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04.02.2016

18:32 Uhr

Werder und HSV

Das finanzielle Desaster der Klubs im Norden

VonAlexander Möthe

Die Traditionsvereine HSV und Werder Bremen liegen sportlich und wirtschaftlich am Boden. Die gewohnten Erlösquellen versiegen. Künftig darf es daher keine Denkverbote mehr geben. Eine Analyse.

Im Nordderby, der am häufigsten gespielten Bundesliga-Partie überhaupt, ging es einst um internationale Finals. Heute ist es das Duell zweier Pleiteklubs im Abstiegskampf. Sportlich hatte zuletzt in Bremen der HSV die Nase vorn. dpa - picture-alliance

Es war einmal ein Spitzenspiel

Im Nordderby, der am häufigsten gespielten Bundesliga-Partie überhaupt, ging es einst um internationale Finals. Heute ist es das Duell zweier Pleiteklubs im Abstiegskampf. Sportlich hatte zuletzt in Bremen der HSV die Nase vorn.

DüsseldorfWelche Neuzugänge wird der Hamburger SV noch präsentieren? Die Frage muss Dietmar Beiersdorfer, Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG, mit einer Gegenfrage beantworten: „Hat der HSV denn noch welche bekannt gegeben?“ Es ist Montagabend, kurz nach 18 Uhr im CCD in Düsseldorf. Das Transferfenster in diesem Winter ist gerade zu. Und Beiersdorfers Frage wird zur Pointe.

Die Nachricht, dass es ausgerechnet bei den Hamburgern zu einer Transferpanne gekommen ist, löst im Saal Gelächter aus. Der HSV-Chef nimmt es mit Humor und fragt, ob denn wenigstens die anderen geklappt hätten. Die Episode fügt sich in das Bild, das der Traditionsverein aus der Hansestadt seit einigen Jahren abgibt. Und schon fast krampfhaft versucht loszuwerden.

Auf dem Branchentreff SpoBis, Europas größter Sport-Business-Kongress, referiert Beiersdorfer gemeinsam mit Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzender des SV Werder Bremen, über die Zukunft der beiden norddeutschen Erzrivalen. Deren Situation ähnelt sich derzeit. Der HSV ist nach Jahren des Abstiegskampfs und interner Grabenkämpfe nur noch ein Schatten des einstigen Spitzenvereins.

Die Ausgliederung des Profibereichs im Sommer 2014 beförderte den ehemaligen Sportchef Beiersdorfer auf den Chefsessel. Er soll im Rahmen der Initiative HSV Plus die sportlich und wirtschaftlich prekäre Lage herumbiegen. Der Klub wird gerade im Jugendbereich völlig umgekrempelt, Investoren sollen über den Verkauf von Vereinsanteilen Geld in die klammen Kassen spülen. 16,9 Millionen Euro Verlust hat der HSV im abgelaufenen Geschäftsjahr verbucht – Negativrekord.

Bundesliga Report 2016: Die Saison 2014/15

Was die Bundesliga auszeichnet

Das Wachstum geht weiter: In der Saison 2015/16 stieg der Umsatz erstmals über drei Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 23,7 Prozent.

2. Bundesliga

In Liga 2 setzten die Vereine erstmals mehr als 600 Millionen Euro um.

Lizenzfußball

Die 36 Profivereine in Deutschland verzeichneten einen Umsatz von 3,85 Milliarden Euro (plus 23,2 Prozent).

Wirtschaftliche Bedeutung

Die positive wirtschaftliche Entwicklung machte sich auch bei den Steuern und Abgaben bemerkbar. Diese betrugen erstmals mehr als eine Milliarde Euro. Insgesamt zahlten die Clubs 1,13 Milliarden Euro an das Finanzamt sowie die Sozial- und Unfallversicherungen. Von 50.237 auf 53.114 stieg erneut auch die Zahl der Arbeitsplätze in direkter Anstellung oder durch Beauftragung der 36 Proficlubs und deren Tochtergesellschaften.

In Zahlen

Für die 18 Clubs der Bundesliga ergab sich im Vergleich zum Vorjahr ein vier Mal so hoher Gewinn von 206,2 Millionen Euro (Ergebnis nach Steuern) – eine Summe, die so hoch ist wie alle Überschüsse der Bundesliga in den vier Jahren zuvor.

DFL-Fazit

Der deutsche Profifußball hat seinen erfolgreichen Kurs auch in der Saison 2015/16 fortgesetzt.

Profitabel

16 der 18 Clubs erwirtschafteten einen Gewinn. Legt man das EBITDA zugrunde, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, haben 2015/16 sogar sämtliche 18 Bundesliga-Clubs schwarze Zahlen geschrieben. Zusammen mit der 2. Bundesliga waren es wie im vorherigen Jahr 34 der 36 Clubs.

Über der Schallgrenze

13 der 18 Clubs verzeichneten 2015/16 einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

Kostenquote sinkt

Trotz gestiegener Aufwendungen für Spieler, Trainer und Betreuerstab sank die Personalkostenquote, also die Ausgaben im Verhältnis zum Gesamtumsatz, in der Bundesliga auf 32,6 Prozent.

Auch Werder Bremen ist vom Glanz vergangener Jahre weit entfernt. Dort beträgt das Minus aktuell vergleichsweise geringe 5,9 Millionen Euro. Doch es ist auch das vierte Negativergebnis in Folge, das Eigenkapital sinkt. Es gibt weniger Kosten und Verbindlichkeiten als beim hanseatischen Rivalen, dafür aber keinen Investor. Chefaufseher Bode, als Spieler einer der großen Legenden des Klubs, betont daher auch, dass Bremen „völlig offen für Partner ist“.

HSV: Eine Kopfnuss und ein Schuldenberg

HSV

Eine Kopfnuss und ein Schuldenberg

Transferpanne, ein Millionen-Loch und fast noch eine handfeste Prügelei. Beim Hamburger SV sind die Nerven nach dem missglückten Rückrundenstart in der Bundesliga angespannt.

Bremen und Hamburg sind auf ihre Art zwei Lehrbeispiele dafür, wie schnell sich Traditionsmarken im Profifußball überleben können. Noch vor wenigen Jahren zählten beide Teams zu den 20 erfolgreichsten Klubs Europas. Beide zollen nicht nur eigenen Verfehlungen Tribut. Sie haben auch wichtige Entwicklungen verschlafen. Und die Konkurrenz aus dem Liga-Mittelfeld hat sich durch geschicktes Management von den Faktoren Geld und Größe entkoppelt.

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