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15.12.2016

17:40 Uhr

WM-Affäre

Geheimnisvolle Warner-Datei geknackt

Was steht in gleich mehreren verschlüsselten Dateien aus der DFB-Zentrale? Das ist eine der spannendsten Fragen in der WM-Affäre. Ein möglicherweise besonders wichtiges Dokument hat die Staatsanwaltschaft jetzt geöffnet.

Der ehemalige Fifa-Funktionär Jack Warner ist nachweislich korrupt. Was hat es mit der nach ihm benannten Datei auf sich? dpa

Jack Warner

Der ehemalige Fifa-Funktionär Jack Warner ist nachweislich korrupt. Was hat es mit der nach ihm benannten Datei auf sich?

Frankfurt/MainIn der Affäre um die Fußball-WM 2006 hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt eine möglicherweise brisante und bislang verschlüsselte Datei mit dem Namen „Komplex Jack Warner“ geknackt. Eine Sprecherin bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Zum Inhalt äußerte sich die Behörde nicht. Dass die Datei von den Ermittlern aber in weniger als einem Monat geöffnet werden konnte, weckt erneut Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Deutschen Fußball-Bundes in diesem Skandal. Denn der DFB hatte nach mehreren vergeblichen Versuchen darauf verzichtet, das Dokument zu öffnen. Zur Begründung hieß es, der „finanzielle und zeitliche Aufwand“ dafür sei möglicherweise sehr hoch.

Die „Warner“-Datei war nach den bisherigen Erkenntnissen Ende 2015 in der DFB-Zentrale in einem Ordner mit dem Titel „Erdbeben“ abgelegt worden. Zusammengestellt wurde sie mutmaßlich von dem langjährigen stellvertretenden Generalsekretär Stefan Hans. Der mittlerweile gekündigte Funktionär war von der alten DFB-Führung um Wolfgang Niersbach damit beauftragt worden, interne Recherchen zu den dubiosen Geldflüssen rund um die WM 2006 durchzuführen.

Der nachweislich korrupte langjährige FIFA-Funktionär Jack Warner ist möglicherweise eine der Schlüsselfiguren in dem Skandal. Vor einem Jahr tauchte ein Vertragsentwurf zwischen ihm und dem DFB auf, der aus den Tagen kurz vor der WM-Vergabe datiert und Warner unter anderem 1.000 WM-Tickets der teuersten Kategorie zusichern sollte. Deshalb erhofft sich die Staatsanwaltschaft von der Auswertung der Warner-Datei wichtige Erkenntnisse in der gesamten Affäre.

Fifa: Die Organisation des Fußballweltverbandes

Fifa-Kongress

Er ist die Vollversammlung des Fußball-Weltverbandes. Der Kongress wird von den 209 nationalen Mitgliedsverbänden gebildet und ist das höchste legislative Gremium der Fifa. Jeder Verband hat dabei eine Stimme. Der Kongress tritt mindestens einmal im Jahr zusammen. Er trifft Entscheidungen über die Fifa-Statuten und über die Aufnahme oder den Ausschluss von Mitgliedern.

Aufgaben des Kongresses

Zu den wichtigen Aufgaben des Kongresses gehört auch die Wahl des Fifa-Präsidenten. Künftig soll die Vollversammlung darüber entscheiden, wer die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet - wie, ist aber noch offen. Mit dieser Reform aus dem Jahr 2011 reagierte der Verband auf die schweren Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Titelkämpfe 2018 nach Russland und 2022 nach Katar.

Exekutivkomitee

Das Exekutivkomitee ist das ausführende Organ der Fifa, vereinigt aber sehr viel Macht auf sich. Kopf ist der auf vier Jahre gewählte Präsident, seit 1998 Joseph Blatter. Darüber hinaus gehören dem Komitee 24 Mitglieder an, darunter acht Vizepräsidenten. Sie werden nicht vom Kongress gewählt, sondern durch die Fußball-Konföderationen (Kontinentalzusammenschlüsse) und Verbände ernannt.

Aufgaben

Das Exekutivkomitee ernennt die Vorsitzenden und die Mitglieder der Ständigen Kommissionen, zum Beispiel für Finanzen und für Medizin. Es besetzt aber auch Rechtsorgane wie zum Beispiel die Ethikkommission, die sich um Betrugsvorwürfe kümmert. Bis 2011 bestimmte das Exekutivkomitee den Ort und die Daten der Fußball-Weltmeisterschaften.

Verdacht

Am Prinzip wurde erst gerüttelt, als zehn Mitglieder des Exekutivkomitees unter Korruptionsverdacht standen. Einige wurden suspendiert, andere lebenslang gesperrt - wie im Juli 2011 Fifa-Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam aus Katar. Die Ethikkommission sah es als erwiesen an, dass er Stimmen für seine Wahl zum Fifa-Chef kaufen wollte - bin Hammam bestritt das. Fifa-Vize Jack Warner trat bereits im Juni 2011 von allen Ämtern zurück, die eingeleiteten Verfahren wurden damit einfach beendet.

Präsident

Seit 1998 steht der Schweizer Joseph Blatter an der Spitze der Fifa. Bei den beiden letzten Wahlen hatte er keinen Gegenkandidaten. Trotz der Korruptionskrise wurde Blatter Anfang Juni 2011 mit großer Mehrheit wiedergewählt - 186 der 203 abstimmenden Delegierten votierten für ihn. Allein schon eine Verschiebung dieser Wahl zur Klärung aller Vorwürfe wäre schwierig geworden. Denn dafür ist eine Dreiviertel-Mehrheit der 209 Mitgliedsverbände nötig.

Aufgaben

Der Präsident führt nicht nur die Kongressverhandlungen. Über das Exekutivkomitee, das er einberuft und leitet, hat er ebenfalls große Machtfülle. Bei Patt-Situationen in Abstimmungen gibt seine Stimme den Ausschlag. Auf Vorschlag des Präsidenten ernennt und entlässt das Exekutivkomitee auch den Generalsekretär, der die Verwaltung der Fifa leitet. Um den Präsidenten zu zwingen, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen, müssen sich mindestens 13 der 24 Mitglieder auf einen Antrag dafür einigen.

Bei dieser Datei geht es aber auch noch um eine andere Frage: Wie groß ist der Aufklärungswillen der neuen DFB-Führung um den Niersbach-Nachfolger Reinhard Grindel tatsächlich? Die Warner-Datei wurde den Ermittlern erst im November dieses Jahres ausgehändigt. Auch deshalb warf die Staatsanwaltschaft dem Verband zuletzt vor, „seine ursprüngliche Kooperationsbereitschaft mit den Ermittlungsbehörden ab Anfang 2016 stark eingeschränkt“ zu haben. Der DFB wies diesen Vorwurf Ende November zurück. Man habe „jederzeit umfassend mit der Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung kooperiert“, hieß es in einer Stellungnahme.

Von

dpa

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