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26.10.2016

14:21 Uhr

WM 2018

So macht Putin Russland zum Fifa-Paradies

VonJulia Rotenberger

Der Gewinner der nächsten Fußball-WM steht schon zwei Jahre im Voraus fest: die Fifa. Die russischen Steuerbehörden sind offenbar der größte Fan des Weltfußballvereins. Nur eines scheint Putin zu bedauern – den Alkohol.

Fifa-Spektakel in Russland: Der brasilianische Fußballspieler Ronaldo bei einem TV-Auftritt mit dem russischen Fußball-WM-Maskottchen Zabivaka. AP

Fußballstar und Fußballwolf

Fifa-Spektakel in Russland: Der brasilianische Fußballspieler Ronaldo bei einem TV-Auftritt mit dem russischen Fußball-WM-Maskottchen Zabivaka.

MoskauFußball-Fans verbinden mit der Weltmeisterschaft in Russland im Jahr 2018 nun einen Wolf in roten Hosen. Freitagnacht ist die Entscheidung für das Maskottchen namens „Zabivaka” gefallen, welches das Turnier vermarkten soll. „Symbol-Figuren spielen eine große Rolle beim Turnier, sie machen den Zuschauern im Stadion Freude”, kommentierte Weltmeister Ronaldo, der als Vertreter Brasiliens bei der Verkündung der Maskottchen-Entscheidung dabei war.

Ob die vergangene WM seinen Landgenossen wirklich viel Freude gemacht hat, ist fraglich – zahlreiche Proteste zeugten eher vom Unmut der Brasilianer über die WM-Organisatoren als von Begeisterung. Ganz sicher hat das Großereignis aber eine gefreut: die Fifa. Rund 3,3 Milliarden verdiente sie an der WM 2014.

Auch die russische WM wird sich für den Weltfußballverein finanziell lohnen: Dafür sorgt der russische Staat und mit ihm Präsident Putin persönlich. Denn weitab von dem Trubel um das WM-Maskottchen biegen und kneten Juristen und Parlamentarier gerade das russische Recht zugunsten der Fifa zurecht.

Steuern? Welche Steuern?

Mehrere Änderungen im russischen Steuerrecht stehen in der Duma zur Debatte: Die erste präzisiert, wie die Fifa-Partnerorganisation „Russland 2018“ sowie deren Töchter von der Mehrwertsteuerpflicht befreit werden. Die aktuelle Version des Gesetzes listet die Fifa selbst sowie deren Tochtergesellschaften als zu befreiende Subjekte auf. Überflüssig, findet der russische Gesetzgeber.

Schließlich sei an anderer Stelle im Steuergesetzbuch der steuerliche Status des Weltfußballvereins und dessen Töchter längst geregelt – sie gelten überhaupt nicht als steuerpflichtig. Im Klartext: Nicht nur muss die Fifa selbst keine Steuern bezahlen, sondern auch die Gewinne, die ihr über Verträge mit externen Partnern, beispielsweise der Sportmarketing-Gesellschaft „Infront”, zukommen, bleiben außer Reichweite des russischen Staats.

Weitere Änderungen betreffen die Abgaben für Visa für WM-Organisatoren ohne russischen Pass – diese sollen entfallen – und Steuer-Rückerstattungen für ehrenamtliche WM-Helfer. Die Freiwilligen sollen Steuern für die Kosten von Anreise und Unterkunft zu den WM-Stätten zurückbekommen – auch im Kleinen entsteht rund um die WM eine Steuerblase.

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