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22.11.2014

13:48 Uhr

Verletzungen im Fußball

Die Bundesliga ist ein großes Lazarett

VonStefan Kreitewolf

Ermüdungsbrüche, Verletzungspausen und Depressionen: Die Debatte um Überbelastung im Fußball nimmt kein Ende. Experten sehen die Grenzen überschritten. Einer, der es wissen muss, ist jedoch nach langer Pause wieder da.

Philipp Lahm ist ein weiterer Top-Star, der sich schwer verletzt hat: Der Kapitän der Weltmeister-Elf erlitt im Training einen Bruch des rechten Sprunggelenks. Reuters

Philipp Lahm ist ein weiterer Top-Star, der sich schwer verletzt hat: Der Kapitän der Weltmeister-Elf erlitt im Training einen Bruch des rechten Sprunggelenks.

KölnWeltmeister sind offenbar besonders anfällig für Verletzungen. Gerade hat sich Philipp Lahm den Fuß gebrochen. Mesut Özil fällt noch wochenlang aus. Und auch Bastian Schweinsteiger hat bereits einige Monate nicht mehr gespielt.

Doch nun ist wenigstens „Basti“ zurück, Trainer Pep Guardiola berief den 30-Jährigen nach 132 Tagen Pause für das Spiel gegen Hoffenheim erstmals wieder in den Münchener Kader. Seit dem WM-Finale am 13. Juli laborierte Schweinsteiger an einer langwierigen Patellasehnen-Verletzung. Der Mittelfeldstratege ist damit zu einem Symbol geworden – zum Inbegriff einer Debatte um dumme Ermüdungsbrüche, lange Verletzungspausen, unnötige Länderspiele und viel zu viele Spiele.

Klar, erfolglose Trainern und ratlose Managern befeuern die Debatte gerne. Manche halten sie dagegen für „total überzogen“, wie Kevin Großkreutz, der aber auch seit Wochen nicht mehr in der ersten Elf der Dortmunder steht. Klar ist: Fast alle Bundesliga-Vereine klagen über Verletzte, in einigen Vereinen sind es mehr als ein halbes Dutzend, wie bei den Bayern. Andere haben nur zwei oder drei Ausfälle.

Schweinsteigers Verletzungshistorie

Der Pechvogel

Bastian Schweinsteigers Verletzungshistorie ist lang: Vom Außenbandriss bis zum Zehenbruch hat der Mittefeldspezialist alles mitmachen müssen. Eine Liste seiner Leiden...

Saison 2007/2008

Knieprobleme, Bluterguss und Kapselprobleme: In der Saison 2007/2008 musste Schweinsteiger insgesamt nur 12 Tage pausieren – so wenig bis heute nicht mehr. Nur ein Spiel verpasste eher.

Saison 2008/2009

Exakt 99 Tage musste Schweinsteiger in der darauffolgenden Saison passen. Ein Teilabriss der Plantar-Faszie und ein Meniskuseinriss

Saison 2009/2010

Kaum zu glauben, aber wahr: Schweinsteiger war in dieser Spielzeit nicht verletzt.

Saison 2010/2011

43 Tage ohne Spiel waren es in der Spielzeit 2010/2011. Schuld an den vier verpassten Spielen waren eine Kapselverletzung, eine Erkältung, eine Bänderdehnung und ein Zehenbruch.

Saison 2011

Eine Magen-Darm-Grippe war noch das geringste Übel in dieser Saison. Es folgten ein Schlüsselbeinbruch, ein Außenbandriss des Sprunggelenks und eine Knöchelverletzung und 82 Tage Verletzungspause.

Saison 2012/2013

Nichts, im Vergleich zu den kommenden Jahren: Der Knöchel und das Sprunggelenk legten Schweinsteiger 2012/2013 insgesamt 14 Tage lahm.

Saison 2013/2014

Knöchel, Kapsel, Sprunggelenk und die viel beschriebene Patellasehne: Schweinis Verletzungen zwingen ihn dazu, 99 Tage zu pausieren. 29 Spiele verpasst er in der Spielzeit 2013/2014.

Saison 2014/2015

Das Seuchenjahr: In der noch jungen Saison verpasste Schweinsteiger wegen Patellasehnen-Problemen in 182 Tagen insgesamt 34 Pflichtspiele.

Die Belastung ist hoch. Manchmal werden sieben Partien in drei Wochen gespielt. Besonders wer in internationalen Wettbewerben antritt und zudem Nationalspieler ist, bewältigt ein Hammerprogramm. Und das schon in jungen Jahren. Kein Wunder also, dass es auch Jungstars immer häufiger trifft, wie die Schalker Allzweckwaffe Julian Draxler und den Münchener Defensiv-Allrounder David Alaba. Sie werden dieses Jahr nicht mehr spielen.

Gesund sei die Belastung eines Fußballprofis nicht, sagt der Kölner Trainingswissenschaftler Markus de Marees. Bei bis zu 72 Spielen seien für einige Athleten bereits Grenzen überschritten. Er stellt klar: „Englische Wochen zu haben, ist aus körperlicher Sicht sicherlich machbar, aber es muss dann auch richtig erholt werden.“

Der Sportpsychologe Jens Kleinert ergänzt: „Entscheidend ist auch die psychische Regeneration eines Fußballers nach dem Spiel.“ Ärgere sich ein Spieler noch zwei Tage über ein Spiel, beeinflusse das seine Regeneration negativ. Es komme aber auf den einzelnen Spieler an, und wie er mit der Belastung klarkomme. „Das richtige Regenerationsverhalten ist erlernbar“, sagt Kleinert.

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