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03.01.2010

08:00 Uhr

WM 2010

Ballack dämpft die Euphorie

VonFlorian Haupt

Bei der WM in Südafrika zählt Deutschland nicht zu den Favoriten. Die Konkurrenten Brasilien, Spanien und England werden als deutlich stärker eingeschätzt. Die Wahrheit ist: Außer dem Mythos von der Turniermannschaft spricht wenig für Deutschland.

Mannschaftskapitän Michael Ballack: WM-Erfolg nur mit Realismus und Demut. Quelle: SID

Mannschaftskapitän Michael Ballack: WM-Erfolg nur mit Realismus und Demut.

BERLIN. Michael Ballack wartete ein paar Tage ab und rückte dann die Verhältnisse zurecht. Deutschland zähle nicht zu den Favoriten bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, ließ der Mannschaftskapitän alle Euphoriker wissen, die in den Tagen nach der Gruppenauslosung Anfang Dezember schon den Weg ins Finale durchplanten. Die Gegner seien stark: "Das Wort Glückslos können wir diesmal getrost streichen."

Tatsächlich wirkte geradezu absurd, wie selbstverständlich viele Medien von einer leichten Auslosung berichteten. "Das Glück hat uns geknutscht", titelte die "Bild"-Zeitung - was nicht mehr unter boulevardübliche Zuspitzung fiel, sondern einfach nur Ahnungslosigkeit offenbarte.

Der Reihe nach: Deutschland beginnt das Turnier am 13. Juni in Durban gegen Australien - eine körperbetont spielende Mannschaft, zu vergleichen mit nordeuropäischen Teams. Die letzten deutschen Ergebnisse in diesem Segment lauteten 0:1 gegen Norwegen und 1:1 gegen Finnland. Bei der WM folgen am 18. Juni in Port Elizabeth die Serben, eine stilistisch und mental ähnlich veranlagte Equipe wie Kroatien - gegen das Deutschland bei der EM 2008 unterlag. Den Abschluss macht am 23. Juni in Johannesburg mit Ghana das einzige Team des Gastgeberkontinents, das 2006 das Achtelfinale erreichte.

Die Nationalelf braucht Ballack

Natürlich wird der 33-jährige Ballack bei seinem wohl letzten Turnier alles daransetzen, erstmals einen internationalen Titel zu gewinnen. Von der WM 2002 weiß er aus eigener Erfahrung, dass Deutschland auch ins Finale kommen kann, ohne zu den besten Mannschaften zu gehören. Doch das, so Ballacks Credo, ist nur möglich mit Realismus und Demut.

Seit Jahren gibt er daher den Mahner, wo viele Teamkollegen und auch Bundestrainer Joachim Löw eher zu Optimismus neigen. Bei der EM 2008 eskalierte der Streit: Ballack fand, die jungen Spieler überschätzten sich; diese kritisierten, er sei zu negativ. Trotz oder vielleicht sogar wegen dieser Spannungen erreichte das Team das Endspiel.

Inzwischen haben sich die Beteiligten zusammengerauft. Zum Glück: Ohne Ballack dürfte Deutschland keine Chance auf den Titel haben. Der Spieler von Chelsea London ist der einzige Weltklasseprofi im Kader - und der Einzige, der sich bei einem großen Klub im Ausland Woche für Woche mit den Besten misst. Die anderen ziehen die Bequemlichkeit der Bundesliga einem Wechsel in die dominanten Ligen in England und Spanien vor - oder sie sind dort gar nicht gewollt.

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