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30.10.2014

09:40 Uhr

WM-Logo im Design-Check

Weltraumwahn mit Kitsch-Potenzial

VonChristoph Henrichs

Überirdische Schönheit oder Putinscher Größenwahn? Russland inszeniert sich mit dem neuen WM-Logo als Weltall-Pionier. Ein Design-Experte lobt das Logo in den Himmel. Die Probleme der WM werden aber irdischer Natur sein.

Bälle, Silhouetten jubelnder Fans und typisch russische Zwiebeltürmchen: Der Hintergrund des WM-Logos beinhaltet zahlreiche Andeutungen. Picture Alliance

Bälle, Silhouetten jubelnder Fans und typisch russische Zwiebeltürmchen: Der Hintergrund des WM-Logos beinhaltet zahlreiche Andeutungen.

Mit „himmlischer Hilfe“ hat Gastgeber Russland das offizielle Emblem der Fußball-WM 2018 vorgestellt. Drei Kosmonauten der Internationalen Raumstation ISS präsentierten das Logo am Dienstagabend aus einer Entfernung von rund 400 Kilometern über der Erde. Parallel zur Fernsehgala wurde das Emblem auf die nächtliche Fassade des berühmten Bolschoi Theaters in Moskau gestrahlt.

Der russische Präsident Wladimir Putin, der für die WM-Vorbereitung rund 16 Milliarden Dollar investieren lässt, will offensichtlich auch bei der Inszenierung der Logo-Verkündung nichts dem Zufall überlassen. Die außergewöhnliche Präsentation auf der Raumstation bezieht sich auf das Design des Veranstaltungslogos, das laut Fifa sowohl Russlands „reiche künstlerische Tradition“ als auch die Bedeutung der Nation als Weltall-Pionier würdigen soll. Pikanterweise traf die russische Inszenierung mit der Explosion des Raumfrachters „Cygnus” zusammen, der für den Konkurrenten der US-Raumfahrt einen schweren Rückschlag bedeutete.

Das Motiv der kommenden Weltmeisterschaft ist „mit kosmischem Dekor gepimpt“ worden, sagt Jürgen Siebert, Schriftexperte bei FontShop in Berlin. An der Spitze des stilisierten Pokals zeigt die portugiesische Grafikagentur Brandia Central einen „magischen Ball“ mit Feuerzungen und angedeuteten Rundfenstern, die als Reminiszenz an den sowjetischen Satelliten Sputnik an den Sternenhimmel gelten sollen. Zum Emblem gehört zudem ein Hintergrundmuster, das traditionell russische Motive mit Darstellungen aus der Fußballwelt ineinander fließen lässt.

Die Agentur zeichnet bereits für die Logos der Europameisterschaften 2012 und 2016 verantwortlich. „Die Portugiesen überzeugen mit farbenfrohen Lösungen und unverwechselbaren Schriftzügen“, lobt Design-Experte Siebert. Besonders das eigens für die WM entworfene Schriftbild, stets eines der am besten gehüteten Geheimnisse einer WM-Design-Ausstattung, ist für ihn von Interesse. So seien „in den Buchstaben folkloristisch anmutende Kurven“ zu erkennen, „deren Bögen an russische Architektur und Textilmuster erinnern“.

Die Verbindung des Event-Logos mit dem derzeit höchst umstrittenen Gastgeberland ist ein wichtiges Prinzip bei der Gestaltung, erklärt André Bühler, der Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing: „Grundsätzlich sollte ein WM-Logo so gestaltet sein, dass es den Charakter der jeweiligen Weltmeisterschaft zum Ausdruck bringt, einen Bezug zum jeweiligen Gastgeberland beinhaltet und einen hohen Wiedererkennungswert aufweist“, sagt der Markenexperte.

Offensichtlich wurden die Symbole der Raumfahrt und der Ikonenmalerei mit dieser Absicht in das Design eingebracht. Fifa-Präsident Sepp Blatter zeigte sich jedenfalls zufrieden: „Das Logo repräsentiert Russlands Herz und Seele“, sagte der Fußballfunktionär, der seit Jahrzehnten an der Spitze der Fifa sitzt.

Kommentare (3)

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Herr Riesener Jr.

30.10.2014, 10:16 Uhr

Russland wird Fußball-WM-Gastgeber und stellt mit Stolz sein Logo vor. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Nicht normal ist dagegen wie unser deutscher Journalist dazu mit widerlicher Feindseligkeit schreibt: "Weltraumwahn mit Kitsch-Potenzial".

Herr Henrichs, lieben Sie den Kalten Kieg?? Stellen Sie sich bitte vor, wie Russen Ihre Überschrift lesen! Was werden die wohl denken? Und freuen Sie sich dann, Putin und den russischen Menschen eins ausgewischt zu haben??

Schon bei den Olympischen Spielen in Sotschi hat die deutsche Presse arrogant und abwertend berichtet. Wir Westler sagen immer, die Russen hätten den Ukraine-Konflikt angefangen. Aber den allerersten (zugegebenerweise kleinen) Stein haben unsere Journalisten geworfen! Und sie werfen immer weiter, wie dieser Artikel zeigt.



Herr Kurt Küttel

30.10.2014, 10:29 Uhr

Ohne deutsche Techniker wären weder Russen noch Amerikaner so schnell im Weltall gewesen. Typisch Putin, protzen, protzen, protzen! Wie kann man eine WM nur in solch ein Scheissland vergeben?

Herr Riesener Jr.

30.10.2014, 13:32 Uhr

@ Herr Heinrichs: Sehen Sie, was Ihre Propaganda anrichtet? Kurt Küttel schreibt was viele denken: "Scheissland". Dank solcher Journalisten wie Sie, Herr Heinrichs, entwickelt Deutschland wieder eine Art Nationalismus. Andere Länder sind "Scheiße". Und wir machen alles richtig, auch wenn andere Länder es ganz anders machen, siehe z.B. sogenannte Energiewende.

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