Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2011

08:19 Uhr

Wirtschaftsfaktor Profi-Fußball

In Österreichs Urlaubsregionen boomt das Geschäft mit den Trainingslagern

VonJürgen Bröker

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Ziele für Profi-Fußballmannschaften in der Vorbereitung auf die neue Saison gemausert. Allein 13 von 18 Bundesligisten schlagen in diesem Sommer ihr Trainingslager in der Alpenrepublik auf. An den Arbeitsaufenthalten der Profis verdienen nicht nur auf das Geschäft spezialisierte Agenturen. Auch für die Touristikregionen sind sie mittlerweile ein äußerst lohnendes Geschäft. Doch der Markt ist umkämpft.

Trainer Robin Dutt (2.v.r.) instruiert bei einer Trainingseinheit des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen im Zillertal seine Spieler. Bayer Leverkusen bereitete sich vom 30. Juni bis 8. Juli in einem Trainingslager in Österreich auf die Saison 2011/20112 vor. Quelle: dpa

Trainer Robin Dutt (2.v.r.) instruiert bei einer Trainingseinheit des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen im Zillertal seine Spieler. Bayer Leverkusen bereitete sich vom 30. Juni bis 8. Juli in einem Trainingslager in Österreich auf die Saison 2011/20112 vor.

DüsseldorfEs war ein Zufall, der Österreich zu einer der beliebtesten Ziele für Trainingslager im Profifußball gemacht hat. Daraus macht Nikolaus Pichler von der International Football Camps Styria GmbH (IFCS) keinen Hehl. 1995 war es, als ihn die Anfrage des AS Rom erreichte, ob man für die italienische Topmannschaft nicht in Kapfenberg in der Steiermark ein Trainingslager organisieren könne. „Wir haben das gerne gemacht“, sagt Pichler. Von der Resonanz ein Jahr später war er dann aber doch überrascht. Hoppla, habe er gedacht, als sich 1996 zum ersten Trainingslager des AS Rom mit der Mannschaft gleich 400 bis 500 Fans auf den Weg nach Österreich machten. Und: Unglaublich, was sich daraus entwickeln könne.

Inzwischen hat sich Österreich tatsächlich zu dem Vorbereitungsland für Fußballclubs aus ganz Europa entwickelt. Vorwiegend drei Unternehmen kümmern sich um die Organisation und Durchführung der Trainingsmaßnahmen. Dabei arbeiten die IFCS, die Salzburger Land Fußball Camp GmbH (SLFC) sowie Soccer Camps Kärnten mit regionalen Schwerpunkten. Gut 100 Teams schlagen meist unter ihrer Führung jedes Jahr im Sommer in der Alpenrepublik ihre Zelte auf, um ausreichend Kraft für die anstehende Meisterrunde zu tanken. Nach Schätzungen bringen die Camps jedes Jahr etwa 100.000 Übernachtungen mit sich. Allein im Salzburger Land registrieren die Verantwortlichen 15.000 bis 25.000 Übernachtungen. „Die Fußballcamps sind inzwischen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden“, sagt Leo Baumberger, Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus Gesellschaft (SLTG). Fünf Millionen Euro direkter Umsatz werde mit den Camps im Salzburger Land erzielt. Vor allem nach der Euro 2008, die in der Schweiz und in Österreich ausgetragen wurde, habe die Region noch einmal einen deutlichen Schub in diesem Wirtschaftszweig erfahren.

Gerade für die Hoteliers der Vier- oder Fünf-Sterne Wellness- und Spa-Betriebe sind die Fußballclubs in der sonst eher ruhigen Zeit im Juni und Juli willkommen. Sie haben sich auf die speziellen Wünsche der Elitekicker inzwischen eingestellt. Einige Hotels, wie die Seeresidenz in Walchsee in Tirol, haben sogar eigens einen eigenen Fußballplatz bauen lassen. Vor drei Jahren hat sich Christian Münsterer, Besitzer des Hotels, dazu entschieden, in die Anlage zu investieren. „Die Nachfrage der Clubs ist einfach immer größer geworden“, sagt er. 

Allein 13 der 18 deutschen Erstligisten bereiten sich in diesem Jahr in den österreichischen Bergen vor, viele Zweitligaklubs wie Alemannia Aachen oder Eintracht Frankfurt haben die kräftezehrenden Trainigslager in der Alpenrepublik bereits hinter sich . Sie kommen in die Steiermark, nach Kärnten oder in eine andere Region. „Die Clubs schätzen die sehr guten Voraussetzung bei uns“, sagt Pichler selbstbewusst. Dazu zählt er neben den Hotels auch die optimalen Trainingsbedingungen in unmittelbarer Nähe zu den Hotels. „Außerdem machen wir eine verlässliche Betreuung hinsichtlich der Abwicklung notwendiger Testspiele“, sagt Pichler. 

Das Geschäft mit den Trainingslagern blüht. Mehr als 20 internationale Mannschaften vertrauen allein in diesem Sommer den Organisationskünsten Pichlers und seines Teams. Darunter auch Hannover 96, Hertha BSC Berlin und der FC Schalke 04. Die Organisatoren sorgen für eine gute Mischung der Vereine und damit dafür, dass es für jeden einen entsprechenden Spielpartner gibt. So heißt es am Donnerstag (14. Juli) in Bad Waltersdorf etwa Roberto Carlos gegen Raul. Denn dann treffen der russische Club FC Anzhi Makhachkala des Brasilianers und der FC Schalke 04 des Spaniers aufeinander.

Aachens Marco Stiepermann (re.) grätscht in einem Vorbereitungsspiel in St. Johann/Tirol gegen  Christian Schwegler von Red Bull Salzburg. Quelle: dapd

Aachens Marco Stiepermann (re.) grätscht in einem Vorbereitungsspiel in St. Johann/Tirol gegen Christian Schwegler von Red Bull Salzburg.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×