Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.03.2006

22:55 Uhr

Verletzungen von Spielern

Clubs wollen Entschädigungszahlungen von Fifa

Ein Gericht muss nun im Streit um mögliche Entschädigungszahlungen des Fußball-Weltverbandes Fifa an Vereine für Verletzungen von Spielern bei Länderspielen entscheiden.

HB CHARLEROI. Die Fifa lehnte eine außergerichtliche Einigung mit dem belgischen Erstligisten Charleroi ab, womit sich am Montag in dem bereits anberaumten Prozesstermin die Richter des Themas annahmen. Der Prozess gilt als Richtung weisend für die Frage, ob die Fifa bei Verletzungen von Spielern zahlen muss - wie es viele europäische Spitzen-Klubs fordern. In dem konkreten Fall verlangt Charleroi eine Entschädigung von der Fifa, weil sich einer seiner Spieler bei einem vom Weltverband angesetzten Länderspiel so schwer verletzte, dass er monatelang ausfiel. Charlerois Chancen im Rennen um die Meisterschaft und im Pokal seien dadurch entscheidend beeinträchtigt worden, argumentiert der Klub. Die Fifa weist dies zurück.

Charleroi zog mit Unterstützung europäischer Spitzen-Klubs, die sich in der "G14" zusammengetan haben, vor Gericht. Ein Urteil gegen die Fifa könnte weit reichende Folgen für die bisherige Länderspielpraxis haben. Die Fifa-Regeln sehen bislang vor, dass Klubs Spieler für Länderspiele im Fifa-Kalender freistellen müssen. Den Vereinen ist dies ein Dorn im Auge. Sie haben wiederholt geklagt, dass ihre Stars - denen sie zum Teil über 175 000 Euro pro Woche zahlen - durch Länderspieleinsätze wegen Überlastung oder Verletzungen in wichtigen Vereinspartien ausfallen oder hinter ihren gewohnten Leistungen zurückbleiben.

Bis kurz vor Beginn des Prozesses versuchte Charleroi, die Fifa zu einer außergerichtlichen Einigung - und damit indirekt zu einem Zugeständnis - zu bewegen. Der Klub hatte angeboten, für 615 000 Euro die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Die Fifa lehnte aber ab. Die Richter haben nun bis zu 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Nach Einschätzung eines Gerichtssprechers werden sie sich aber wegen der Wichtigkeit des Themas wohl spätestens in eineinhalb Monaten äußern. Vertreter beider Seiten erwarten, dass der Fall an den Europäischen Gerichtshof verweisen wird. Damit wäre ein Urteil vor der Fußball-WM in Deutschland höchst unwahrscheinlich.

Der Prozess dreht sich im Kern um die seit langem von der G14 kritisierten Länderspiel-Regelungen der Fifa. Die Vereine bezeichnen diese als illegal und werfen dem Verband vor, seine "dominante Position auszunutzen". Sie wollen, dass sie vor Kosten geschützt werden, die wegen Verletzungen in Länderspielen anfallen. Zudem fordern sie einen Ausgleich bei internationalen Turnieren, an denen ihre Spieler teilnehmen, sowie mehr Einfluss auf die terminliche Ansetzung von internationalen Partien.

Anlass des Falls, der in Belgien verhandelt wird, ist die Verletzung des marokkanischen Charleroi-Spielers Abdelmajid Oulmers, die er sich 2004 in einem Freundschaftsspiel gegen Burkina Faso zugezogen hatte. Danach konnte er acht Monate nicht für seinen Klub auflaufen. Die Fifa beharrt in dem Prozess aber darauf, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem damaligen Abschneiden des Klubs als fünfter der Saison und Oulmers' Verletzung gibt. Viele nationale Verbände sollen in dem Prozess für die Verteidigung auftreten. Die besonders einflussreichen Vertretungen des deutschen, französischen und englischen Fußballs zählen dazu aber nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×