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03.06.2015

19:06 Uhr

US-Justizministerin

Fifa „bis in die höchsten Ebenen korrupt“

US-Justizministern Loretta Lynch hat eine klare Meinung über die Fifa – die Führungsriege sei durchweg kompromittiert. Ob Verbandschef Blatter aufgrund von FBI-Ermittlungen zurücktrat, wollte sie nicht kommentieren.

US-Justizministern Loretta Lynch leitet die Ermittlungen gegen den Fußball-Weltverband. Reuters

Der Fifa-Schreck

US-Justizministern Loretta Lynch leitet die Ermittlungen gegen den Fußball-Weltverband.

Berlin/Riga/ParisDie amerikanische Justizministerin Loretta Lynch setzt keine großen Hoffnungen in den Reformeifer des Fußball-Weltverbandes Fifa. Die Fifa sei bis in die höchsten Ebenen korrupt, sagte sie im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). „Wirklich beunruhigend ist, was sich im Zuge der Ermittlungen herausgestellt hat: Jedes Mal, wenn die Fifa nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten.“ Diese hätten ihre neue Position vor allem als Gelegenheit gesehen, Bestechungsgelder anzunehmen.

Wer folgt auf Blatter?

Kandidaten

Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Joseph Blatter ist lang und vielfältig. Einen wirklichen Neuanfang würden jedoch nur wenige bedeuten.
Quelle: dpa

Kongress

Der Wahlkongress soll voraussichtlich zwischen Dezember diesen Jahres und März 2016 stattfinden. Schon am Dienstagabend äußerten sich die ersten potenziellen Kandidaten.

Der Uefa-Chef

Eine Kampfkandidatur gegen Blatter hatte Michel PLATINI (59) als Präsident der Europäischen Fußball-Union stets tunlichst vermieden. Ambitionen auf das höchste Funktionärsamt verhehlte der Franzose hingegen ebenso wenig. Viele Jahre lang hat er Blatter unterstützt.

Blatter-Gegner I

Der gegen Blatter unterlegene Prinz Ali BIN AL-HUSSEIN aus Jordanien und der Niederländer Michael VAN PRAAG erklärten schon am Dienstagabend, dass sie sich eine Kandidatur offenhalten.

Blatter-Gegner II

Luis FIGO, der wie van Praag vor der Wahl zugunsten al-Husseins zurückgezogen hatte, forderte eine „gemeinsame weltweite Lösung“. Aus dem Trio besäße al-Hussein wohl die größten Chancen - pikant würde die Situation, wenn sowohl der aus Europa unterstützte Jordanier wie auch Platini antreten sollten.

Blatter-Gegner III

Der frühere Profi David GINOLA, der schon vor der vergangenen Wahl die notwendigen fünf Unterstützerländer nicht aufbringen konnte, will es erneut versuchen.

Blatters Stellvertreter

Wäre der Schweizer sofort zurückgetreten, hätte Issa HAYATOU als längster sich im Amt befindender Vizepräsident die Geschäfte übernommen; alles andere als ein Neuanfang.

... unter Verdacht

Der 68-Jährige aus Kamerun sitzt seit 1990 in der FIFA-Exekutive und stand schon mehrfach unter Korruptionsverdacht, den er stets zurückwies. 2011 kam er mit einer Rüge des Internationalen Olympischen Komitees für den Erhalt von 20.000 US-Dollar vom früheren Marketingpartner ISL davon.

Ein Strippenzieher

Erst beim Kongress am vergangenen Freitag wurde Ahmad al Fahad AL SABAH ins FIFA-Exko gewählt. Und doch war der Kuwaiti schon mittendrin.

... und Platini

Am Vorabend der Wahl zeigten Fotos den höchst einflussreichen Sportfunktionär an der Seite von Platini, al Sabah weiß wie man Mehrheiten beschafft. Schon Thomas Bach profitierte bei der Wahl zum IOC-Präsidenten von seinen Diensten.

Der Kaiser

Seine Popularität nutzte Franz BECKENBAUER bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen - auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt und sieht sich noch mit Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission konfrontiert.

Die Fußball-Legende

Der ehemalige brasilianische Fußball-Star ZICO hat eine Kandidatur für das freiwerdende Amt des FIFA-Präsidenten nicht ausgeschlossen. Der 62-Jährige schrieb nach dem angekündigten Rücktritt von FIFA-Chef Blatter auf seiner Facebook-Seite: „Warum nicht? In meinem Leben ist es immer um Fußball gegangen.“

Im Fußball-Korruptionsskandal ermitteln die amerikanischen Behörden gegen ranghohe Funktionäre. Fifa-Präsident Joseph Blatter hatte am Dienstag überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Berichte der Zeitung „New York Times“ und des Senders ABC legen den Schluss nahe, dass Blatter nur auf juristischen Druck – und eventuell sogar in einer Kurzschlussreaktion – agiert haben könnte.

Zu möglichen FBI-Ermittlungen gegen den scheidenden Fifa-Präsident Jospeh Blatter wollte Lynch sich nicht äußern. „Dies ist eine laufende Angelegenheit“, sagte sie nach einem Treffen mit europäischen Amtskollegen im lettischen Riga am Mittwoch. „Es ist ein offener Fall, und deshalb werden wir nun durch die Gerichte sprechen.“

Kommentare (1)

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Herr Herbert Maier

03.06.2015, 19:21 Uhr

Irgendwo ist es ja gut, dass die USA diesen Dingen mal auf den Grund gehen, wo sich die europäische Politik in trautem Einverständnis zurückgehalten hat. Mal sehen, wo das noch weiter geht, es würden einem ja viele ähnliche Strukturen auch anderenorts einfallen.

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