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14.09.2015

14:32 Uhr

Veruntreuung

Ex-Fifa-Experte fordert Verfahren gegen Blatter

„Blatter muss sich gegen eine Anklage wegen Veruntreuung verteidigen“, sagt Mark Pieth, Ex-Anti-Korruptionsexperte bei der Fifa. Er spricht sich für ein Verfahren gegen den noch amtierenden Weltverbands-Präsidenten aus.

Steht vielleicht bald vor Gericht: Joseph Blatter, noch Präsident des Fußball-Weltverbandes. dpa

Joseph Blatter

Steht vielleicht bald vor Gericht: Joseph Blatter, noch Präsident des Fußball-Weltverbandes.

ZürichDer frühere Fifa-Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth hat sich für strafrechtliche Ermittlungen gegen den noch amtierenden Weltverbands-Präsidenten Joseph Blatter ausgesprochen. „Blatter muss sich gegen eine Anklage wegen Veruntreuung verteidigen“, sagte der Schweizer Rechtsprofessor am Montag in Zürich.

Dort geben US-Justizministerin Loretta Lynch und der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber um 15.00 Uhr eine gemeinsame Pressekonferenz, um über den Stand der Ermittlungen in der Korruptionsaffäre des Fußball-Weltverbandes FIFA zu informieren.

Am Wochenende hatten neue Enthüllungen über Blatter für Wirbel gesorgt. Nach einem Bericht des Schweizer Fernsehens soll der im Februar aus dem Amt scheidende Schweizer vor zehn Jahren TV-Übertragungsrechte zu einem bemerkenswert niedrigen Preis an einen der Beschuldigten in der Fifa-Affäre, den früheren Vize-Präsidenten Jack Warner, verkauft haben. Dieser soll im Gegenzug Blatter bei mehreren Wahlen Stimmen verschafft haben.

Fifa: Skandale unter Blatter

Präsidentschaftswahl 1998

Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

ISL-Skandal (1)

Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

ISL-Skandal (2)

Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

WM-Vergabe (2)

Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

Präsidentschaftswahl 2011 (1)

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

Präsidentschaftswahl 2011 (2)

Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

WM-Tickets (1)

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

WM-Tickets (2)

Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

WM-Tickets (3)

2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Sperre

2015: Am 21. Dezember spricht die rechtsprechende Kammer ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für jeweils acht Jahre gesperrt. Zum Verhängnis wurden ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.

„Sie haben den Anscheinsbeweis. Das heißt, dass sie ein Verfahren eröffnen müssen“, forderte Pieth. Der Schweizer Top-Jurist war von der Fifa als Anti-Korruptions-Experte installiert worden und hatte zwischen 2011 und 2013 eine Reformkommission geleitet. Mit seinen Vorschlägen zur Erneuerung der Fifa war er am Ende aber gescheitert.

Von

dpa

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