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22.05.2017

07:58 Uhr

Volkswagen in Not

Wolfsburger Abstieg gegen Braunschweig wäre eine Katastrophe

VonStefan Menzel

Ein Riss geht durch den VW-Konzern, denn der VfL Wolfsburg trifft in dieser Woche in der Relegation auf Eintracht Braunschweig. Das Nachbarschafts-Duell macht das Fußballsponsoring von Volkswagen kompliziert.

Der Bundesligist spielt gegen den Nachbarn aus Braunschweig um den Klassenerhalt. dpa

VfL Wolfsburg

Der Bundesligist spielt gegen den Nachbarn aus Braunschweig um den Klassenerhalt.

DüsseldorfEs sind nur 35 Kilometer zwischen Wolfsburg und Braunschweig. Beide Städte fühlen sich als Teil einer gemeinsamen Region im östlichen Niedersachsen, stark von der Automobilindustrie und früher von der Nähe zur innerdeutschen Grenze geprägt. Die wichtigste gemeinsame Klammer ist der Volkswagen-Konzern. Denn nicht nur in Wolfsburg ist VW das prägende Unternehmen.

Braunschweig hat ebenfalls eine große Fabrik, in der der VW-Konzern vor allem Zulieferteile produziert. Außerdem haben die Volkswagen Financial Services in Braunschweig ihren Sitz, die inzwischen unverzichtbar gewordene Finanzierungs- und Leasingtochter des Konzerns. Tausende Volkswagen-Beschäftigte pendeln jeden Morgen von der einen in die andere Stadt.

Doch beim Fußball hören die Gemeinsamkeiten schnell auf. Weil der VfL Wolfsburg am Wochenende sein letztes Bundesliga-Spiel verloren hat, hat der VW-Werksklub gleich in dieser Woche die Relegation am Bein. Und wenn es noch schlimmer kommt, dann steigt der frühere deutsche Meister und Pokalsieger nach 20 Jahren Zugehörigkeit zur Bundesliga in die zweite Liga ab.

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Ermittlungen gegen den Chef, ein US-Aufseher mit 50 Mitarbeitern in der Zentrale: VW steckt im Schwitzkasten der Behörden – und das zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Denn der Konzern steht vor großen Veränderungen.

Fußball kann manchmal zu komplizierten Konstellationen führen: Gegner in der Relegation ist die Eintracht aus Braunschweig, die den dritten Platz in der zweiten Liga belegte und damit die beiden Aufstiegsspiele bestreiten darf.

Die kurze Distanz zwischen beiden Städten und die enge Verbundenheit in der Region wird es vielen Fußballfans schwermachen, sich für die eine oder andere Mannschaft festzulegen. In der ewigen Bilanz der Derbys stehen bislang 25 Spiele: achtmal gewann der VfL, elfmal die Eintracht, sechsmal gingen die Partien unentschieden aus.

Da es in dieser Woche zwischen dem VfL und der Eintracht zur Relegation kommt, geht der Riss nicht nur durch die Region, sondern gerade auch durch den Volkswagen-Konzern. Denn VW unterstützt nicht nur den Wolfsburger VfL, das Unternehmen ist auch bei der Braunschweiger Eintracht nicht wegzudenken.

Als Hauptsponsor tritt dort die spanische VW-Tochter Seat an, außerdem gehören die Volkswagen Financial Services zu den Geldgebern. Wegen ihres Hauptsitzes in Braunschweig ist das für die Leasingtochter fast schon eine Selbstverständlichkeit.

Es reicht schon ein Blick auf die beiden Aufsichtsräte, um die enge Verbundenheit des Konzerns zu beiden Vereinen nachzuvollziehen. Im Kontrollgremium der Wolfsburger sind VW-Einkaufsvorstand Garcia Sanz, der Konzernaufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch, der mächtige Betriebsrat Bernd Osterloh und VW-Kommunikationschef Hans-Gerd Bode vertreten.

Bei der fußballerisch in den vergangenen Jahren weniger erfolgreichen Braunschweiger Eintracht sitzt Frank Fiedler im Aufsichtsrat, der Finanzvorstand der Financial Services. Wieder ist ein Betriebsrat dabei, Uwe Fritsch aus dem VW-Werk in Braunschweig. Ebenfalls fast eine Selbstverständlichkeit: In beiden Aufsichtsräten gehört auch der jeweilige Oberbürgermeister zu den obersten Vereinskontrolleuren.

Der Riss in Sachen Fußball geht bei Volkswagen bis ganz nach oben. Bernd Osterloh ist gebürtiger Braunschweiger, ob er im Innersten dann doch eher zu seinem Heimatverein hält, obwohl er im VfL-Aufsichtsrat sitzt?

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