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04.10.2013

13:35 Uhr

Wirbel um WM 2022

Im Zwielicht der Zwangsarbeit

Nach Berichten über tote Arbeiter beim Bau der WM-Stadien steht Katar in der Kritik. Ein Sportfunktionär bringt die Absage der WM ins Gespräch. Die Fifa hingegen reagiert verhalten – und redet lieber über Termine.

Fußball-WM 2022: Im Sommer oder Winter?

Joseph Blatter: „Wir haben ja jede Menge Zeit“

Fußball-WM 2022: Im Sommer oder Winter?: Joseph Blatter: „Wir haben ja jede Menge Zeit“

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Düsseldorf/ZürichDer Wirbel um die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar geht weiter. Nachdem Medien über menschenunwürdige Bedingungen und Dutzende Tote auf den Baustellen der WM-Stadien berichtet haben, fordert der UN-Sonderbeauftragte für Sport, Willi Lemke, in einem Interview nun gar die Absage der WM – sofern die Vorwürfe stimmten.

„Wenn das alles so stimmt, wie es gewesen ist, und da sollte sich nichts ändern, dann ist es aus meiner Sicht völlig unmöglich, dort die Fußball-Weltmeisterschaft auszutragen“, sagt Lemke im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Er betont, eine WM könne nicht damit leben, dass „ein paar hundert oder womöglich ein paar Tausend Arbeiter sterben, während da die Bauten fertiggestellt werden“.

Der britische „Guardian“ hatte Ende September berichtet, dass zwischen Juni und August mindestens 44 Beschäftigte auf den Baustellen für die WM in Katar gestorben seien – an Herzattacken, Herzversagen und Arbeitsunfälle. Die Ursachen dafür sollen in den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen vor Ort liegen. Das belegen laut des Zeitungsberichts Dokumente der nepalesischen Botschaft. Demnach werden tausende nepalesische Arbeiter ausgebeutet und wie Sklaven gehalten.

Falls sich herausstellen sollte, dass der Bericht stimme, dann müsse Abhilfe geschaffen werden – „und zwar sofort“, fordert Lemke. Er warnt aber auch davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. „Nur einfach da hinfahren und sagen, wir nehmen euch die WM weg, das geht nicht“, so der Sportbeauftragte. Zunächst müsse die Fifa prüfen, ob dies tatsächlich so passiert sei.

Unterdessen tagt das Fifa-Exekutivkomitee in Zürich und berät unter anderem auch über die WM in Katar. Eine Neuvergabe wird es aber wohl kaum geben. „Es gibt keine Zweifel darüber, dass in Katar gespielt wird. Die offene Frage ist, ob das Turnier im Winter stattfindet und wenn im Winter gespielt wird, ob im November, Dezember oder Januar“, sagte Fifa-Kommunikationsdirektor Walter de Gregorio dem englischen TV-Sender Sky Sport News und bekräftigte damit, dass die WM wegen der „Guardian“-Berichte nicht zur Disposition stehe. Uefa-Präsident Michel Platini ließ hingegen verlauten, dass er über die Frage der Arbeitsbedingungen „viel mehr besorgt“ sei als über die Diskussion, ob die WM im Sommer oder im Winter gespielt wird.

WM-Organisationschef Hassan Al Thawadi zeigte sich indes zuversichtlich, dass Katar die WM austragen darf. Im Zuge der WM-Vorbereitung seien eine Reihe von Initiativen beschleunigt worden, um „die Rechte der Arbeitnehmer zu verbessern“. Das habe „höchste Priorität“.

Kommentare (2)

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Arminianer

04.10.2013, 21:15 Uhr

Der schweizerische Fifa-Funktionär Blatter soll sofort seinen fetten Arsch nach oben bringen. Wenn es um den Tod von Bauarbeitern auf Baustellen in Katar geht, die in Zusammenhang mit dem Bau von WM-Fußballstätten stehen, dann ist es für einen Sportfunktionär nicht angezeigt, den Habitus des diplomatischen Wichtig-Tuers herauszukehren. Wer ist Blatter, dass er sich anmaßt, den Tod von Arbeitern in kauf nehmen zu "müssen"? Der Vorsitzende einer Weltregierung?
Es ist doch geradezu wahrscheinlich, dass infolge extremster Arbeitsbedingungen (Arbeiten müssen tagsüber in 50 Grad heißen Arbeitsumgebungen verrichtet werden, während die Bauaufsicht sich wohl größtenteils in temperierten Baucontainern aufhalten wird).
Wenn Katar nicht sicherstellen kann, dass Bauarbeiten gemäß den Standards international anerkannter Normen durchgeführt werden können, dann darf kein einziger Sportfunktionär seine Hand für ein solches Projekt reichen.
Blatter wird noch immer der Korruption im Weltfußball verdächtigt. Er sollte es nicht übertreiben, sonst wird er dereinst selbst als Galeerensklave enden.
Wer billigend den Tod von Bauarbeitern in kauf nimmt, um ein äusserst ambitioniertes Projekt des Weltfußballs umsetzen zu können, hat nichts kapiert. Es geht bloß um Fußball, nicht um die Rettung des Planeten, Herr Blatter.

Mr.Chaos

05.10.2013, 14:27 Uhr

Leider ist es aber so, das Tote in kauf genommen werden, da es hier um Milliarden von Einnahmen geht.
Das Fussballgeschäft ist in meinen Augen so wie so nicht mehr real um was für Summen es im Endeffekt geht.Egal ob für Spieler oder sonstiges.
Zudem glaube ich auch, das nicht nur in Katar sondern auch in Südafrika(WM2010) Arbeiter gestorben sind aber wen interessiert es.(Auch wenn es noch nirgends bewiesen wurde)
Außerdem was passiert mit den ganzen Stadien jetzt, sie verrotten fast alle wo sie stattgefunden haben und neu gebaut wurden.
Warum kann man sie nicht an den Orten stattfinden lassen, wo Stadien schon existieren.
Der meisten Bevölkerung nützt es eh nichts(wo sie gebaut wurden),da sie sich den Eintritt nicht leisten können, sondern nur die Betuchten.
Und die meisten der Sportfunktionären sind korrupt, man hat es auch an Südafrika gesehen.(Gab es einen interessanten Bericht dazu bei der ARD oder dem ZDF) Zudem ist Platini auch ein Katar Befürworter gewesen. Tja so holt man sich seine Schäfchen ins trockene.
Ich sehe auch gern Fußball, kann auch ohne damit leben aber es gibt leider viele überwiegend männliche Personen, bei denen die Welt untergehen würde, wenn es keinen Fussball mehr gäbe.
wie hieß es schon zu Neros Zeiten, "gebt dem Volk,Brot und Spiele und es kümmert sich nicht um Politik und seine Umwelt"(salopp übersetzt)
nicht umsonst schüttelte eine Frau Merkel einem Steuersünder nach dem Spiel die Hand
Es Leben das Spiel des Lebens

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