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11.02.2016

17:21 Uhr

Videobeweis im Fußball

Bundesliga will Versuchskaninchen spielen

Quelle:dpa

Deutschland forciert die Einführung des Videobeweises in Fußballspielen. Der Verband der Profivereine, die DFL, will sich für eine Testphase beim Weltverband Fifa bewerben.

In der Bundesliga soll für zwei Jahre der Videobeweis getestet werden. Foto: Rolf Vennenbernd dpa

DFL

In der Bundesliga soll für zwei Jahre der Videobeweis getestet werden. Foto: Rolf Vennenbernd

FrankfurtDie Deutsche Fußball Liga unterstützt die Einführung des Videobeweises in der Bundesliga. Der Vorstand des Ligaverbandes beschloss auf seiner Sitzung in Frankfurt am Main, sich zusammen mit dem Deutschen Fußball-Bund beim Weltverband FIFA um die Teilnahme an einer zweijährigen Testphase des Videobeweises zu bewerben.

Zuvor muss der International Football Association Board (IFAB) auf seiner nächsten Jahresversammlung in Cardiff am 5. März aber noch seine Zustimmung für eine solche Testphase geben.

Geben die Regelhüter ihr Okay, könnte der Videobeweis eventuell bereits zur Saison 2016/17 eingeführt werden. Verantwortliche von DFB und DFL hatten sich bereits in der Vergangenheit immer wieder für eine schnelle Umsetzung ausgesprochen, wenn der IFAB zustimmt.

Krasse Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern

31. Oktober 2015: VfL Wolfsburg – Bayer Leverkusen

Das Führungstor der Gastgeber durch Nicklas Bendtner resultierte aus dem Fehler von Schiedsrichter Manuel Gräfe, der nicht auf eine von seinem Assistenten angezeigte Abseitsposition reagierte. Gräfe hatte angenommen, dass ein Pass auf Tor-Vorlagengeber Vieirinha vom Leverkusener Kevin Kampl kam. Allerdings war André Schürrle zuletzt mit dem Fuß am Ball. Wolfsburg siegt am Ende 2:1

31. Oktober 2015: 1. FC Köln – Hoffenheim

Hoffenheims Abwehrspieler Tobias Strobl spielt nach einem Kopfball von Anthony Modeste (57.) den Ball im Strafraum mit der Hand. Für fast alle im Stadion war das Vergehen klar ersichtlich – außer offenbar für Schiedsrichter Günter Perl. „Mehr Hand geht nicht. Aus 50 Metern habe ich es gesehen“, sagte Kölns Trainer Peter Stöger nach dem 0:0. „Hand wird in Köln etwas anders bewertet, ist o.k. so. Darauf werden wir uns einstellen und bald auch etwas mehr mit der Hand spielen.“

18. Oktober 2015: 1. FC Köln – Hannover 96

Durch eines der klarsten Hand-Tore der Bundesliga-Geschichte hat der 1. FC Köln die erste Heimniederlage seit mehr als zehn Monaten kassiert. „Volleyballer“ Leon Andreasen hatte den Ball aus drei Metern mit dem rechten Arm über die Linie geschlagen. Schiedsrichter Bastian Dankert und seine Assistenten hatten dies im Gegensatz zu den meisten der 48.700 Zuschauer nicht gesehen.

12. September 2015: Bayern München – FC Augsburg

Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg) schenkt dem Bayern München in der 90. Minute einen Foulelfmeter zum 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg. Auch Kircher selbst hatte im Nachhinein eingeräumt, dass ihm und seinen Assistenten ein Fehler unterlaufen war.

21. Oktober 2014: Schalke – Sporting Lissabon

Der russische Schiedsrichter Sergej Karassew entschied in der Nachspielzeit nach einem Kopfball Huntelaars ins Gesicht von Jonathan Silva auf Drängen seines Torrichters fälschlicherweise auf Elfmeter. Eric Maxim Choupo-Moting verwandelte den Strafstoß zum Schalker Siegtor (90.+3). „Erst habe ich gedacht, was wäre Hand“, berichtete Huntelaar, „dann habe ich im Fernsehen gesehen, dass es Kopf war.“

14. September 2014: FC Augsburg – Eintracht Frankfurt

Erst übersah er einen glasklaren Foulelfmeter, dann bewies Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) Größe. „Er ist zu mir gekommen und hat sich dafür entschuldigt. Herr Gräfe sagte, dass es ein klarer Elfmeter gewesen war. Ich finde gut, dass er so klar Stellung bezogen hat“, sagte Trainer Thomas Schaaf vom Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt nach dem 0:1 gegen den FC Augsburg am Sonntag.

