgarts Trainer Huub Stevens seine Elf zweimal um: Daniel Schwaab ersetzte Gotoku Sakai, der junge Timo Werner spielte für den zuletzt formschwachen Vedad Ibisevic.

Der VfB begann laufstark und störte die Gastgeber schon im Spielaufbau. Und die Gladbacher zeigten sich davon beeindruckt: Viele Pässe kamen in der Anfangsphase nicht an, weil der Druck der Roten zu groß war. Den 54.000 Zuschauern im ausverkauften Rund machte der rumplige Beginn nichts aus – die Stimmung war glänzend. Auch die zahlreichen Stuttgarter Anhänger hatten die Zeichen der Zeit erkannt, sie unterstützten ihr Team lautstark.

Und richtig laut wurden sie in der 12. Minute, denn da stand es urplötzlich 1:0 für die Gäste: Daniel Didavi traf aus heiterem Himmel – und das kam reichlich glücklich zustande: Arango patzte, die Stuttgarter eroberten den Ball. Die lange Flanke konnte Timo Werner zwar nicht selbst zum Torschuss nutzen, doch der Ball sprang Didavi vor die Füße, der aus wenigen Metern keine Mühe hatte und vollendete.

Die Borussia wurde so für ihre verzagte Einstellung bestraft. Immerhin entlockte das eingeblendete 1:0 für Nürnberg in Wolfsburg den Fans einen kurzen Jubel – zu diesem Zeitpunkt schien es der Tag der Abstiegskandidaten zu werden. Die Stuttgarter machten auch in der Folge vieles richtig. Gladbach kam durch die zwei Viererketten kaum durch, Überraschungsmomente und gelungene Passstafetten blieben zunächst Mangelware. Auffällig war, dass es die Gastgeber immer wieder über Links versuchten und der zuletzt starke Patrick Herrmann rechts kaum einen Ball sah. Die Aussicht auf die Champions League schien die „Fohlen“ in dieser Phase verkrampfen zu lassen statt zu beflügeln.

Einmaleins der Fußballtaktik

Grundordnung

Viele Mannschaften spielen mit vier Verteidigern, zwei Spielern vor der Verteidigern, drei Mittelfeldspielern und einem Stürmer, kurz: 4-2-3-1. Dies ist die sogenannte Grundordnung einer Mannschaft. Durch das Verhalten auf dem Platz wird sie zum System. Das heißt: Was passiert im Spiel gegen den Ball und bei Ballbesitz?

Quelle: Fußballtraining, November 2013

Gegen den Ball spielen

Häufig spielen Teams im 4-2-3-1 in der Verteidigung ein 4-4-2-System gegen den Ball. Im Wechsel schieben Mittelfeldspieler und Stürmer vor und zurück.

In Ballbesitz

Die Grundordnung ändert sich deutlich, wenn die Mannschaft in Ballbesitz ist. Aus dem 4-2-3-1 wird dann oft ein 2-3-2-3. Die Außenverteidiger rücken vor, zwei Mittelfeldspieler ebenfalls. Einer der defensiven Mittelfeldspieler sichert ab, der andere schaltet sich in die Offensive ein.

FC Bayern – gegen den Ball

Unter Pep Guardiola spielt der FC Bayern gegen den Ball ein 4-3-3. Die Mannschaft erobert den Ball auch oft im Gegenpressing aus einer 3-3-4-Formation heraus.

FC Bayern – in Ballbesitz

In Ballbesitz rücken die beiden Außenverteidiger ins Zentrum vor, je nach Situation. Ein Sechser agiert defensiv zentral und öffnet so Räume.

Viererkette

Noch heute spielen viele Mannschaften mit einem Spieler hinter der Abwehr, dem Libero. Im modernen Fußball wird der letzte Mann in eine Kette von vier Spielern integriert, die auf einer Linie agieren und bevorzugt den Raum decken. Diese Viererkette besteht aus je zwei Außen- und Innenverteidigern.

Der Sechser

Dieser zentrale Mittelfeldspieler hat drei Hauptaufgaben. Er sichert seine ballführenden Mitspieler ab, er verlagert das Spiel, und er kann den Innenverteidigern in der Spieleröffnung helfen. Er sollte also ein technisch und läuferisch starker Spieler sein.

Der Neuner

Der zentrale Stürmer lässt sich im modernen Fußball immer wieder ins Mittelfeld fallen. Er entzieht sich also dem ständigen Zugriff der Innenverteidiger. Der Ungar Nándor Hidegkuti galt in den fünfziger Jahren als die erste Neuneinhalb, Johan Cruyff in den siebziger Jahren ebenso. Bei der variablen Neun wird die Position frei gelassen und immer wieder von unterschiedlichen Spielern besetzt.

Die Stuttgarter gingen zudem mit gehöriger Härte in die Zweikämpfe. Symptomatisch die Szene in der 25. Minute, als der gute Schiedsrichter Florian Meyer in einer Szene gleich zwei Foulspiele mit gelben Karten ahnden musste: Gruezo und Werner waren die grätschenden Übeltäter. Und wenig später hatten die Stuttgarter reichlich Glück, als Meyer ein Festhalten nicht mit Elfmeter ahndete.

Die große Chance zum Ausgleich hatten die Borussen dann just in einer Phase, in der Stuttgart nach längerer Zeit mal wieder für Entlastung sorgte. VfB-Keeper Sven Ulreich, bisher praktisch beschäftigungslos, musste gleich zweimal eingreifen: erst gegen den Kopfball von Arango und dann gegen den Nachschuss von Herrmann (37. Minute).

Plötzlich nahm die Partie Fahrt auf. Im Gegenzug hatte Stuttgart die Riesenchance zum 2:0, doch Gladbachs Keeper ter Stegen hielt glänzend, als Harnik von halblinks kommend vor ihm auftauchte. Und der Torwart zeigte kurz vor dem Pausenpfiff noch einmal seine ganze Klasse und verhinderte das fast schon sichere 2:0 mit einer Glanzparade: Timo Werner stand völlig frei vor ihm, weil Arango weggerutscht war, doch der junge Stürmer zögerte einen Tick zu lange. Und als kurz darauf Didavi völlig frei zum Kopfball kam, zischte die Kugel nur Zentimeter am rechten Pfosten vorbei.  Stuttgart vergab beste Möglichkeiten und so war das 1:0 zur Halbzeit absolut verdient.  Gladbach konnte froh sein, dass die Partie noch nicht vorentschieden war.

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