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05.02.2013

16:35 Uhr

Wettskandal

Bayern-Chef Rummenigge fordert „harte Bestrafung“

Bayern-Chef Rummenigge sieht im Fußball-Wettskandal Verbände, Clubs und auch die Spieler gefordert. Er plädiert für eine lückenlose Aufklärung der Europol-Ergebnisse und plädiert für eine harte Bestrafung der Betrüger.

Der Vorstandsvorsitzende vom FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge. dpa

Der Vorstandsvorsitzende vom FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge.

DohaBayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge fordert im Fußball-Wettskandal eine lückenlose Aufklärung der alarmierenden Ergebnisse der Polizeibehörde Europol. Zugleich plädiert der 57-Jährige für eine „harte Bestrafung“ überführter Betrüger. „Es geht um die Glaubwürdigkeit des Fußballs. Das ist das höchste Gut, glaube ich, dass wir zu verteidigen haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Doha.

Das Thema schlage auch am Rande der aktuellen Vollversammlung der Europäischen Club-Vereinigung (ECA) in Katar „hohe Wellen“, sagte der 57 Jahre alte ECA-Vorsitzende. „Wir müssen alle daran arbeiten, dass die Dinge, die von Europol behauptet wurden, lückenlos aufgeklärt werden. Sonst würde das Spiel in große Gefahr gebracht. Wenn die Leute ins Stadion gehen, müssen sie wissen, dass dort alles sauber und seriös vor sich geht“, erklärte Rumenigge, der betonte: „Ich glaube, dass es eine harte Bestrafung aller geben muss, die in dieses Thema im negativen Sinne eingebunden sind.“

Weltweite Wettskandale im Fußball

Deutschland

Dezember 2012: Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil gegen den Wettpaten Ante Sapina zum Teil auf. Der Prozess muss neu verhandelt werden. Das Landgericht Bochum habe nicht geprüft, ob eine Strafmilderung nach der sogenannten Kronzeugenregelung infrage komme. Sapina war im Mai 2012 zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte mit Komplizen im großen Stil Wetten auf manipulierte Fußballspiele platziert und damit insgesamt 2,3 Millionen Euro eingenommen.

Südafrika

Dezember 2012: Der Wettskandal in der italienischen Serie A beschert dem SSC Neapel einen Punktabzug für die laufende Saison und eine Geldstrafe in Höhe von 70 000 Euro. Kapitän Paolo Cannavaro und Teamkollege Gianluca Grava wurden wegen eines nicht angezeigten Spielmanipulationsversuchs für sechs Monate gesperrt. Im Mai 2010 soll der frühere Torwart der Süditaliener, Matteo Gianello, versucht haben, das Serie-A-Spiel bei Sampdoria Genua zu manipulieren. Cannavaro und Grava sollen Absprachen abgelehnt, den Vorfall aber nicht angezeigt haben. Gianello selbst wurde für drei Jahre und drei Monate gesperrt.

Südkorea

Januar 2013: Nach einem Wettskandal im südkoreanischen Fußball sperrt der Weltverband FIFA 41 koreanische Spieler weltweit. 2011 waren organisierte Spielmanipulationen ans Licht gekommen. Die beteiligten Akteure sollen in Spielen der nationalen K-Liga absichtlich Fehler gemacht haben, um dadurch den Verlauf zu beeinflussen. Im Gegenzug sollen sie Geld von Glücksspielvermittlern erhalten haben.

Italien: Mai 2012

28. Mai: Stefano Mauri, der Kapitän des Erstligisten Lazio Rom, wird von der italienischen Polizei festgenommen. Nationaltrainer Cesare Prandelli streicht Verteidiger Domenico Criscito aus dem EM-Aufgebot wegen des Verdachts von Spielmanipulationen. Bei einer Razzia gibt es insgesamt 19 Festnahmen.

29. Mai: Prandelli nimmt aber trotz der Ermittlungen Verteidiger Leonardo Bonucci mit zur EM. Ministerpräsident Mario Monti stellt derweil den gesamten Profi-Fuball im Land infrage.

30. Mai: Torwart Gianluigi Buffon soll in der Wett-Affäre als Zeuge aussagen. Er hatte missverständliche Aussagen bezüglich angeblicher Ergebnisabsprache in der vergangenen Saison gemacht.

31. Mai: Aber Buffon musste keine Vorladung der Staatsanwaltschaft vor der EM befürchten. Staatsanwalt Roberto Di Martino wollte Italiens Vorbereitung nicht stören.

Italien: Dezember 2012

Der Wettskandal in der italienischen Serie A beschert dem SSC Neapel einen Punktabzug für die laufende Saison und eine Geldstrafe in Höhe von 70 000 Euro. Kapitän Paolo Cannavaro und Teamkollege Gianluca Grava wurden wegen eines nicht angezeigten Spielmanipulationsversuchs für sechs Monate gesperrt. Im Mai 2010 soll der frühere Torwart der Süditaliener, Matteo Gianello, versucht haben, das Serie-A-Spiel bei Sampdoria Genua zu manipulieren. Cannavaro und Grava sollen Absprachen abgelehnt, den Vorfall aber nicht angezeigt haben. Gianello selbst wurde für drei Jahre und drei Monate gesperrt.

Italien: Dezember 2013

Italiens Weltmeister Gennaro Gattuso steht im Mittelpunkt einer neuen Episode der Wettbetrugssaga im italienischen Fußball. Vorgeworfen wird ihm bislang kein konkretes Delikt, aber sein Haus wurde bereits durchsucht, um Beweismaterial sicherzustellen. Die Polizei geht von Kontaktaufnahmen zu einem mutmaßlichen Mittelsmann der Wettmafia aus. die Hintermänner der Serie A haben wohlmöglich auch die WM im Visier – und Gattuso scheint mittendrin zu sein.

Verbände, Clubs und auch Fußball-Spieler müssten gemeinsam gegen Spielmanipulationen vorgehen, sagte Rummenigge. Man müsse Maßnahmen erörtern, wie man Manipulationen in Zukunft besser in den Griff kriegen könne, „weil es ansonsten ein großer Schaden wäre, der dem Fußball zugefügt würde“, mahnte der Vorsitzender der ECA, der mehr als 200 Clubs in Europa angehören, darunter zehn Bundesligavereine.

Frühwarnsysteme wie das der Deutschen Fußball Liga würden allerdings nur beim offiziellen Wettmarkt greifen, „wenn jemand erhöhte Summen setzt“, gab Rummenigge zu bedenken. Beim „schwarzen Wettmarkt“ in Asien seien dagegen derartige Systeme nicht wirksam. „Dieser wird schwer zu kontrollieren sein“, meinte der Bayern-Chef.

Bwin-Direktor Jörg Wacker: „Der Wettskandal schädigt das Vertrauen“

Bwin-Direktor Jörg Wacker

„Der Wettskandal schädigt das Vertrauen“

Wettbetrug im Fußball fügt seinem Geschäft hohen Schaden zu, sagt Jörg Wacker, Deutschland-Chef von bwin. Für Ihn gibt es bei Sportwetten kein sichereres Medium als das Internet.

Europol hat rund 700 verdächtige Spiele im Zeitraum von 2008 bis 2011 registriert, darunter auch einige wenige Partien in der WM- und EM-Qualifikation sowie der Champions League. Mehr als 400 Personen aus dem Fußball sollen in die Wettmanipulationen involviert sein.

Von

dpa

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