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14.01.2015

07:39 Uhr

Weltfußballer-Wahl

Lewandowski stört Bayern-Harmonie und bereut

VonStefan Kreitewolf

Die Wahl von Ronaldo zum Weltfußballer ist in Deutschland ein Aufreger. Vor allem bei Bayern München. Dabei stimmten Fußballkenner wie Robert Lewandowski doch nur für ihre Lieblinge. Was hinter dem Ballon d'Or steckt.

Robert Lewandowski (l.) schaut versonnen, Manuel Neuer (o.) sogar grimmig: Ob Neuer da wohl schon geahnt hat, wie sein Team-Kollege bei der Weltfußballer-Wahl abstimmen würde? AFP

Robert Lewandowski (l.) schaut versonnen, Manuel Neuer (o.) sogar grimmig: Ob Neuer da wohl schon geahnt hat, wie sein Team-Kollege bei der Weltfußballer-Wahl abstimmen würde?

DüsseldorfDer glatt gegelte Goalgetter aus Madrid darf sich nach dem gestrigen Abend zum dritten Mal Fifa-Weltfußballer des Jahres nennen. Insgesamt erhielt Ronaldo 37,66 Prozent der zu vergebenden Punkte, die von mehr als 500 Wahlberechtigten verteilt worden waren. Insbesondere in Deutschland ist die Aufregung darüber groß.

Verdiente Fußballhelden wie Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und der WM-Kapitän Philipp Lahm machten ihrem Ärger Luft und beschrieben die Wahl als „ungerecht“. Selbst der sonst so unparteiische Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich „enttäuscht“.

In der Diskussion stach ein ungewöhnlicher Kommentator heraus: Arjen Robben. Der niederländische Linksaußen des FC Bayern, der auf dem Spielfeld bereits mehr als ein Mal zum Hitzkopf mutierte, fand weise Wort: „Ich hätte es Manuel gegönnt, er hätte es verdient, aber du bist abhängig von den Leuten, die wählen.“ Doch wer sind diese „Leute“ überhaupt?

Deutsche Wähler des Ballon d'Or

Bastian Schweinsteiger (Deutschland)

Schweinsteiger vergab fünf Punkte an Manuel Neuer, drei Punkte an Philipp Lahm und einen Punkt an Thomas Müller.

Joachim Löw (Deutschland)

Der Welttrainer des Jahres setzt Manuel Neuer an Rang eins, Philipp Lahm an zwei und Bastian Schweinsteiger an Platz drei.

Jürgen Klinsmann (USA)

Der US-Coach sah ebenfalls Manuel Neuer vorne. Dahinter kamen seiner Meinung nach Cristiano Ronaldo und Arjen Robben.

Winfried Schäfer (Jamaika)

Manuel Neuer war für Jamaikas Nationaltrainer Winfried Schäfer die Nummer eines 2014. Außerdem vergab es drei Punkte an Robben und einen Punkt an Messi.

Ulli Stielike (Südkorea)

Bei Stielike landete Neuer hinter Gewinner Ronaldo auf dem zweiten Platz. Auf Rang drei sah er den Argentinier Angel di Maria.

Bernd Stange (Singapur)

Bernd Stange wählte den Weltmeister-Torwart auf der ersten Platz. Dahinter folgte mit Thomas Müller ein weiterer deutscher Nationalspieler. Dann kam erst Messi.

Volker Finke (Kamerun)

Nur Volker Finke hatte keine Punkte für seinen Landsmann übrig. Für Finke waren in der Reihenfolge Robben, James Rodriguez und Yaya Touré die besten Spieler des vergangenen Jahres.

Die Liste der Wahlberechtigen ist 17 Seiten lang: Insgesamt wählen den Fifa-Kicker des Jahres über 500 Menschen aus der ganzen Welt. Die Kapitäne und Trainer der Nationalteams und je ein Journalist von Afghanistan bis Zypern. Darunter sind so Exoten wie Pieternella Ingomar, der Nationalcoach von Curaçao, oder der vietnamesische Kapitän Le Tan Tai. Die Wahlberechtigten durften zwischen drei Plätzen entscheiden. Der Erste bekam fünf Punkte, der Zweite drei Punkte und der Dritte nur einen.

Die „Wähler“ konnten bei der Abstimmung aus einer Liste der Fifa auswählen, den Nominierten. Darin tauchten neben CR7, Messi und Neuer auch viele andere Fußballer auf, die im vergangenen Jahr durch herausragende Leistungen aufgefallen waren, etwa Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger, Neymar, Yaya Touré oder James Rodriguez.

Interessant und ein Politikum ist nun in manchen Fällen, wer wen wählte. So geriet Neuers Teamkollege bei den Bayern, Robert Lewandowski, gleich in die Enge, weil er als Kapitän von Polen Ronaldo auf eins setzte, aber Neuer nur auf zwei und den neuen deutschen Nationalkapitän Schweinsteiger auf den dritten Platz. Am Tag nach der Gala entschuldigte sich der polnische Nationalkapitän dafür und bekräftigte: Neuer wäre die bessere Wahl gewesen. Enschuldigen für sein Abstimmungsverhalten will er sich jedoch nicht, wie „Bild“ berichtete.

Schweinsteiger dagegen setzte ganz auf seine Kollegen. Er platzierte die Bayern-Spieler Philipp Lahm und Thomas Müller auf Rang zwei und drei. Fünf Punkte vergab er an Manuel Neuer, vielleicht auch, weil er ihm damals die besten Chancen bei der Weltfußballer-Wahl einräumte.

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