Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.02.2016

14:04 Uhr

Weltfußballverband

Skandale bescheren Fifa rote Zahlen

VonHolger Alich

Fußball-Sponsoren rücken vom korruptionsverseuchten Weltfußballverband ab. Der Fifa-Kongress reagiert: Zuerst wurde das Reformpaket verabschiedet, dann lichtete sich das Feld der Präsidentschaftskandidaten.

Fifa-Präsidentschaftswahl

Infantino: „Die Fifa steht an einem Scheideweg“

Fifa-Präsidentschaftswahl: Infantino: „Die Fifa steht an einem Scheideweg“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ZürichDie Korruptionsskandale und Kosten für die laufenden Ermittlungen haben die Fifa 2015 in die roten Zahlen gedrückt. Das sagte der amtierende Fifa-Generalsekretär Markus Kattner auf dem Kongress des Weltfußballverbandes. „Die Fifa steckt in einer schwierigen Situation“, sagte Kattner.

„Wir haben Probleme, das Umsatzziel von fünf Milliarden Dollar für den laufenden Zyklus 2015 bis 2018 zu erreichen, derzeit hinken wir diesem Ziel um 550 Millionen Dollar hinterher“, so der Fifa-Manager. Ein Grund sei, dass TV Sender und auch Sponsoren zögern würden, neue Marketing-Verträge mit der skandalerschütterten Fifa abzuschließen.

Auf Seiten der Kosten belastet die Aufarbeitung der Skandale die Kasse. Derzeit durchforsten rund zwei Dutzend Anwälte und Experten der US-Kanzlei Quinn Emanuel und der Schweizer Kanzlei Niederer, Kraft und Frey die Aktenberge der Fifa. Die Arbeit der Anwälte dürfte allein einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen.

Fifa: Skandale unter Blatter

Präsidentschaftswahl 1998

Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

ISL-Skandal (1)

Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

ISL-Skandal (2)

Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

WM-Vergabe (2)

Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

Präsidentschaftswahl 2011 (1)

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

Präsidentschaftswahl 2011 (2)

Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

WM-Tickets (1)

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

WM-Tickets (2)

Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

WM-Tickets (3)

2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Sperre

2015: Am 21. Dezember spricht die rechtsprechende Kammer ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für jeweils acht Jahre gesperrt. Zum Verhängnis wurden ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.

Kattner sagte den Delegierten, dass es die Aussicht dafür gebe, dass die Fifa wichtige Marketing-Verträge nach dem Kongress abschießen könne. Vorausgesetzt, die Reformen werden beschlossen. Die 209 Delegierten des Weltfußballverbandes Fifa standen damit vor einer wegweisenden Entscheidung und nahmen die Herausforderung an.

Sie zogen aus den Skandalen endlich Konsequenzen und verabschiedeten das Reformpaket mit einer Mehrheit von 89 Prozent. Offenbar haben die Funktionäre realisiert: Bei diesem Fifa-Kongress in Zürich geht es um nicht weniger als die Existenz des Weltfußballverbandes.

Das Paket umfasst unter anderem eine Gewaltenteilung, die Entmachtung des zuvor allmächtigen FIFA-Präsidenten, die Offenlegung der Spitzengehälter sowie Integritäts- und Eignungschecks für alle Mitglieder des neuen FIFA-Aufsichtsrats, der künftig das Exekutivkomitee ersetzt. Inkrafttreten werden die Reformen 60 Tage nach dem Kongress.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×