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11.01.2006

16:02 Uhr

Wechsel zum brasilianischen Club Atlético Paraná

Brasilianer stellen Matthäus' Fähigkeiten in Frage

Gerade unterschrieb Lothar Matthäus den Vertrag beim brasilianischen Erst-Liga-Club, da hagelt es schon Kritik von den Fußball-Göttern. Fußball spielen können die Südamerikaner eben einfach besser. Vielleicht kann Lothar Matthäus dem Verein im Marketing-Bereich unter die Arme greifen.

Bei den brasilianischen Kindern kommt Lothar Matthäus gut an. Foto: dpa dpa

Bei den brasilianischen Kindern kommt Lothar Matthäus gut an. Foto: dpa

HB BUDAPEST/RIO DE JANEIRO. Lothar Matthäus hat seinen Trainerjob in Brasilien noch gar nicht angetreten, da werden seine Fähigkeiten im Land der Fußball-Künstler schon in Frage gestellt.

„Als Spieler war er toll. Als Coach ist er aber eine Null. Ich bin da nicht so sehr begeistert“, sagte der angesehene Fußball-Journalist Paulo Clement am Mittwochmorgen (Ortszeit) im quotenstarken Fernsehsender „SportTV“.

Seine Kollegen am Diskussionstisch fanden, dass eine Verpflichtung des Deutschen zumindest im Bereich des Marketing interessant sei. Der neue Matthäus-Club Atlético Paraná wolle ja international bekannt werden, und da komme er als „Zugpferd“ recht.

„Ich habe einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben. Der Verein und ich sind uns einig“, sagte Matthäus am Mittwoch der Deutschen Presse- Agentur. Der Rekord-Nationalspieler, der bis zum Jahresende noch Nationaltrainer in Ungarn war, wird seine neue Tätigkeit im Land des fünfmaligen Weltmeisters in der Provinz-Hauptstadt Curitiba im südlichen Bundesland Paraná am 1. Februar beginnen. „Das ist eine ganz wichtige Erfahrung für meine weitere Entwicklung. Welcher Europäer kann schon von sich behaupten, in Brasilien eine Spitzenmannschaft trainiert zu haben“, sagte Matthäus. Sein neuer Club schaffte 1995 den Wiederaufstieg in die erste Liga und wurde 2001 sogar Landesmeister.

Für das Abenteuer in der Ferne will der 44-Jährige offenbar den aus Curitiba stammende früheren deutschen Nationalspieler Paulo Rink gewinnen. Allerdings hat der bei Omonia Nikosia spielende frühere Leverkusener seinen Vertrag auf Zypern gerade für 18 Monate verlängert. „Ich will zurück nach Hause, aber man wird mich hier nicht so leicht freigeben“, sagte er.

Unterdessen feierten die Paraná-Anhänger den ersten deutschen Trainer in Brasilien: „Sim, Yes, Ja, Atletico“, hieß es auf der Fan- Seite über die Matthäus-Verpflichtung. „Ich bin auch ein wenig stolz darauf, dass meine Arbeit in Ungarn gewürdigt wird und man mir das Vertrauen schenkt“, sagte Matthäus.

Der frühere Bayern-Profi hat seine Trainer-Karriere 2001 in Österreich bei Rapid Wien begonnen, ehe er zu Partizan Belgrad wechselte und dann in Ungarn tätig war. Als Nationaltrainer hat Matthäus seit Jahresbeginn keinen gültigen Vertrag mehr. Die Verlängerung des seit 2004 bestehenden Arbeitsverhältnisses hatte sich an heftigen internen Streitigkeiten im ungarischen Fußballverband zerschlagen. Mit den Ungarn war Matthäus in der Qualifikation zur Fußball-WM allerdings gescheitert. Funktionäre des inzwischen aufgelösten Verbands-Präsidiums hatten zuletzt den Angaben von Matthäus widersprochen, nach denen dem Deutschen „ein unterschriftsreifer Vertrag bis Ende 2007“ vorliegen würde. „Das ist absolut unwahr“, sagte Matthäus.

Trotz der Querelen mit dem ungarischen Verband schließt er eine Rückkehr nach Budapest nicht aus. Er behalte dort seine Wohnung, „denn ich mag die Stadt, das Land, die Menschen, und wenn sich die Lage in - sagen wir einem Jahr oder so - normalisiert, kehre ich gerne wieder nach Ungarn zurück“.

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