22. Juni 2014: Belgien - Russland

Geheimfavorit Belgien erreichte vorzeitig das Achtelfinale der WM in Brasilien: durch ein 1:0 (0:0) gegen Russland. Die Belgier profitierten von einem Fehler des deutschen Schiedsrichters Felix Brych: Er verweigerte den Russen einen Elfmeter (27.).

13. Juni 2014: Brasilien – Kroatien

Der Brasilianer Fred provoziert nach einer Berührung an der Schulter des Kroaten Dejan Lovren theatralisch einen Strafstoß. Ex-Schiedsrichter Urs Meier im ZDF: „Ein Schiedsrichter auf Weltklasseniveau hätte das sehen müssen.“ Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann bei Sport1: „Da braucht man keine Zeitlupe", um die Unrechtmäßigkeit des Elfmeters, den Neymar zum 2:1 nutzte (71.), zu erkennen.

17. Mai 2015: Borussia Dortmund – Bayern München

Schiedsrichter Florian Meyer gibt ein klares Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München (0:2 n.V.) in der regulären Spielzeit nicht. „Ich werfe ihm aufgrund der deutlichsten Fehlentscheidung persönlich gar nichts vor, aber dass er offenbar nicht das Mindestmaß an Respekt vor dem BVB hat und sich nicht einmal bei den Spielern entschuldigt, ärgert mich sehr“, sagte Borussia-Chef Watzke der Sport Bild.

18. Oktober 2013: Hoffenheim – Bayer Leverkusen

Stefan Kießling schießt in Sinsheim an Außennetz, der Ball landet jedoch durch ein Loch im Tor. WM-Schiedsrichter Felix Brych aus München erkannte das Phantom an. Als Folge der Fehlentscheidung wurde die Einführung der Torlinientechnik beschlossen, die beim Pokalfinale ihre Premiere in Deutschland feiern soll.

November 2009: Frankreich – Irland

In der Verlängerung besorgte der französische Verteidiger William Gallas den Ausgleichstreffer zum 1:1 – und sicherte seinem Team damit die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika, während Irland aus dem Wettbewerb flog. Den Treffer leitete Stürmer Thierry Henry jedoch irregulär mit einem Handspiel ein, was er später freimütig zugab. Die Fifa hat dem irischen Verband als Entschädigung für den WM-Einzug 2009 einen Kredit über fünf Millionen Dollar (rund 4,4 Millionen Euro) gewährt. Das räumte der Weltfußballverband ein.

Nach Angaben der DFL soll der Video Assistent Referee dabei nicht die Funktion eines Oberschiedsrichters einnehmen. Vielmehr soll er als weiterer Assistent des Unparteiischen fungieren und diesen und sein Team vor Fehlentscheidungen bewahren. Der Schiedsrichter bleibt damit letztverantwortlich für die Spielleitung. Zunächst würde es sich aber nur um eine Testphase handeln, die keinen direkten Einfluss auf das Spielgeschehen hätte.

Die DFL weist allerdings darauf hin, dass bis zu einer Einführung des Videobeweises noch viele Fragen zu klären sind. Dabei geht es zum Beispiel um die Verteilung der Kosten und Schulungen der möglichen Kandidaten für die Funktion des Video Assistent Referees.

Netzrebellen im Fußball: „Football Leaks“ enthüllt

Aufruhr

Eine geheimnisvolle Internet-Plattform sorgt 2016 im Profi-Fußball für Gesprächsstoff. Fast täglich stellte „Football Leaks“ eine Zeitlang eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Details aus Verträgen internationaler Stars ins Netz. Die Branche reagiert gereizt.

Quelle: dpa

Geheimnisvoll, brisant, umstritten

Die Meinungen im Profi-Fußball über „Football Leaks“ gehen weit auseinander. Das Enthüllungsportal kündigte an, auch in Zukunft Einblicke in die oftmals undurchsichtigen Geschäfte auf dem Transfermarkt zu gewähren.

