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13.01.2015

07:54 Uhr

Weltfußballer-Wahl

Ronaldo räumt schon wieder ab

VonThomas Schmitt

Cristiano Ronaldos Wahl zum Weltfußballer ist keine Überraschung. Gegenüber Manuel Neuer hat er den Vorteil: Er ist eine internationale Marke. Doch es triumphierten drei andere Deutsche, zwei davon aus dem Frauenfußball.

Weltfussballer des Jahres

Ronaldo: „Ich habe es verdient“

Weltfussballer des Jahres: Ronaldo: „Ich habe es verdient“

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DüsseldorfDer Portugiese Cristiano Ronaldo ist zum zweiten Mal in Folge zum Weltfußballer gewählt worden. Das gab der Weltfußballverband Fifa am Abend bei einer Gala in Zürich bekannt. Der Portugiese in Diensten von Real Madrid schlug damit den deutschen Weltmeister Manuel Neuer und auch seinen Stürmer-Konkurrenten Lionel Messi.

Rein sportlich wird diese Entscheidung viele in Deutschland überraschen. Denn hierzulande wurde im Vorfeld eindeutig der Weltmeister in die Favoritenrolle geschoben. Er hätte es verdient, so sagten viele Experten. Nur Neuer selbst war vorsichtiger. Und auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Das hatte gute Gründe.

Bei der Wahl zum Weltfußballer entscheiden nicht nur sportliche Kriterien. Da Journalisten, Spieler und Trainer aus der ganzen Welt mitwählen, entscheiden auch Faktoren, die über das rein Sportliche hinausgehen. Zum Beispiel: Welches Image hat ein Spieler? Wie bekannt ist er? Wie wird er – selbst in den entlegensten Regionen der Welt – vermarktet.

Was Sie noch nicht über Christiano Ronaldo wussten

Der Biograf

Luca Caioli ist einer der renommiertesten Sportbiografen. In deinem jüngst erschienenen Buch "Ronaldo. Die Geschichte eines Besessenen" (Verlag die Werkstatt) sind viele Anekdoten zu finden, die es so noch nicht zu lesen gab. Zudem räumt Caoli mit so manchem Klischee auf.

Die ersten Jahre

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro wird am 5. Februar 1985 auf Madeira geboren. Er ist das vierte Kind seiner Eltern und war nicht geplant. Sein Name Ronaldo kommt von Ronald Reagan. Trotz der materiellen Armut verlebt er eine glückliche Kindheit, vor allem dank des Fußballs. Seine Klassenlehrerin beschreibt ihn als artig, witzig und „einen guten Freund seiner Klassenkameraden“.

Die Heulsuse

Der kleine Cristiano war gar nicht klein, sondern einen Kopf größer als die anderen, aber dafür sehr dünn. Wegen seiner laufintensiven Spielweise und seines Trainingsfleißes wurde er „die kleine Biene“ genannt. Andere schmähten ihn als Heulsuse, weil ihm nach verlorenen Spielen oft die Tränen über die Wangen kullerten.

Waschen und Bügeln

Bei Sporting Lissabon im Fußballinternat muss Ronaldo mit 12 Jahren weit entfernt der Heimat Selbstständigkeit beweisen. Dazu gehört auch zu waschen und zu bügeln. Das erste Jahr ist eine Tortur, doch dann gewöhnt er sich ein.

Der Balljunge

Die 50 Euro, die Ronaldo pro Monat bekommt, gehen für Schulhefte, Bücher und Klamotten drauf. Dazu verdiente er sich Geld als Balljunge bei den Heimspielen von Sporting. Seine Kindheit genießen konnte der Junge freilich nie.

Kraftraum statt Schule

Für die Schule macht Cristiano nur das Nötigste und geht nach der neunten Klasse ab. Dabei ist er ein ordentlicher Schüler. Ansonsten ist er ein Ausbund an Disziplin. Als er 13 ist, müssen ihn die Trainer aus dem Kraftraum entfernen, weil er es übertreibt.

Ende der Karriere droht

Mit 15 hat Ronaldo ein ernsthaftes Problem: Sein Ruhepuls ist deutlich zu hoch. Er braucht eine Operation. Per Laser wird eine beschädigte Zone in seinem Herzen repariert. Nach wenigen Tagen ist alles wieder gut. Mit 16 ist Ronaldo der Star der Akademie. In einer einzigen Saison tritt er für die U16, U17, U18 und die erste sowie zweite Seniorenmannschaft an. 2001 unterschreibt der 16-Jährige seinen ersten Profivertrag und bekommt 2000 Euro im Monat. Seine Ablösesumme wird auf 20 Millionen Euro festgeschrieben.

