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09.08.2015

21:47 Uhr

Videobotschaft gegen Doping

Topathleten stellen sich gegen IAAF

Sie haben eine klare Botschaft: Wir wollen uns unseren Sport nicht zerstören lassen. Topathleten um den Diskuswerfer Robert Harting klagen in einem Video den Weltleichtathletikverband IAAF an, sie zu Opfern zu machen.

Er will natürliche Kraft und natürliche Ausdauer siegen sehen. dpa

Robert Harting

Er will natürliche Kraft und natürliche Ausdauer siegen sehen.

Das Video ist nur 1:17 Minuten lang, doch die kurze Botschaft hat es in sich: „Ihr zerstört unseren Sport.“ „Wir vertrauen euch nicht mehr.“ „Ihr habt meine Kindheitsträume kaputt gemacht.“ Dies sind nur einige der Sätze, die Topathleten um den deutschen Diskuswerfer Robert Harting dem Leichtathletikweltverband IAAF vorhalten.

Es geht um die mutmaßliche jahrelange Tatenlosigkeit des Verbandes im Zusammenhang mit Dopingvorwürfen in der Leichtathletik. Anfang August hatten die ARD und die britische „Sunday Times“ Recherchen öffentlich gemacht, die zeigen, dass etliche Weltspitzeathleten aus diversen Disziplinen im Laufe ihrer Karriere gedopt haben. Dass sie in den folgenden Jahren bei Wettbewerben teilnahmen und bei olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sogar Medaillen holten, hatten die Rechercheure dahingehend interpretiert, dass die Sportler für ihren Betrug womöglich nicht belangt worden waren.

Die Sportler um Harting sehen sich von dem Verband und durch das System, das er mutmaßlich duldete, um ihren geliebten, sauberen Sport betrogen. Sie beklagen, dass der Verband Geld über die Gesundheit und die Integrität von Athleten stelle. Und sie fordern, dass sie gegen faire Konkurrenten antreten wollten – und nicht gegen „Monster“.

Die Videobotschaft ist nur das jüngste Element in einem Schlagabtausch zwischen Journalisten, Wissenschaft, Öffentlichkeit, Athleten auf der einen und Sportfunktionären und Verbänden auf der anderen Seite. Erst am Vormittag hatte der Weltverband IAAF nach den jüngsten Dopingvorwürfen die beiden Wissenschaftler Michael Ashenden und Robin Parisotto kritisiert und sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit verwahrt. Die Anti-Doping-Experten hatten für die ARD und die „Sunday Times“ die Datenbank der IAAF ausgewertet. Der Weltverband warf Ashenden und Parisotto in einer Mitteilung vom Samstag vor, unzutreffende Schlüsse gezogen zu haben.

Beide würden der IAAF unterstellen, nichts zu unternehmen, obwohl sie nach eigenen Angaben nicht wüssten, welche Sportler aufgrund von Auffälligkeiten im biologischen Pass oder bei EPO-Tests bestraft worden seien. Ashenden und Parisotto würden ignorieren, dass nach 2009 gegen mehr als 60 Athleten Sanktionen aufgrund abnormaler Blutwerte verhängt worden seien. Sie hätten zuvor insgesamt 140 internationale Medaillen gewonnen, drei Weltrekorde aufgestellt und insgesamt 19 Stadt-Marathons gewonnen. Die Wissenschaftler wüssten nicht, welche Fälle noch untersucht worden seien oder derzeit würden. Außerdem hätten sie keinen Zugang zu Test-Ergebnissen der IAAF.

Bei der Auswertung der IAAF-Datenbank für eine ARD-Dokumentation waren 12 000 Bluttests von 500 Läufern ausgewertet worden. Bei jedem dritten Medaillengewinner von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen von 2001 bis 2012 seien dopingverdächtige Blutwerte festgestellt worden. Insgesamt soll es sich um 146 Medaillengewinner handeln, Namen wurden nicht genannt. Ashenden und Parisotto hatten ihre Untersuchung in dieser Woche gegen Vorwürfe der IAAF verteidigt. Die ARD betonte, sie bleibe bei ihrer Darstellung.

Die Athleten um Harting wollen in jedem Fall die öffentliche Aufmerksamkeit dazu nutzen, auf die Missstände in der Leichtathletik aufmerksam zu machen. Sie wollen zeigen, dass sie die Praktiken der Sportverbände, die lange im nahezu luftleeren Raum und ungestört zu agieren schienen, nicht mehr einfach so hinnehmen wollen.

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