Arbeitsverträge

Im Internet veröffentlichte Details aus den Arbeitsverträgen von Profis wie Mesut Özil, Hulk oder Gareth Bale sorgten bereits in den vergangenen Wochen für Aufregung.

Ziele von Football Leaks?

Inspiriert durch politische Whistleblower wie Julian Assange (WikiLeaks) oder Edward Snowden soll der Fußball durch die Veröffentlichung von bisher vertraulichen Verträgen zu mehr Transparenz gezwungen werden.

Fragwürdige Spielerwechsel

„Ein solch intransparentes Geschäft wie der Fußball ist ein Paradies für Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug“, klagte ein Plattform-Sprecher in einem per E-Mail geführten Interview mit dem „Spiegel“. Ausschlaggebend für erste Veröffentlichungen seien fragwürdige Spielerwechsel in Portugal im vergangenen Sommer gewesen.

Wer steckt hinter "Football Leaks"?

Die Betreiber schützen ihre Identität. Nach eigenen Angaben sind sie Fußball-Fans, arbeiten unabhängig, ohne kommerzielles Interesse und stammen aus Portugal. Ihre Internetseite wird in Russland gehostet. Möglicherweise deshalb, weil russische Behörden aus politischen Gründen nur wenig zu einer Kooperation mit westlicher Administration neigen.

Ermittler fahnden

Wie die spanische Zeitung „As“ im Dezember unter Berufung auf portugiesische Behörden berichtete, sollen einige Football Leaks-Mitarbeiter identifiziert worden sein.

Warum schützen die Betreiber ihre Identität?

Aus Angst vor Repressalien und „mächtigen Feinden“. „Die Fußball-Lobbyisten haben einen sehr großen Einfluss auf die Ermittlungsbehörden, wir würden deshalb nie einen fairen Prozess bekommen“, sagte ein Sprecher der Enthüllungsplattform.

Wer geht gegen Football Leaks vor?

Die Strafverfolgungsbehörden aus Portugal leiteten im vergangenen Oktober nach einer Anzeige des Sportrechte-Vermarkters Doyen Ermittlungen gegen das Portal ein. Das Unternehmen warf Football Leaks „Erpressung“ vor. Angeblich sollen für die Nichtveröffentlichung brisanter Informationen eine Million Euro verlangt worden sein.

Bale-Berater drängen

Diese Vorwürfe bezeichnete ein Football Leaks-Sprecher als „lächerlich“. Zudem forderten die Berater von Bale eine unabhängige Untersuchung von Football Leaks, nachdem Vertragsdetails zwischen dem aktuellen Verein des walisischen Stürmers Real Madrid und seinem alten Club Tottenham Hotspur veröffentlicht worden waren.

Hat Football Leaks Dokumente illegal erworben?

Darüber kann nur spekuliert werden. Die Enthüllergruppe bestreitet Vorwürfe von Doyen, sich Dokumente mit Hilfe von Hackern beschafft zu haben. Weitere Informanten könnten Spielerberater, Clubvertreter oder Mitarbeiter von Ligaverbänden sein. Nach eigenem Bekunden stammen die Dokumente aus „verschiedenen Quellen“.

Gesetze verletzt?

In einem Mitte Januar veröffentlichten Interview der portugiesischen Sportzeitung „Record“ räumte ein Sprecher des Netzwerkes ein, dass die Plattform möglicherweise „mehrere Gesetze über geistiges Eigentum verletzt“ habe. Das sei aber „die einzige Form, der Welt ein bisschen von dem zu zeigen, was den Fußball zur Zeit tötet“.

Muss der Fußball mit weiteren Veröffentlichungen rechnen?

Ja. Nach eigenen Angaben verfügt Football Leaks über „500 Gigabyte Material“ - Tendenz steigend. Auch in Zukunft sollen täglich Dokumente online gestellt werden. Wie brisant die Veröffentlichungen sein können, bekam der niederländische Erstligisten Twente Enschede zu spüren

Beispiel Enschede

Weil der Club verbotenerweise seine Transfer-Autonomie für einige Profis an die Sportrechte-Agentur Doyen abgetreten hatte, wurde Twente für drei Jahre von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen.

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