Manchester United

Alex Ferguson ist ein Trainerfuchs: Als Manchester United am 6. August 2003 gegen Sporting Lissabon spielt, ist der Wechsel von Ronaldo zu den „Red Devils“ längst beschlossene Sache. Die Spieler von ManU wissen davon noch nichts. Nach einer beeindruckenden Vorstellung Ronaldos fordern selbst schwer zu begeisternde Größen wie Phil Neville: „Wir haben alle zum Boss gesagt: Den müssen wir verpflichten.“ So glauben die Spieler, sie hätten den Wechsel des Portugiesen erst forciert.

Schwer Start mit Strähnchen

Die britischen Journalisten sind von Ronaldo zunächst gar nicht beeindruckt. Sein Auftreten mit Strähnchen im Haar und die für so einen jungen Spund enorme Ablösesumme machen sie skeptisch. Und tatsächlich setzt ihn Ferguson nur dosiert ein. In den ersten Monaten muss Ronaldo häufig auf der Bank platznehmen. Doch seine Leistungen lassen ihn zum Publikumsliebling werden und sogar seinen Vorgänger mit der Nummer 7, Davis Beckham, vergessen.

Tod des Vaters

Ronaldos alkoholkranker Vater stirbt am 6. September 2005. An diesem Tag ist Ronaldo mit der portugiesischen Nationalmannschaft in Russland zu Gast. Sein Trainer Scolari nimmt überrascht zur Kenntnis, dass sein junger Star trotz der Nachricht am nächsten Tag auflaufen will. Seine Mitspieler und die Fans rechnen ihm das hoch an.

Vorwurf der Vergewaltigung

Kurz nach dieser tragischen Nachricht wird Ronaldo mit dem Vorwurf konfrontiert, eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Die Medien steigen in übertriebenem Maß ein und sprechen gar von einer „Verhaftung“ Ronaldos. Nach kurzer Zeit entpuppen sich die Vorwürfe als falsch, aber eine Entschuldigung gibt es nie.

Der Frauenheld

Die Liste der angeblichen und tatsächlichen Liebhaberinnen ist lang. Dabei hält Ronaldo sein Liebesleben privat. Ob Paris Hilton tatsächlich nur „eine gute Freundin“ sei oder ob da nicht doch mehr war, bleibt im Dunkeln. Bewiesen ist, dass die beiden in Hollywood einen netten Abend verbracht hatten und für 17.000 Dollar mit reichlich Champagner feierten. Zuletzt wurde es jedoch deutlich ruhiger um Ronaldo.

Die Vaterschaft

Am 3. Juli 2010 verkündet Ronaldo, dass er Vater geworden ist. Die Identität der Mutter hält er streng geheim. Bekannt ist, dass sie auf das Sorgerecht verzichtet hat. Der Fußballer kümmert sich gemeinsam mit seiner Familie und Lebensgefährten um den Kleinen.

Cash Cow für Real Madrid

Ronaldos Ablösesumme von 94 Millionen Euro klingen aberwitzig. Doch selbst wenn man das Gehalt mit allem drum und dran dazurechnet, ist der Portugiese eine lohnenswerte Investition. Laut den Berechnungen von Biograf Caioli bringt Ronaldo seinem Arbeitgeber über Fernsehrechte, Werbung und verkaufte Trikots rund 60 Millionen Euro pro Spielzeit ein.

Bei diesen eher weichen Kriterien punktet Ronaldo eher. So stellte Neuers Münchener Teamkollege Arjen Robben richtig fest: „Die Entscheidung wird von Australien über Afrika bis Amerika getroffen – es ist für Manuel ein kleiner Nachteil, dass Messi und Ronaldo zwei Marken sind, zwei Weltmarken sogar“, sagte der Niederländer der „Bild“-Zeitung.

So betrachtet sei es schon „allein ein Sieg für Manuel, mit Messi und Ronaldo auf Augenhöhe zu sein“, stellte Robben fest. Wohl auch deshalb stellte Neuer ganz realistisch fest: „Favorit bin ich sicher nicht.“ Und das obwohl er doch Welttorhüter geworden ist, eine tolle WM gespielt hat und das Torwartspiel auf eine neue Ebene gehoben hat.

Honoriert wird dies bisher jedoch vor allem in Deutschland. Bei seinen Kollegen aus der Fußball-Bundesliga genießt er höchsten Respekt. Gleich 95,8 Prozent von 240 Befragten votierten in der traditionellen „Kicker“-Umfrage für den 28-Jährigen von Meister Bayern München und erklärten ihn zum „besten Torhüter der Welt“.

Kommentare (1)

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Herr Marc Schindler

13.01.2015, 09:56 Uhr

Neuer hätte es mehr verdient gehabt! Aber ist nun mal so, dass die Nationaltrainer der unbekannten Länder eher Ronaldo wählen. Hoffentlich wird sich das irgendwann ändern! Glaubt ihr auch, dass Neuer den Titel mehr verdient gehabt hätte? Hier könnt ihr abstimmen: http://tinyurl.com/manuel-neuer-weltfussballer

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