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12.10.2012

10:29 Uhr

Vizeweltmeister 1966

Fußball-Deutschland trauert um Helmut Haller

Helmut Haller nannte sich selbst einen Fußballverrückten. In den 1960er Jahren wurde er zu einem Aushängeschild des deutschen Fußballs und von Beckenbauer jetzt posthum geadelt. Am Donnerstag ist Haller verstorben.

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Helmut Haller 1987 als Trainer des Landesligisten Schwaben Augsburg. dpa

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Helmut Haller 1987 als Trainer des Landesligisten Schwaben Augsburg.

AugsburgEr stand beim legendären Wembley-Tor auf dem Platz und schoss in ebenjenem WM-Finale sogar ein Tor: Am Donnerstag ist Helmut Haller im Alter von 73 Jahren gestorben. Deutschland trauert um einen seiner ersten Fußball-Weltstars. Franz Beckenbauer, der zusammen mit Haller und auch Uwe Seeler 1966 in London Vize-Weltmeister wurde, nannte den Augsburger am Donnerstagabend „definitiv einer der besten Mitspieler, die ich je hatte“. Bei Twitter schrieb Beckenbauer: „Die Nachricht vom Tod von Helmut Haller stimmt mich sehr traurig!“

Für Seeler war der Mittelfeldspieler aus der Fuggerstadt nicht nur ein „unheimlich talentierter Fußballer“, sondern auch ein Spaßvogel und eine Frohnatur. „Helmut Haller gehörte zu den überragenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballs. Unvergessen sind seine großartigen Leistungen - speziell bei der Weltmeisterschaft 1966“, würdigte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), das Lebenswerk Hallers. „Sein Tod macht uns sehr traurig.“

Auch bei seinem Augsburger Heimatclub herrschte Betroffenheit. „Helmut Haller war einer der größten Fußballhelden der Nachkriegsgeschichte und hat den Augsburger Fußball und Generationen von Fußballern geprägt“, hob Peter Bircks, Aufsichtsratsvorsitzender des FCA, hervor. „Wir sind in Gedanken bei seiner Familie.“

Haller war ein Zeit seines Lebens ein Fan-Liebling. In seinem Geburtsort Augsburg gilt er, der nach seinem erfolgreichen Abenteuer in der italienischen Serie A 1973 noch einmal zurückkehrte und einige Jahre später als 40-Jähriger einen Schlussstrich unter seine Karriere zog, als Legende und Idol. Erst vor einer Woche war in Ex-Handballer Erhard Wunderlich eine weitere Augsburger Sportlerikone gestorben.

Zuletzt hatte er sich schwer erkrankt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Dabei stand Haller in regelmäßigem Kontakt zu Seeler. „Ich hatte geglaubt, dass es nicht ganz so schlimm ist“, sagte der Hamburger der dpa. „Ich wusste, dass es ihm in letzter Zeit nicht mehr ganz so gut ging, insofern war ich vielleicht doch ein bisschen vorbereitet.“

Helmut Haller, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. dapd

Helmut Haller, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

„Fußball ist mein Leben!“ Helmut Haller nannte sich selbst schon immer einen Fußballverrückten. Als kleiner Junge erzielte der Augsburger zwischen zerbombten Häusern die ersten Tore, auch als Senior konnte er seinen Sport nicht loslassen. Dazwischen feierte er eine Karriere, in der er in den Sechzigern und Siebzigern zu einem Aushängeschild und Exportschlager des deutschen Fußballs wurde.

In 33 Länderspielen (13 Treffer) war er von 1958 bis 1970 Mitglied im DFB-Team. Als junger Spieler hieß Haller „Hemad“ („Hemd“), später riefen die Fans in Italien einen der ersten Fußball-Legionäre „Il Biondo“ („Blondschopf“). Erst Augsburg, dann die Serie A in Italien - das sind die zwei Stationen, die den Weg des Mittelfeldspielers prägten. In Bayern stieg er als schmächtiger Hänfling bereits als 19-Jähriger zum Nationalspieler auf, zwischen 1962 und 1973 reifte er in Bologna und bei Juventus Turin zum gestandenen Weltklassespieler.

In das Abenteuer Italien hatte sich Haller 1962 gestürzt, um mit seinem Sport Geld zu verdienen. Nur zwei Jahre später gewann der feine Techniker die Meisterschaft - und holte als erster Deutscher in einer bedeutenden ausländischen Liga den Titel. Zwei weitere Titel folgten mit Juve für den „Augsburger Bub“, der nie in der 1963 gegründeten Bundesliga auflief - aber trotzdem unvergessen ist.

Von

dpa

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