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19.08.2013

12:47 Uhr

Verurteilter Fußballer

Freigänger Breno tritt Stelle bei Bayern an

Zwei Jahre lang hat der Fußballer Breno hinter Gittern gesessen. Nun hat der Ex-Bayern-Profi erstmals Freigang – dank seines alten und neuen Arbeitgebers.

Der Ex-Bayern-Profi Breno bei seiner Ankunft an der Säbener Straße. Die Bayern haben ihn einem Job im Nachwuchsbereich gegeben und ihm somit Freigang ermöglicht. dpa

Der Ex-Bayern-Profi Breno bei seiner Ankunft an der Säbener Straße. Die Bayern haben ihn einem Job im Nachwuchsbereich gegeben und ihm somit Freigang ermöglicht.

MünchenHäftling Breno startete um kurz vor neun in einer silbergrauen Limousine in sein neues Leben. Ein Fahrer brachte den verurteilten Fußballprofi vom Gefängnis München-Stadelheim bis zum Vereinsgelände des FC Bayern, auf dem der Freigänger künftig von morgens bis zum frühen Nachmittag mitarbeiten darf. Die Resozialisierungsmaßnahme nach 13 Monaten Gefängnis wegen schwerer Brandstiftung ist für den einstigen Millionen-Einkauf so etwas wie ein Neuanfang.

„Einer aus der großen Bayern-Familie hat große Probleme. Jetzt gibt es diesen Schimmer an Chance, die wollen wir ihm eröffnen“, sagte Clubpräsident Uli Hoeneß am Montag, Brenos erstem Tag als Freigänger.

Eine Stunde später sitzt Breno mit feuchten Augen auf dem Podium - sein Ex-Club hat eine Pressekonferenz einberufen. „Danke“, sagt er zu Beginn, „ich bin ein bisschen nervös“. Und: „Ich bin jetzt schon ein bisschen ein anderer Mensch.“ Viele Tränen habe er seit seiner Verurteilung im Juli 2012 vergossen. Oft liege er im Bett. „Gott hilft viel“, meint er leise.

Chronologie des Falls Breno

20. September 2011

Kurz nach Mitternacht geht die von Breno angemietete Villa in München-Grünwald in Flammen auf. Es entsteht ein Millionenschaden.

23. September 2011

Die Staatsanwaltschaft München I leitet Ermittlungen gegen den Fußball-Profi wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung ein.

24. September 2011

Breno muss in Untersuchungshaft. Wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr erlässt das Amtsgericht München Haftbefehl.

06. Oktober 2011

Breno kommt gegen Zahlung einer hohen Kaution und unter strengen Auflagen auf freien Fuß.

11. April 2012

Die Staatsanwaltschaft München I erhebt Anklage gegen den brasilianischen Innenverteidiger.

30. April 2012

Die 12. Strafkammer des Landgerichts München I lässt die Anklage unverändert zur Hauptverhandlung zu.

22. Mai 2012

Nach viereinhalb Jahren beim FC Bayern wird Breno verabschiedet. Nur 33 Pflichtspiele hat er für die Münchner absolviert.

04. Juli 2012

Das Landgericht München I verurteilt den Brasilianer wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Breno kommt wieder in Untersuchungshaft.

12. Juli 2012

Brenos Verteidigung legt Revision gegen das Münchner Urteil ein.

21. Dezember 2012

Der FC Sao Paulo bietet seinem ehemaligen Spieler einen neuen Vertrag an.

23. Januar 2013

Der Bundesgerichtshof verwirft in einem Beschluss Brenos Revision als „unbegründet“. Das Urteil ist rechtskräftig.

19. August 2013

Die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim hat eine Haftlockerung für Breno bewilligt. Er darf tagsüber künftig in der Verwaltung des FC Bayern mitarbeiten, muss aber nachmittags zurück ins Gefängnis.

Der Freigang gilt bei Strafgefangenen wie Breno als wichtige Resozialisierungsmaßnahme für das spätere Leben in Freiheit. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) München hat dem Fußballer diese Chance nach „harten Gefängnismonaten“ wegen guter Führung eingeräumt - und der will sie nutzen. Denn der Traum, nach Ablauf der Gefängnisstrafe wieder als Profi Fußball spielen zu können, „lebt“ weiter, betont er.

Im September 2011 hatte Breno seine angemietete Villa in Grünwald in Brand gesetzt, die Gesamthaftstrafe beträgt drei Jahre und neun Monate. Und so muss er jeden Tag ins Gefängnis zurück. Dank der Haftlockerung darf der 23-Jährige immerhin täglich fünf Stunden bei seinem früheren Club in der Nachwuchsabteilung mitarbeiten, bei der U-23-Mannschaft im Trainerstab mithelfen und dort auch das Training mitmachen.

Nachwuchschef Wolfgang Dremmler will Breno beaufsichtigen. Der frühere Profi holt Breno um 8.30 Uhr am Gefängnis ab und bringt ihn um 13.30 Uhr zurück. Läuft alles gut, hofft man darauf, Breno bald bis abends dortbehalten zu können. Er müsse „den Kopf freikriegen von dieser Knast-Mythologie“, betont Dremmler.

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