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03.03.2016

10:25 Uhr

Wettbetrug

Die dunkle Seite im Fußball

VonThomas Schmitt

Die Fans lieben den Fußball und erwarten faire Spiele. Doch immer wieder gelingt es Betrügern, Spiele zu manipulieren – auf allen Ebenen. Was hinter den Kulissen passiert, beleuchten ein Thriller und eine Dokumentation.

Die Anbieter von Sportwetten sind überall in der Bundesliga überaus aktiv. Sie zählen zu den großen Sponsoren der Profivereine. dpa

Bandenwerbung

Die Anbieter von Sportwetten sind überall in der Bundesliga überaus aktiv. Sie zählen zu den großen Sponsoren der Profivereine.

DüsseldorfWetten gehören zum Fußball. Damit sich das in den Köpfen der Fans festsetzt, kaufen sich die Wettanbieter massiv in die Bundesliga ein. Unternehmen wie Tipico oder Bwin setzen fast ihren gesamten Werbeetat auf den Fußball. Fast jeder Verein der ersten Liga wirbt inzwischen mit einem Wettanbieter.

Das Geschäft ist jedoch längst nicht so sauber, wie es die schöne Werbung in den Stadien und im Fernsehen vorgaukelt. Darauf machte die ARD am Mittwoch mit einem Themenabend aufmerksam: Ein 90 Minuten langer Thriller und 30 Minuten Dokumentation wurden zur besten Sendezeit zu einem zweistündigen Paket geschnürt. Das Ziel: überhaupt ein Problembewusstsein herzustellen.

Denn: Wettbetrug findet im Dunklen statt, in Hinterzimmern und muffigen Lokalen mit vielen Fernsehern. Wie dieses Geschäft hinter dem Fußball läuft, wissen Ermittler inzwischen relativ genau. Bekannt ist oft auch, wer damit viel Geld verdient. Das Problem ist jedoch oft: Die Manipulation von Spielen oder anderen Sportereignissen ist extrem schwer zu beweisen.

Wettbetrug im Fußball: ARD-Doku über ein Milliardengeschäft

"Schiebung!"

So brüllen die Fans oft enttäuscht. Sie könnten recht haben. Denn absichtlich verlorene Fußballspiele und irreguläre Elfmeter durch gekaufte Profis und Schiedsrichter sind zu einem Milliardengeschäft der internationalen Wettmafia geworden.

Quelle: ARD, Doku: Wettbetrug im Fußball – Milliardengeschäft für die Mafia

These der Doku

Der beliebteste Sport ist kriminell unterhöhlt und oft alles andere als ein „Fair Play“.

Umsatz

Auf 500 Milliarden Euro Umsatz wird der weltweite Sportwettenmarkt geschätzt – kein Wunder also, dass Wettbetrug längst zu einem florierenden Geschäftszweig der organisierten Kriminalität geworden ist.

Schwerpunkt

Gerade bei Spielen, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen und dennoch weltweit Gegenstand hoher Wetten sind, werden die Wettbetrüger aktiv.

Vorgehen

Dabei platzieren sie ihre illegalen Wetten auch in Deutschland, vor allem aber auf dem asiatischen Wettmarkt. In China, Malaysia oder Hongkong sind sechsstellige Wettbeträge auf unterklassige – auch deutsche – Spiele nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Absprachen

Je nach Wette versuchen die Betrüger sogar, die Spiele noch in der Halbzeit durch Absprachen mit Spielern oder dem Schiedsrichter zu beeinflussen. Ermittler und Richter tun sich schwer, diese Spielmanipulationen nachzuweisen.

Wachstum

Sportwetten werden immer beliebter und im Internet können sie 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche weltweit platziert werden. Gesetzt wird dabei auf fast alles: Tore, Eckbälle, Freistöße, Gelbe und Rote Karten.

Spiele

Gegenstand manipulierter Wetten sind Länderspiele, Champions-League-Spiele, Meisterschaftsspiele und selbst Jugendspiele.

Deutschland

In Deutschland wächst die Wettbegeisterung kontinuierlich: 2015 erzielten private Wettanbieter mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz.

Grauzone

Die Wettbranche hierzulande, aus juristischer Sicht, weiter in einem Graubereich. Denn der Markt ist seit Jahren nicht reguliert und mittlerweile kaum noch zu kontrollieren. Die Autoren der Doku: „Eine komplizierte, verwinkelte, oft verrückte und teils auch eine kriminelle Welt.“

Sponsoren

Bundesligavereine wollen nicht auf lukrative Sponsoring-Verträge verzichten. Bei 15 von 18 Fußball-Erstligisten engagieren sich Wettanbieter als Sponsor.

Fußballklubs

Die Wettanbieter polieren durch die Präsenz im Profi-Fußball ihr schlechtes Image auf, die Vereine kassieren.

Kritik an der Bundesliga

„Bei schwierigen Themen wie Gewalt in den Stadien, Fremdenhass, Homophobie und Depression engagieren sich mittlerweile viele große Fußball-Vereine vorbildlich. Doch bei den Themen Spielsucht und Wettgeschäft sind sie immer noch auffallend zögerlich“, heißt es auf der ARD-Seite zu dem Film von Benjamin Best

Die Behörden müssen daher mit verdeckten Ermittlern arbeiten, die sie in die Wettmafia einschleusen. Um solch einen Agenten dreht sich der Film „Auf kurze Distanz“. In dem Thriller wird Klaus Roth (alias Tom Schilling) in den Kreis der serbischen Wettmafia eingeschleust. Die Behörden wollen endlich an den Drahtzieher, Aco Goric (alias Lazar Ristovski), herankommen.

In dem Film geht es nicht nur um Wetten im großen Stil, Betrug und Kapitalverbrechen, sondern auch um Erpressung, Nötigung, schwere Körperverletzung und Auftragsmorde. Wenn all das zusammen kommt, sprechen die Behörden von organisierter Kriminalität. Gegenstand dieser Machenschaften ist nach den Erkenntnissen der ARD-Dokumentation nicht nur der Fußball.

„Grundsätzlich sind alle Sportarten davon betroffen oder können betroffen sein“, urteilt die Antikorruptions-Expertin Sylvia Schenk von Transparency International. „Alles, worauf die Leute wetten, kann auch der Spielmanipulation dienen.“ Das Feld möglicher Wetten ist dabei riesengroß. Im Fußball geht es zum Beispiel bereits bei Jugendspielen los.

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