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23.04.2014

17:19 Uhr

Vorerst kein Transferverbot

FC Barcelona darf ter Stegen verpflichten

Vor drei Wochen sorgte die FIFA mit einem Transferverbot gegen den FC Barcelona für Aufsehen. Weil sich das Verfahren in die Länge zu ziehen droht, dürfen vorerst doch neue Spieler kommen – auch Marc André ter Stegen.

Jubel beim Gladbacher Torwart Marc André ter Stegen: Seinem Wechsel nach Barcelona steht nichts mehr im Weg. dpa

Jubel beim Gladbacher Torwart Marc André ter Stegen: Seinem Wechsel nach Barcelona steht nichts mehr im Weg.

ZürichEinem möglichen Wechsel von Marc-André ter Stegen zum FC Barcelona steht nach Lage der Dinge nichts mehr im Weg. Die Katalanen dürfen bis zu einer endgültigen Entscheidung über ein Transferverbot vorerst weiterhin neue Spieler verpflichten und damit wohl auch den Nationaltorwart von Borussia Mönchengladbach holen. Ter Stegen hatte sich nach dem Verbot bedeckt gehalten und nur erklärt, er werde den Fußball-Bundesligisten auf jeden Fall im Sommer verlassen.

Der Fußball-Weltverband FIFA teilte am Mittwoch mit, das laufende Berufungsverfahren habe aufschiebende Wirkung für das Transferverbot. Die FIFA-Berufungskommission entsprach damit einem Antrag des FC Barcelona. „Ich habe davon auch gehört, aber das interessiert mich gar nicht. Da können nur die FIFA oder der FC Barcelona wohl was dazu sagen“, erklärte ter Stegens Berater Gerd vom Bruch auf dpa-Anfrage.

Wegen der Verpflichtung minderjähriger Spieler hatte die FIFA Barça am 2. April mit einem Transferverbot für zwei Wechselperioden sowie einer Geldstrafe in Höhe von 450.000 Euro belegt. Der Verein legte Einspruch gegen die Sanktionen ein und will zudem vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne ziehen. In einer Mitteilung auf der eigenen Homepage begrüßte Barca am Mittwoch die FIFA-Entscheidung.

Die Finanzlage beim FC Barcelona 2012

Einnahmen

In der Money League der Wirtschaftsprüfer von Deloitte liegt der FC Barcelona mit einem Umsatz von 451 Millionen Euro auf Platz zwei. Die mit Abstand größten Einnahmen kommen aus der TV-Vermarktung. Ein lukrative Vertrag mit der TV-Vermarktungsgesellschaft Mediapro spülte rund 183 Millionen Euro in die Kassen des Vereins, das sind rund 40 Prozent der Gesamteinkünfte.
Ein Viertel der Einnahmen stammen aus dem Ticketverkauf. Mit durchschnittlich knapp 80.000 Zuschauern liegt Barça im Vergleich zu anderen europäischen Top-Mannschaften ganz weit vorne.

Ausgaben

Barça hat angefangen zu sparen: Insgesamt gab der Klub in der Saison 2010/2011 laut Geschäftsbericht rund 441 Millionen Euro aus, 54 Millionen weniger als in der Vorsaison. Wichtigster Kostenblock sind die Personalkosten des Kaders, die Barcelona mit 257 Millionen Euro beziffert.
Barça hat auch hier den Rotstift angesetzt und die Gehälter um rund 10 Millionen Euro gekürzt. Insgesamt wies der Verein nach Steuern einen Verlust von neun Millionen Euro nach Steuern aus.

Schulden

Nach der Saison 2010/2011 wies der Verein Schulden in Höhe von 364 Millionen Euro aus. Immerhin rund 77 Millionen Euro weniger als in der Vorsaison. José Gay de Liébana, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Barcelona, taxiert die Schulden jedoch deutlich höher: Er schätzt, dass der Verein mit 578 Millionen Euro in der Kreide stünde, würde man alle Verbindlichkeiten mit einrechnen.
Danach wäre der FC Barcelona der am höchsten verschuldete Verein der spanischen Liga. Ein Gläubiger Barcelonas ist auch der Staat, dem der Verein derzeit rund 48 Millionen an Steuern schuldet.

Der Vorsitzende der FIFA-Berufungskommission, Larry Mussenden, erklärte unter Hinweis auf die Komplexität des Falls, eine Entscheidung werde wohl nicht rechtzeitig vor dem Beginn der nächsten Transferperiode am 1. Juli fallen. Daher sei dem Antrag des Clubs stattgegeben worden. „Mit diesem Entscheid gewährleistet der Vorsitzende der FIFA-Berufungskommission ein ordentliches und angemessenes Berufungsverfahren, während alle Rechte des Vereins gewahrt werden“, hieß es in einer FIFA-Mitteilung.

Der noch amtierende spanische Meister, dem eine Saison ohne Titel droht, möchte im Sommer seinen Kader erneuern, um mit den Madrider Rivalen Real und Atlético Schritt halten zu können. Dabei wird auch ein neuer Torwart gesucht. Vor drei Wochen hieß es, Ter Stegen könne auch trotz des Verbots nach Barcelona wechseln, da die Übereinkunft mit ihm vor der Verhängung der Sanktionen getroffen worden sei.

Die FIFA wirft dem FC Barcelona vor, in zehn Fällen zwischen 2009 und 2013 mit der Verpflichtung von minderjährigen Spielern gegen FIFA-Regularien verstoßen zu haben. Der Club sieht seine Schule zur Ausbildung von Nachwuchsfußballern indes als weltweit vorbildlich an. Gemäß der FIFA-Regularien hätte der Argentinier Lionel Messi dort aber eigentlich nicht trainieren dürfen. Der spanische Verband wurde im Zuge des Verfahrens mit 500.000 Euro Strafe belegt.

Von

dpa

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