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03.04.2017

17:40 Uhr

Werbung im Fußball

Erster Bundesligist verkauft Trikotärmel

VonThomas Schmitt

Die Bundesliga hofft auf Millioneneinnahmen mit Werbung auf den Trikotärmeln. Alle Vereine vermarkten diese neue Möglichkeit derzeit. Den ersten Deal in der höchsten Spielklasse hat die TSG Hoffenheim perfekt gemacht.

Hoffenheims Niklas Süle: Aktuell tragen die Kicker noch das Logo der DFL-Zentralvermarktung auf dem Trikotärmel. dpa

Zeig her deinen Ärmel

Hoffenheims Niklas Süle: Aktuell tragen die Kicker noch das Logo der DFL-Zentralvermarktung auf dem Trikotärmel.

DüsseldorfDer Scheichklub Manchester City hat die finanzielle Duftmarke gesetzt, an der sich der Profifußball nun orientiert. Rund 11,7 Millionen Euro bekommt der von Pep Guardiola trainierte Verein pro Jahr vom südkoreanischen Reifenhersteller Nexen Tire pro Saison, weil dessen Logo nun auf dem Trikotärmel der Spieler vertreten ist – neben dem Hauptsponsor Etihad Airways auf der Trikotmitte.

Von solchen Summen kann die Masse der Bundesligavereine nur träumen. Allenfalls Rekordmeister FC Bayern München hat eine Chance auf ähnliche Größenordnungen. Doch auch eine Million Euro zusätzlich pro Saison wäre ja nicht schlecht. Und möglich wäre das mit einem Werberecht, das ab nächster Saison erstmals jeder Verein separat verkaufen darf. Bisher hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) das Recht zentral vermarktet, daher sind die Ärmel bis Saisonende dem Liga-Sponsor Hermes vorbehalten.

Bundesliga-Report 2017: Die Saison 2016/17

Umsatz Bundesliga

Die nächste Rekordmarke ist geknackt: In der Saison 2015/16 erlösten die 18 Bundesligaklubs zusammen erstmals über drei Milliarden Euro. 3,24 Milliarden Euro bedeuten im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 622 Millionen Euro, beziehungsweise 23,7 Prozent.

Umsatz 2. Bundesliga

In Liga 2 steht ein Umsatz von 608,3 Millionen Euro zu Buche – ein plus von 20,6 Prozent.

Umsatz insgesamt

Alle 36 Klubs aus Bundesliga und 2. Bundesliga zusammen erlösten damit die Rekordsumme von 3,85 Prozent – ein Plus von 23,2 Prozent.

Gewinn

Mit 206,2 Millionen Euro nach Steuern liegt der Gewinn der 18 Bundesligisten viermal so hoch wie im Vorjahr. 16 der 18 Klubs erwirtschafteten einen Gewinn. Weniger rosig das Bild in der 2. Bundesliga: Hier belief sich der Gewinn auf 1,3 Millionen Euro – im Vergleich zu 5,4 Millionen Euro im Vorjahr. Elf von 18 Klubs machten Gewinn, 2014/15 waren es noch 16.

Volkswirtschaftliche Bedeutung

Die 36 deutschen Klubs und ihre Angestellten zahlten zusammen 1,13 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben, sowie an Sozial- und Unfallversicherung. 152,8 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum – der deutsche Fiskus nahm also durch den Profifußball erstmals mehr als eine Milliarde Euro ein.

Zuschauer

12,9 Millionen Zuschauer hatte die Bundesliga 2015/16 – erstmals seit zwei Saisons fällt die Zuschauerzahl damit knapp unter die Marke von 13 Millionen. Der Schnitt bleibt aber bei über 42.000 Stadionbesuchern pro Spiel. In die Stadien der 2. Bundesliga kamen 5,8 Millionen Besucher, ein Rekordergebnis. Insgesamt kamen damit 18,79 Millionen Fans, der zweitbeste Wert nach 2011/12 (18,81 Millionen).

Dauerkarten

Nach einem leichten Rückgang in der Vorsaison (10,19 Millionen Stück nach 10,32 in 2013/14) steigt die Zahl der Dauerkarten für Bundesliga und 2. Bundesliga 2015 wieder auf 10,59 Millionen Stück an.

Sicherheit in Stadien

14.058 Menschen arbeiteten in der Saison 2015/16 im Umfeld der Spiele für private Wach- und Sicherheitsdienste – 2014/15 waren es 13.021.

DFL-Fazit

„Der deutsche Profifußball setzt seinen erfolgreichen Weg fort. Er zeigt sich ökonomisch stark, höchst populär und gesellschaftlich engagiert“, urteilt die DFL in ihrem Report. „Ein stabiles Fundament, das durch nachhaltiges Wachstum entstanden ist.“

Als erstem Bundesligisten gelang es der TSG Hoffenheim nun, einen eigenen Sponsor für die Ärmel zu finden. Der Werbepartner wurde am Montag vorgestellt: Ob die TSG dafür vom Direktvertriebsunternehmen Prowin mehr als eine Million Euro kassiert? Dazu gab es keine Antwort. Für einen Klub mit eher kleiner Fanbasis gilt mehr als eine Million aber eher als unwahrscheinlich. Mit der neuen Werbefläche am Arm dürften eher andere absahnen: neben den Bayern wohl Borussia Dortmund, Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg.

Diese vier Vereine nehmen nach Erhebungen des Datendienstleisters Statista bisher das meiste Geld durch Trikotsponsoring ein: zwischen 20 und 35 Millionen Euro pro Saison. Die  Wölfe liegen in dieser Statistik so weit oben, weil ihr Hauptsponsor, der Autohersteller Volkswagen, gleichzeitig Eigentümer ist. Der große Rest der Liga kassiert vom Hauptsponsor nur zwischen fünf und neun Millionen Euro.

Mit Glück ist beim Trikotärmel womöglich ein Fünftel der Summe drin, die der jeweilige Hauptsponsor bisher zahlt. Bei den Bayern wären das um die sieben Millionen Euro, bei den mitgliederstarken Vereinen Schalke 04 und Borussia Dortmund vielleicht vier Millionen Euro für den Ärmel. Auf Handelsblatt-Anfrage reagierte bisher nur Schalke mit dem Hinweis, dass man aktuell noch nichts sagen möchte.

Offener geht mit dem Thema dagegen der Tabellenletzte Darmstadt 98 um. „Wir finden das Recht sehr spannend. Zum einen für bestehende Sponsoren, die über eine Ausweitung Ihres Sponsorings nachdenken und dabei eine sehr medienstarke Präsenz suchen. Aber auch für Neukunden wäre dies ein Einstieg, der für hohe Aufmerksamkeit sorgen wird“, erklärte Pressechef Tom Lucka auf Anfrage.

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