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12.01.2006

11:35 Uhr

WM-Einsatz

Polizei an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit

Die Polizei ist mit dem WM-Einsatz scheinbar grenzenlos überfordert. Personalmangel, Überstunden und veraltete Ausrüstungen lassen die Aufgabe unlösbar erscheinen. Die Unterstützung durch die Bundeswehr wird dennoch vehement abgelehnt.

Polizisten stehen vor einer großen Aufgabe: WM 2006. Foto: dpa

Polizisten stehen vor einer großen Aufgabe: WM 2006. Foto: dpa

HB BERLIN. Millionen Überstunden, Personalmangel und veraltete Ausrüstung: Fünf Monate vor Beginn der Fußball- Weltmeisterschaft fürchten Deutschlands Polizeivertreter ein WM- bedingtes Fiasko für die Sicherheitsbehörden.

"Das wird eine ungeheure Belastung", sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg. Noch drastischer formuliert es die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). "Die Polizei ist denkbar schlecht aufgestellt für dieses Großereignis", warnt DPolG-Vize Rainer Wendt.

Die Argumente der Polizeivertreter sind zwar nicht neu, klingen aber dramatisch: Die Beamten seien überarbeitet und müssten sich durch die WM auf viele weitere Überstunden einstellen. Trotzdem sind nach GdP-Angaben in den vergangenen Jahren mehr als 7000 Stellen gestrichen worden.

Die in oft dünn besetzten Wachen verbliebenen Beamten mussten zudem finanzielle Einbußen durch Streichungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld hinnehmen. Zur WM wird es eine Urlaubssperre geben. Freizeitausgleich und Überstundenabbau sind jedoch nach Ansicht der Gewerkschaften nur unbefriedigend geregelt.

In Nordrhein-Westfalen machten die Ordnungshüter zu Jahresbeginn mit Demonstrationen gegen die Landesregierung mobil. Proteste in weiteren Ländern haben die Gewerkschaften bereits angekündigt. "Die Polizei bewegt sich mit dem WM-Einsatz an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit", sagt FDP-Innenexperte Max Stadler.

Das Bundesinnenministerium hält die Klagen der Polizeivertreter für Panikmache. "Wir gehen davon aus, dass das leistbar ist", versichert ein Ministeriumssprecher. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sei der Ansicht, dass die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern für die WM gut aufgestellt seien. Schließlich handele es sich nur um "punktuelle Großeinsätze" an den jeweiligen Spieltagen. "Es muss ja nicht jeden Tag Volllast sein", heißt es aus dem Ministerium.Und der Parlamentarische Staatssekretär Fritz-Rudolf Körper (SPD) betont: "Das ist eine Herausforderung, aber die wird erledigt."

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