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25.01.2006

09:00 Uhr

Werbebranche

Kugelschreiber bleibt das Maß aller Dinge

Ballförmige Fruchtgummis für die Halbzeit, Fußballerfiguren als USB-Sticks und Blechdosen mit schnell wachsendem Spezialgras fürs Büro: Witzig, schräg und vor allem kreativ geben sich die Werbemittelhersteller im WM-Jahr.

HB DÜSSELDORF. "Wir sind ein fußballverrücktes Land, wenn hier keine Stimmung und kein gutes Verkaufklima aufkommt, dann haben wir etwas falsch gemacht", sagt Wolfgang Mühlenpfordt, Verkaufsleiter einer Berliner Stoffdruckerei. Er jedenfalls hofft mit seinen überdimensional großen Fan-Fahnen in verschiedenen Landesfarben alles richtig gemacht zu haben. Wie viele seiner Kollegen verspricht sich der Berliner von der Weltmeisterschaft im eigenen Land einen kräftigen Mehrabsatz.

Peter Städter, Geschäftsführer einer Firma für Backbedarf, freut sich schon jetzt über das Einnahmeplus: Seine Tortendekorationen, Ausstech- und Gebäckformen im Fußball- oder Trikotformat, finden reißenden Absatz. "Wir haben unser Sortiment in dem Bereich um 30 Prozent aufgestockt und verkaufen bereits drei Mal so viel wie im Vorjahr", bilanziert Städter. "Kreativität", sagt der Geschäftsführer, "ist in der Branche eben ein Muss" allerdings nicht nur, um bei den Kunden anzukommen.

Denn wer keine Lizenz hat, um offiziell mit der Fußball-Weltmeisterschaft zu werben, darf auf seine Produkte nicht einfach das FIFA-Logo oder die offiziellen WM-Marken wie Fußball WM 2006" anbringen.

Das Ergebnis sind nebulöse Umschreibungen wie "Thema des Jahres: Fußball" sowie Bälle, Nationalflaggen und Spielertrikots, die sich als klassische WM-Symbole in allen Variationen auf Uhren, CDs, Sonnenbrillen, Schulartikeln und sogar Espresso- und Cappuccino-Tassen wiederfinden.

"Viele der Aussteller nutzen diesen Weg, er ist preiswerter und die Leute wissen ja trotzdem, was gemeint ist", weiß Susanne Figaj, Projektleiterin der Fachmesse für Werbeartikel, die kürzlich in Düsseldorf stattfand.

Glaubt man einer aktuellen Studie des Gesamtverbandes der Werbewirtschaft, dürfte das Jahr 2006 angesichts der Produktflut jedenfalls zu einer Sternstunde der Werbeartikel-Branche werden: "Im Vergleich zu Zeitungsanzeigen oder Fernsehspots fühlen sich die Leute davon am wenigsten gestört - im Gegenteil, sie schätzen sogar besonders ihren Gebrauchswert", sagt Axel Bruchhausen von der Kölner Agentur Advernomics, die die Studie erstellte. Der absolute Renner sind dabei allerdings weniger der originelle USB-Stick oder das schnell wachsende Gras, sondern noch immer: der klassische Kugelschreiber.

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