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21.01.2011

13:03 Uhr

Wettskandal

Champions-League-Torwart gleich doppelt bestochen

Im Manipulationsskandal der Champions League dringen immer mehr Details ans Licht. So wurde der Torhüter des ungarischen Meisters VSC Debrecen gleich doppelt bestochen.

Der Torwart des VSC Debrecen wurde im Wettskandal gleich doppelt bestochen. Foto: SID Images/Firo SID

Der Torwart des VSC Debrecen wurde im Wettskandal gleich doppelt bestochen. Foto: SID Images/Firo

Der Sumpf des Wettskandal ist noch tiefer als bisher befürchtet. Die mutmaßlichen Drahtzieher um Ante S. kamen bei ihrem Manipulationsversuch in der Champions League zu spät, weil andere Betrüger wohl schneller waren - der Torhüter war angeblich schon bestochen. Das geht nach SID-Informationen aus der Anklageschrift gegen Ante S. und Marijo C. sowie vier weitere Beschuldigte hervor, die voraussichtlich ab dem 24. Februar in Bochum vor Gericht stehen.

100 000 Euro sollen die beiden mutmaßlichen Haupttäter sowie der ehemalige Basketball-Profi Ivan P. dem Torwart des ungarischen Meisters VSC Debrecen in Aussicht gestellt haben, damit er das Vorrundenspiel der Königsklasse am 20. Oktober 2009 gegen den AC Florenz manipuliert. Die Wettbetrüger seien schon, so die Staatswanwaltschaft, auf dem Weg nach Wien gewesen, wo ein Vertrauter des montenegrinischen Nationalkeepers Vukasin Poleksic das Geld erhalten sollte. "Es wurde aber laut Anklage nicht gezahlt, weil es von dritter Seite schon zu Zahlungen an den Spieler gekommen war", sagte Gerichtssprecher Volker Talarowski.

Bochumer Ermittler stießen mehrmals auf Hinweise

Das Spiel endete 3:4, in der ersten Halbzeit fielen sechs Tore. Marijo C. hatte bestritten, die Partie verschoben zu haben. "Mein Mandant ist der Ansicht, dass das Spiel zwischen Debrecen und Florenz nicht manipuliert war. Seiner Ansicht nach ist da keine Manipulation zustande gekommen", sagte sein Verteidiger Alexander Hornung.

Nach SID-Informationen sind die Bochumer Ermittler mehrmals auf Hinweise zu anderen Wettbetrügern gestoßen, die nicht zur Gruppe um Ante S. gehören. So berichtete Ante S. beispielsweise, dass beim ehemaligen belgischen Zweitligisten Union Royale Namur "Italiener Spiele manipuliert" hätten. Marijo C. sprach von einer "Wettmafia in Kroatien, die europaweit Partien beeinflusste". Beim slowenischen Meisterschaftsspiel zwischen Drava Ptuj und Nafta Lendava am 11. April 2009 (4:1) habe es sogar Absprachen zwischen beiden Präsidenten gegeben, behauptet Marijo C..

Der fünfmalige ungarische Meister Debrecen war im Mai ins Visier der Europäischen Fußball-Union (Uefa) geraten. Damals hatte die Disziplinarkommission acht Spieler wegen des Spiels gegen Florenz befragt. Das 3:4 gegen die Italiener war nicht die einzige torreiche Partie in der Champions-League-Gruppenphase. Das Rückspiel verlor Debrecen 2:5, fünf Tore fielen nach der Pause. Gegen Olympique Lyon ging der ungarische Meister zweimal mit 0:4 unter. Nach SID-Informationen stehen auch weitere Spiele von Debrecen unter Manipulationsverdacht.

Ante S. und Marijo C. sollen in 47 Fällen auf manipulierte Spiele gewettet haben und insgesamt 550 000 Euro für die Bestechung von Spielern und Schiedsrichtern aufgebracht haben. Zugegeben hat das Duo bereits, die Fifa-Schiedsrichter Novo Panic (Bosnien-Herzegowina) und Oleg Orijechow (Ukraine) bestochen zu haben. So sollte unter anderem das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Gruppe zwischen Liechtenstein und Finnland (1:1) am 9. September 2009 verschoben werden.

© SID

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