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23.04.2015

16:52 Uhr

Verlosung von WM-Tickets rechtmäßig

Fifa zieht gegen Handelsblatt-Gruppe den Kürzeren

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hatte für die Handelsblatt-Gruppe ein juristisches Nachspiel. Die Fifa beanstandete eine Verlosung von Final-Karten. Zu Unrecht, wie nun das Landgericht München feststellte.

Seit 1998 ist Joseph Blatter der Chef des Fußball-Weltverbandes. dpa

Seit 1998 ist Joseph Blatter der Chef des Fußball-Weltverbandes.

DüsseldorfDie Handelsblatt-Gruppe hat sich in einem Prozess gegen den Fußballweltverband Fifa durchgesetzt. Die Richter des Landgerichts München wiesen eine Klage der Fifa ab, mit der es verboten werden sollte, Eintrittskarten für Fußball-Weltmeisterschaften zu verlosen, ohne ausdrücklich von der Fifa hierzu autorisiert zu sein. Medienunternehmen wie das Handelsblatt und die zum Verlag gehörende WirtschaftsWoche dürfen daher weiterhin WM-Pakete zur Fußball-WM in Anzeigen verlosen.

Die Fifa gilt als extrem sensibel, was den Umgang mit Namensrechten anbelangt. Immer wieder werden Unternehmen und Veranstalter, die rund um Fifa-Events mit eigenen Angeboten auftreten, verklagt. Konkret ging es um ein Gewinnspiel. Handelsblatt und WirtschaftsWoche hatten im vergangenen Jahr unter ihren Lesern ein WM-Paket verlost, das unter anderem zwei Tickets für das Fußball-WM-Finale in Rio de Janeiro enthielt. In Anzeigen im Handelsblatt wurde darauf hingewiesen.

Fifa: Die Organisation des Fußballweltverbandes

Fifa-Kongress

Er ist die Vollversammlung des Fußball-Weltverbandes. Der Kongress wird von den 209 nationalen Mitgliedsverbänden gebildet und ist das höchste legislative Gremium der Fifa. Jeder Verband hat dabei eine Stimme. Der Kongress tritt mindestens einmal im Jahr zusammen. Er trifft Entscheidungen über die Fifa-Statuten und über die Aufnahme oder den Ausschluss von Mitgliedern.

Aufgaben des Kongresses

Zu den wichtigen Aufgaben des Kongresses gehört auch die Wahl des Fifa-Präsidenten. Künftig soll die Vollversammlung darüber entscheiden, wer die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet - wie, ist aber noch offen. Mit dieser Reform aus dem Jahr 2011 reagierte der Verband auf die schweren Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Titelkämpfe 2018 nach Russland und 2022 nach Katar.

Exekutivkomitee

Das Exekutivkomitee ist das ausführende Organ der Fifa, vereinigt aber sehr viel Macht auf sich. Kopf ist der auf vier Jahre gewählte Präsident, seit 1998 Joseph Blatter. Darüber hinaus gehören dem Komitee 24 Mitglieder an, darunter acht Vizepräsidenten. Sie werden nicht vom Kongress gewählt, sondern durch die Fußball-Konföderationen (Kontinentalzusammenschlüsse) und Verbände ernannt.

Aufgaben

Das Exekutivkomitee ernennt die Vorsitzenden und die Mitglieder der Ständigen Kommissionen, zum Beispiel für Finanzen und für Medizin. Es besetzt aber auch Rechtsorgane wie zum Beispiel die Ethikkommission, die sich um Betrugsvorwürfe kümmert. Bis 2011 bestimmte das Exekutivkomitee den Ort und die Daten der Fußball-Weltmeisterschaften.

Verdacht

Am Prinzip wurde erst gerüttelt, als zehn Mitglieder des Exekutivkomitees unter Korruptionsverdacht standen. Einige wurden suspendiert, andere lebenslang gesperrt - wie im Juli 2011 Fifa-Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam aus Katar. Die Ethikkommission sah es als erwiesen an, dass er Stimmen für seine Wahl zum Fifa-Chef kaufen wollte - bin Hammam bestritt das. Fifa-Vize Jack Warner trat bereits im Juni 2011 von allen Ämtern zurück, die eingeleiteten Verfahren wurden damit einfach beendet.

Präsident

Seit 1998 steht der Schweizer Joseph Blatter an der Spitze der Fifa. Bei den beiden letzten Wahlen hatte er keinen Gegenkandidaten. Trotz der Korruptionskrise wurde Blatter Anfang Juni 2011 mit großer Mehrheit wiedergewählt - 186 der 203 abstimmenden Delegierten votierten für ihn. Allein schon eine Verschiebung dieser Wahl zur Klärung aller Vorwürfe wäre schwierig geworden. Denn dafür ist eine Dreiviertel-Mehrheit der 209 Mitgliedsverbände nötig.

Aufgaben

Der Präsident führt nicht nur die Kongressverhandlungen. Über das Exekutivkomitee, das er einberuft und leitet, hat er ebenfalls große Machtfülle. Bei Patt-Situationen in Abstimmungen gibt seine Stimme den Ausschlag. Auf Vorschlag des Präsidenten ernennt und entlässt das Exekutivkomitee auch den Generalsekretär, der die Verwaltung der Fifa leitet. Um den Präsidenten zu zwingen, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen, müssen sich mindestens 13 der 24 Mitglieder auf einen Antrag dafür einigen.

Die Fifa hatte dagegen geklagt, weil sie der Meinung war, dass Tickets ausschließlich von ihr selbst oder offiziellen Sponsoren verkauft werden dürfen. Diese Sponsoren zahlten mitunter zweistellige Millionenbeträge, um mit der Veranstaltung werben zu dürfen. Die Handelsblatt-Gruppe habe einen solchen Vertrag nicht abgeschlossen und dürfe daher auch kein entsprechendes Gewinnspiel veranstalten.

Die Richter wiesen die Klage ab. Sie sei insgesamt unbegründet. Tickets im Rahmen eines Gewinnspiels auszulosen, sei keine unlautere Werbung. Zwischen der Handelsblatt-Gruppe und der Fifa gebe es kein Wettbewerbsverhältnis, weswegen der eine auch nicht das Wettbewerbsverhalten des anderen beeinträchtigen könne. Das Urteil wurde in dieser Woche beiden Parteien zugestellt. Die Fifa hat nun vier Wochen Zeit, um zu entscheiden, ob sie eine weitere Runde vor Gericht dreht, dann in einer höheren Instanz.

Von

HB

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