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20.10.2015

09:13 Uhr

Wahltermin, Reform und Ethikcode

So will sich die Fifa neu aufstellen

Beim ersten Treffen ohne den suspendierten Fifa-Chef Joseph Blatter stehen für das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbands wichtige Entscheidungen an. Wann wird denn nun der Blatter-Nachfolger gewählt?

Eine Bewerbung des von Franz Beckenbauer (l.) favorisierten Südafrikaners Tokyo Sexwale als Blatter-Nachfolger ist derzeit offen. dpa

Beckenbauer und Blatter

Eine Bewerbung des von Franz Beckenbauer (l.) favorisierten Südafrikaners Tokyo Sexwale als Blatter-Nachfolger ist derzeit offen.

ZürichTrotz ihrer aktuellen Verbannung setzten sich Joseph Blatter und Michel Platini noch pünktlich zum Notfalltreffen des FIFA-Exekutivkomitees am Dienstag öffentlichkeitswirksam in Szene. Der suspendierte Weltverbands-Präsident Blatter beklagte zuletzt via Schweizer Fernsehen eine „Vorverurteilung“ im größten Korruptionsskandal der Fußball-Geschichte. Und Europas Konföderationschef Platini fühlt sich angesichts seiner Sperre gleich „durch den Dreck gezogen“.

Neben den Folgen der Millionen-Zahlung von Blatter an Platini vor vier Jahren, die für beide zum Bann und damit auch Fehlen bei der Dringlichkeitssitzung führte, stehen unter Führung von Interimspräsident Issa Hayatou folgende Themen im Fokus:

WAHLTERMIN: Bisher ist die Kür des Nachfolgers von Blatter für den 26. Februar 2016 angesetzt. Sollte die Wahl nicht nach hinten verschoben werden und dazu wie bisher kurz nach Ablauf der Bewerbungsfrist am 26. Oktober ein Integritätscheck der Kandidaten folgen, würde dies so gut wie sicher das Aus der FIFA-Ambitionen von Platini bedeuten.

Fifa: Das Luxusleben der Funktionäre

Ausgesorgt

Wer im Weltfußballverband mitarbeitet, ist finanziell fein raus. Einige Beispiele.

Quelle: Bild

Gehaltserhöhung

2014 genehmigten sich die Mitglieder der Fifa-Exekutive eine Verdoppelung ihrer jährlichen Aufwandsentschädigung: von 92.000 Euro auf 184.000 Euro.

Luxusflüge

Zu Fifa-Terminen fliegen die Mitglieder der Exekutive ausschließlich erste Klasse.

Fünf-Sterne-Hotels

Übernachtet wird in den besten Suiten der teuersten 5-Sterne-Hotels. Stadtrundfahrten, Einkäufe für die Frauen und ein Unterhaltungsprogramm am Abend werden organisiert.

Chauffeur

Limousinen mit Chauffeur stehen immer bereit. Teilweise haben diese sogar ein Diplomaten-Kennzeichen.

Sitzungsgeld

Pro Sitzungstag und Person gibt es eine „Entschädigung“ von 700 Euro. Gutes Geld, wenn ein Turnier vier Wochen lang dauert.

Millionenregen

2013 schüttete die Fifa für das sogenannte „Schlüsselpersonal“ rund 28 Millionen Euro aus. Zu dieser Gruppe gehören neben den Mitgliedern des Exekutivkomitees auch der Präsident und der Generalsekretär.

Bereicherung

Die hohen Fifa-Funktionäre sitzen direkt an der Quelle, wenn es um Medienrechte, TV-Verträge und Ticketverkäufe geht. Möglicherweise haben sich einige dadurch nun angreifbar gemacht.

Bislang haben der französische UEFA-Chef, der zuletzt bei der FIFA-Wahl Blatter unterlegene Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein und Ex-Profi David Nakhid aus Trinidad und Tobago erklärt, fristgerecht fünf Unterstützerstimmen eingereicht zu haben. Dieser Schritt wird auch vom asiatischen Konföderationspräsidenten Scheich Salman bin Ebrahim Al-Khalifa aus Bahrain erwartet.

Eine Bewerbung des von Franz Beckenbauer favorisierten Südafrikaners Tokyo Sexwale, ist derzeit offen. Spannend wird sein, ob sich die europäischen Verbände angesichts der schwierigen Lage von Platini noch zur Aufstellung eines Ersatzkandidaten durchringen oder in das Lager eines anderen Bewerbers wechseln.

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Adidas steckt mittendrin in den Korruptionsvorwürfen rund um die Vergabe der WM 2006. Trotzdem schadet dem Unternehmen die enge Beziehung zu DFB und Fifa nicht. Auch Nike ist alles andere als sauber.

REFORMEN: Bei dem Treffen erhält das Exko ein Update der Arbeit des neuen Reformkomitees unter Führung des Schweizer Anwalts François Carrard. Bei der nächsten Exekutivsitzung am 2. und 3. Dezember in Zürich soll dann eine Abstimmung über die Vorschläge folgen. Angesichts des „beschädigten“ Bilds der FIFA müsste die Reform nun „oberste Priorität“ haben, forderte das kooptierte Exko-Mitglied Moya Dodd aus Australien im BBC-Rundfunk. „Es ist wichtiger als die Wahlen, über die die Leute anscheinend am liebsten reden.“

ETHIKCODE: Blatter und Platini wurden von der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission gesperrt. Über den genauen Grund für Suspendierungen dürfen die Ethikhüter aber derzeit genau wie über laufende Ermittlungen nicht die Öffentlichkeit informieren. Dies verbietet bislang der Ethik-Code des Weltverbands, die Ethikkommission drängt auf Aufhebung dieser Verschwiegenheitsklausel. Zuletzt schob das Exko das Thema an die Kommission für rechtliche Angelegenheiten zur „Beratung“ weiter, nun könnte die Transparenz-Reform endgültig kommen.

SOMMERMÄRCHEN: Offiziell steht der Medienbericht über vermeintliche „schwarze Kassen“ bei der deutschen Bewerbung für die WM 2006 nicht auf der Agenda. Diese wurde vor der „Spiegel“-Veröffentlichung publik gemacht. Doch auch bei der FIFA wird die laut Deutschem Fußball-Bund durch das WM-Organisationskomitee vorgenommene Zahlung an den Weltverband in Höhe von 6,7 Millionen Euro untersucht. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der die Vorwürfe am Montag erneut abstritt, wird als Mitglied des Exekutivkomitees in Zürich erwartet.

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dpa

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