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27.05.2014

20:05 Uhr

Wettskandal

Ex-Fußballprofi will vor Gericht auspacken

Neuauflage im Wettskandal: Nun steht mit Thomas Cichon erstmals ein Ex-Profi vor Gericht, und er scheint reden zu wollen. Wie seine Definition von „vollem Einsatz“ im Spiel aussieht, dürfte spannend werden.

Er scheint sich mildernde Umstände durch ein Geständnis zu erhoffen: Thomas Cichon wird in dem Prozess vorgeworfen, Fußballspiele gegen Geld manipuliert zu haben. dpa

Er scheint sich mildernde Umstände durch ein Geständnis zu erhoffen: Thomas Cichon wird in dem Prozess vorgeworfen, Fußballspiele gegen Geld manipuliert zu haben.

Bochum In einem weiteren Prozess um den Fußball-Wettskandal von 2009 hat der ehemalige Bundesligaprofi Thomas Cichon am Dienstag überraschend ein Geständnis in Aussicht gestellt. Nach Angaben seiner Verteidiger könnte der 37-Jährige zugeben, als Spieler des früheren Zweitligisten VfL Osnabrück „nicht immer mit vollem Einsatz“ gespielt zu haben.

Konkret betreffe das die Partie gegen den FC Augsburg vom 17. April 2009. Im Gegenzug erhoffe sich der frühere Profi jedoch eine Bewährungsstrafe von unter einem Jahr. Darüber wollen die Richter am Bochumer Landgericht nun beraten.

Nach Angaben der Anklage soll Cichon für das Verschieben des Spiels rund 25.000 Euro von der Wettmafia kassiert haben. Dafür sollte die Begegnung absichtlich verloren werden. Augsburg hatte am Ende tatsächlich 3:0 gewonnen.

Fakten zur Korruption im Sport

Sportliche Großereignisse

Seit 1912 sind die sportlichen Großereignisse in Zahl und Umfang angestiegen. Während 1912 weltweit 12 Großereignisse weltweit stattfanden, sind es seit 2012 global über 1000.

Wetten

80 Prozent aller Sportwetten weltweit sind illegal.

Wettanbieter

Weltweit existieren schätzungsweise 8.000 Anbieter für Sportwetten jeglicher Art.

Finanzieller Umfang der Wetten weltweit

Jährlich geraten 140 Milliarden US-Dollar (umgerechnet über 102 Milliarden Euro) über Sportwetten in Umlauf.

Wettsteuern

Lediglich Frankreich, die Türkei Neuseeland und Australien haben bislang den Markt der Wettanbieter mit Steuern einzuschränken versucht.

Fälle pro Jahr

Abhängig von verschiedenen Quellen werden pro Jahr zwischen 300 und 700 Fällen an Manipulation und Korruption im Zusammenhang mit sportlichen Ereignissen aufgedeckt.

Anfällige Sportarten

Neben dem Fußball kommen Wett-, Korruptions- und Manipulationsskandale ebenfalls beim Cricket, Tennis, Snooker-Billard, Basketball, Volleyball, Wrestling, Boxen, Handball und Badminton vor.

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft heißt es dazu wörtlich: „Thomas Cichon hatte sich bereits zu diesem Zeitpunkt mit dem Abstieg seiner Mannschaft aus der bundesdeutschen zweiten in die dritte Liga abgefunden und wollte diesen Umstand finanziell für sich ausnutzen.“

Die Staatsanwaltschaft geht allerdings davon aus, dass Cichon auch dabei geholfen hat, die Partie des VfL Osnabrück gegen den damaligen Zweitliga-Konkurrenten Nürnberg vom 13. Mai 2009 (2:0 für Nürnberg) zu verschieben. Dafür soll er rund 5000 Euro erhalten haben. Diesen Vorwurf würde der 37-Jährige nach Angaben seiner Verteidiger aber nicht gestehen.

Cichon ist der erste ehemalige Bundesligaprofi, der sich nach dem Wettskandal vor Gericht verantworten muss. Er selbst hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Cichon, der in der ersten Liga beim 1. FC Köln unter Vertrag stand, ist wegen der Manipulationsvorwürfe noch bis Juli 2015 gesperrt.

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