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29.05.2015

16:17 Uhr

Wer stürzt Blatter?

Nur TV-Sender können die Fifa lahm legen

VonThorsten Giersch

Wie ist dem von Korruption durchtriebenen Fifa-System beizukommen? Politik: praktisch ohne Einfluss. Sponsoren: zu zementierte Verträge. Fans: schwer zu vereinen. Bleiben nur die großen Geldgeber der Fifa. Ein Kommentar.

Die Arbeit von Sepp Blatter ist nur schwer zu kontrollieren – und die der Fifa erst recht. Die neuen Korruptionsvorwürfe stellen Blatters Arbeit einmal mehr in Frage. Sponsoren und Fans sind besorgt, doch die Wiederwahl Blatters ist wahrscheinlich. dpa

Sepp Blatter

Die Arbeit von Sepp Blatter ist nur schwer zu kontrollieren – und die der Fifa erst recht. Die neuen Korruptionsvorwürfe stellen Blatters Arbeit einmal mehr in Frage. Sponsoren und Fans sind besorgt, doch die Wiederwahl Blatters ist wahrscheinlich.

DüsseldorfDie Fifa ist korrupt – so viel darf man trotz Unschuldsvermutung voraussetzen. Das System ist durchtrieben von Machterhalt und Geldgier. Und bei der Frage, wie all dem im Sinne des Fußballs beizukommen ist, stößt man schnell an Grenzen. Einen Aufsichtsrat gibt es nicht. Präsident Joseph Blatter kann schalten und walten wie er will – denn selbst nach diesem Skandal dürfte er wiedergewählt werden.

Sponsoren wie Coca-Cola, Adidas und Visa sind durch mehrjährige Verträge an die Fifa gebunden und ohnehin austauschbar. Die Politik hat keinen Einfluss. Und wenn sich die nationalen Verbände einig wären, hätten wir das Problem ja nicht. Und der Fan? Der müsste doch eigentlich die Macht in Händen halten, oder? Doch will man von ihm wirklich erwarten, dass er die Weltmeisterschaft 2018 in Russland boykottiert, also den Fernseher auslässt?

Doch wer gibt der Fifa eigentlich das meiste Geld? Dass sind die TV-Sender rund um die Welt. 425 Dollar warfen US-Anstalten der Fifa in den Rachen für die Übertragungsrechte an den kommenden Weltmeisterschaften. Hier in Deutschland zahlen ARD und ZDF 218 Millionen Euro für die WM in Russland 2018 und 214 Millionen Euro für den Event in Katar 2022. Sie machen die Fifa reich. Sie hätten seit Jahren als einzige die Macht, Veränderungen zu provozieren.

Doch was passierte tatsächlich? Die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland schlossen den Vertrag mit der Fifa für die Übertragungsrechte der Weltmeisterschaft in Katar bereits vor gut einem Jahr ab. Das ist zwar verständlich, weil die Rechte extrem begehrt sind. Es wirkt jedoch nun voreilig, weil da noch gar nicht die Ergebnisse des Berichts von Fifa-Chefermittler Michael J. Garcia vorlagen. Der frühere US-Bundesanwalt forschte ja wie noch niemand zuvor nach Beweisen für Korruption im Rahmen der Vergabe der WM nach Russland und Katar. 

FIFA-Affäre: Betroffene Sponsoren

Schwere Anschuldigungen

Die Vorwürfe rund um den Weltfußballverband lassen auch die Sponsoren nicht kalt: Neben sofortiger Aufklärung soll nachhaltig auch das Image wieder verbessert werden. (Quelle: Reuters)

Visa

Der weltgrößte Kreditkartenanbieter wählt ungewohnt offensive Worte in Richtung FIFA: „Als Sponsor erwarten wir, dass die FIFA diese Angelegenheiten innerhalb des Verbands schnell und unverzüglich angeht.“ Ansonsten werde man, so der Finanzdienstleister, sein Sponsoring überdenken.

Adidas

Der Sportausrüster lege an sein eigenes Verhalten höchste ethische Maßstäbe, erklärte Adidas am Mittwoch. „Wir erwarten dieses Verhalten auch von unseren Partnern“, so das Unternehmen.

Mc Donald's

Als „extrem besorgniserregend“ bezeichnete Mc Donald's die jüngsten Entwicklungen gegenüber dem „BBC“ und forderte gleichzeitig eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse.

Hyundai

Auch Hyundai blickt kritisch auf den Weltfußballverband. Das koreanische Unternehmen zeigte sich besorgt über die schweren Anschuldigungen.

Coca Cola

„Die Ideale der FIFA sind getrübt“, erklärte Coca Cola, einer der größten Sponsoren.

Gazprom

Der russische Energiekonzern stärkte der FIFA hingegen den Rücken. Gegenüber der „Bild-Zeitung“ sagte ein Gazprom-Sprecher: „Die Lage bei der FIFA hat keinen Einfluss auf den Sponsorenvertrag mit Gazprom.“

Sony und Emirates

Sony und Emirates zählten lange zu den Hauptpartnern des Fußballverbandes – im vergangenen Jahr kündigten sie allerdings die Partnerschaft. Aus Angst, das schlechte Image könnte auf sie abfärben.

Man muss ja nicht gleich Absicht unterstellen. Aber kann man von Anstalten wir ARD und ZDF und dessen Aufsichtsgremien nicht ein wenig mehr Umsicht erwarten? Wo auch damals doch schon jeder wusste, dass der Fluss der Gebührengelder nicht zu kontrollieren ist, wenn sie erst mal bei der Fifa angekommen sind? Die TV-Sender rund um die Welt, aber besonders die öffentlich-rechtlichen wie ARD und ZDF, müssen aufpassen, sich keiner Heuchelei hinzugeben.

So manches erinnert an die Tour de France, als öffentlich wurde, dass praktisch alle Top-Fahrer Doping nehmen. Auch hier taten die übertragenden Sender so, als hätten sie von nichts gewusst. ARD und ZDF transportieren den Fußball zu den Fans. Dafür bekommen sie Gebühren. Es ist ein Riesengeschäft, keine Frage. Und Vertrag ist Vertrag.

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Aber wer hätte denn sonst Einfluss, wenn nicht eine geschlossene, länderübergreifende Front von TV-Sendern? Von denen, die der Fifa ihr Geld geben und den Fußball zu den Milliarden Fans bringen.

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