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18.06.2013

04:01 Uhr

Vor Fußball-WM

Protestwelle in Brasilien ist nicht zu stoppen

In Brasilien tobt ein Proteststurm, wie es ihn seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gab. Im Vorfeld der milliardenschweren WM machen die Bürger ihrem Ärger über soziale Ungerechtigkeit Luft – nicht überall gewaltfrei.

Unruhen in Brasilien

Gewalt in Rio de Janeiro eskaliert

Unruhen in Brasilien: Gewalt in Rio de Janeiro eskaliert

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Brasília/São PaoloDie Demonstrationen gegen zu hohe Ausgaben für die Fußball-WM 2014 und gegen gestiegene Lebenshaltungskosten in Brasilien haben sich zur größten Protestbewegung seit gut 20 Jahren ausgeweitet. Landesweit gingen am Montag mehr als 200.000 Menschen auf die Straße, rund die Hälfte von ihnen in Rio de Janeiro. Dort sowie in Belo Horizonte lieferten sich Demonstranten und Polizei Straßenschlachten, in der Hauptstadt Brasilia kletterten etwa 200 Demonstranten auf das Dach des Parlaments.

Ursprünglich als Protest gegen Fahrpreiserhöhungen im Nahverkehr begonnen, richtet sich der Unmut der Demonstranten mittlerweile allgemein gegen Korruption und die Milliardenausgaben der Regierung für die anstehenden Sport-Großereignisse.

Allein in Rio beteiligten sich nach Medienberichten bis zu 100 000 Teilnehmer an einem Protestzug. Hunderte zum Teil vermummte Randalierer griffen das Regionalparlament in der Stadt am Zuckerhut an. Die steckten ein Auto in Brand, warfen Steine auf das Gebäude und rissen Absperrungen um.

Kommentar: Brasilianer wollen einen Wechsel

Kommentar

Brasilianer wollen einen Wechsel

Eigentlich will sich Brasilien beim Confederation Cup als Gastgeber für die kommende WM und die Olypmiade empfehlen. Doch Pfeifkonzert, ein brutaler Polizeieinsatz und Studentenunruhen sprechen eine andere Sprache.

Die Proteste begannen kurz vor Einbruch der Dunkelheit. In der Hauptstadt Brasília versammelten sich Tausende Demonstranten vor dem Nationalkongressgebäude, das durch die avantgardistische Architektur von Oscar Niemeyer weltbekannt ist. Hunderte junge Menschen drangen auf ein Zwischendach des Kongresses vor, wo Brasiliens Senat und das Abgeordnetenhaus ihren Sitz haben.

Sie besetzten das Dach stundenlang, feierten ihren Erfolg mit Liedern und schwenkten brasilianische Flaggen. „Der Kongress ist unser“, riefen sie. Sie sangen und tanzten, bevor sie nach Verhandlungen mit der Polizei wieder hinabstiegen.

Später bildeten rund 5000 Demonstranten eine Menschenkette rund um das Parlamentsgebäude. „Als Brasilianer, der täglich in überfüllte Busse steigt und in einer unterfinanzierten Universität studiert, fühle ich mich verpflichtet, Teil dieser Revolution zu sein“, sagte der 21-jährige Student Gael Rodrigues Honorio.

Kommentare (9)

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Simplex

18.06.2013, 04:05 Uhr

Sie haben Angst vor Homosexuellen? Wie tragisch und deplatziert. Stellen Sie sich Ihren Ängsten!

Brasilienauswanderer

18.06.2013, 05:40 Uhr

Die Proteste gegen das korrupte PT-Regime werden heute weiter zunehmen. Allein in Sao Paulo haben sich mehr als 200.000 Teilnehmer per Internet verabredet. Es wird wohl höchstwahrscheinlich nicht mehr Frau Rousseff sein, die Philipp Lahm im nächsten Jahr den Weltmeisterpokal überreichen wird.

kraehendienst

18.06.2013, 06:45 Uhr

…gegen Fahrpreiserhöhungen…allgemein gegen Korruption…gegen anstehende Sport-Großereignisse…in der Hauptstadt vor Einbruch der Dunkelheit versammelten sich tausende… - Das müsste es einmal in Deutschland geben!! Doch hierzu ist die Masse viel zu träge geworden. Konnte man vor 8 Jahren noch Stürme der Begeisterung über den Wechsel hin zur hirnlosen Konsumgesellschaft feststellen, dass jede/r ES schaffen würde, wenn man wolle, also voller Mainstream in der ELITE-Ideologie, so scheinen die Leute dort durch die massiven Preiserhöhungen überfordert, diese Erhöhungen scheinen ebenso unverhältnismäßig zu sein wie die Einkommen niedriger sind als in Europa ODER 9v10 Leuten verdienen schon immer Hartz-VI-Sätze bei voller Arbeitskraft in Brasilien.
Sicher ist, dass das Land zur künftigen, lateinamerikanischen UNION gehört. Die Menschen dort erkennen womöglich, dass sie zunehmend als…als…Weltbürger ENTRECHTET werden, am besten erkennbar durch einen UNION-Ausweis. Noch haben die Lateinamerikaner keine so perfiden Feudalisten wie wir Langschläfer in Europa, die diese Leute alles machen lassen. Juncker: "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."

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