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23.05.2011

12:53 Uhr

Wechselspiele

Wohin geht die Reise, Manuel Neuer?

VonStefan Hermanns
Quelle:Tagesspiegel

"Koan Neuer"-Plakate in München, Watschn auf Schalke: Fan-Liebling ist Manuel Neuer dank seiner Wechselgedanken nicht. Welches Trikot er in der neuen Saison anziehen wird, liegt aber auch nicht mehr in seinen Händen.

Manuel Neuer lehnt sich aus einem Zug im Gelsenkirchener Bahnhof. Quelle: dapd

Manuel Neuer lehnt sich aus einem Zug im Gelsenkirchener Bahnhof.

DüsseldorfAn einem Abend, an dem die großen Fragen sehr früh und sehr eindeutig beantwortet waren, galt es nur noch ein paar Kleinigkeiten am Rande zu klären. Zum Beispiel die, woran der Einsatz von Mathias Schober letztlich gescheitert war. Der 35-Jährige ist Ersatztorhüter beim FC Schalke 04, und im Fernsehen war er bei einer Geste zu beobachten, die eindeutig schien. Schober wedelte wie wild mit seinem Zeigefinger, was auf eine klare Abneigung gegen eine Einwechslung schließen ließ. Offenbar aber handelte es sich um eine Fehlinterpretation. „Zehn Minuten auf dem Platz wären noch mal schön gewesen“, sagte Schober. „Das wäre einfach eine Geste gewesen.“

Auch Ralf Rangnick, sein Trainer, habe kurz mit diesem Gedanken gespielt, sich dann aber umentschieden. „Es war ja ein knappes Ergebnis, da musste der Trainer taktisch noch was machen.“ Schalke führte 5:0 gegen den MSV Duisburg.

Eine Viertelstunde vor Schluss hatten sich die Schalker Fans zu einem imposanten Chor zusammengefunden. „Wir woll’n den Schobi seh’n“, sangen sie, und man konnte ihr Lied auf zwei Arten verstehen: als Anerkennung für den Ur-Schalker Schober, nach 14 Jahren im Verein „ein Urgestein“, wie er sich selbst nannte; oder als Missfallensbekundung gegen Manuel Neuer, einen anderen Ur-Schalker, der aber wohl bald Ex-Schalker sein wird und deshalb bei Teilen des Anhangs erheblich an Zuneigung eingebüßt hat.

„Er hat gut gehalten“, sagte Sportdirektor Horst Heldt. „Es gab keinen Grund, ihn auszuwechseln.“ Ganz so einfach war es natürlich nicht. Die Schalker fürchteten vor allem atmosphärische Störungen: Was, wenn es bei einem Wechsel deutlich vernehmbare Pfiffe gegen den Kapitän Neuer gegeben hätte? Dieses Risiko wollte niemand eingehen. Auch Neuer ließ Vorsicht walten. Als jeder Spieler weit nach der Siegerehrung einzeln mit dem Pokal vor der königsblauen Kurve tanzte, erbat sich der Torhüter Geleitschutz von Schalkes neuem Fanliebling Raúl. Der saß auch am nächsten Tag beim Autokorso durch Gelsenkirchen neben ihm, als plötzlich ein Fan aus dem Gewühl heraus sprang und Neuer eine Ohrfeige verpasste (siehe Video). Der Torhüter nahm den Zwischenfall gelassen zur Kenntnis und feierte weiter.

Rangnick erklärte, er habe aus Respekt vor dem Gegner auf einen Wechsel im Tor verzichtet, „zum anderen hätte es so ausgesehen, als wenn wir Manuel verabschieden wollten. Das ist nicht der Fall.“ Die Schalker versuchten mit Macht den Eindruck zu widerlegen, dass der Wechsel ihres Torhüters zu den Bayern längst besiegelt sei und nur noch der richtige Zeitpunkt für die Verkündung dieser Nachricht abgepasst werden müsse.

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