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08.02.2016

11:52 Uhr

WM-Skandal 2006

DFB könnte Beckenbauer verklagen

Der DFB hält sich in der Affäre um die WM 2006 Schadenersatzforderungen offen. Bald könnte klar sein, wer die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro an den Fußball-Weltverband verantwortet. Im Fokus: Erneut der Kaiser.

Der DFB hat in der Affäre um die Fußball-WM 2006 ein außergerichtliches Verfahren gegen den Kaiser, die Fifa und weitere Ex-Funktionäre eingeleitet. Es geht um mögliche Ansprüche von mindestens 6,7 Millionen Euro. ap

Franz Beckenbauer

Der DFB hat in der Affäre um die Fußball-WM 2006 ein außergerichtliches Verfahren gegen den Kaiser, die Fifa und weitere Ex-Funktionäre eingeleitet. Es geht um mögliche Ansprüche von mindestens 6,7 Millionen Euro.

BerlinDer Deutsche Fußball-Bund beugt in der Sommermärchen-Affäre vor und sichert den Anspruch auf möglichen Schadensersatz in Millionenhöhe. „Wir haben uns entschlossen, den möglichst geräuschlosen und unaufgeregten Weg zu beschreiten und haben diese Anträge eingereicht“, sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch der „Sportschau“. Das Interview wurde am Sonntag auch auf der Homepage des DFB veröffentlicht.

Es seien Güteanträge bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle in Hamburg eingereicht worden, hatte der DFB mitgeteilt. Damit solle „eine etwaige Verjährung von Ansprüchen des gemeinnützigen Verbandes“ verhindert werden. Zuvor hatten die „Süddeutsche Zeitung“ (Wochenendausgabe), NDR und WDR darüber berichtet.

Franz Beckenbauer in der DFB-Affäre um die WM 2006

Schweigsam

Seit dem Auftauchen der Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Fußball-WM 2006 ist nicht viel von Franz Beckenbauer zu hören. Der sonst so redselige „Kaiser“ hält sich vorwiegend bedeckt und meldete sich lediglich mit drei knappen Mitteilungen über sein Management zu Wort. Die bisherigen schriftlichen Statements des früheren Weltmeisters:

Sonntag, 18. Oktober

„Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat.“

Donnerstag, 22. Oktober

„Franz Beckenbauer wird sich bis auf Weiteres nicht öffentlich äußern. Er wird zunächst der Bitte der externen Untersuchungskommission des DFB entsprechen und diesem Gremium Rede und Antwort stehen.“

Montag, 26. Oktober

„Ich habe mich bereits vergangenen Donnerstag gegenüber der externen Untersuchungskommission des DFB bereit erklärt, Rede und Antwort zu stehen. Heute gab es diese Anhörung in München, bei der ich sämtliche Fragen der Kommission beantwortet habe.

Erste Klarstellung

„Es ist mir wichtig, folgendes klarzustellen:
1. Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen.“

Zweite Klarstellung

„2. Um einen Finanzierungszuschuss der Fifa zu erhalten, wurde auf einen Vorschlag seitens der Fifa-Finanzkommission eingegangen, den die Beteiligten aus heutiger Sicht hätten zurückweisen sollen. Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung.“

Seitenhieb

„Um die weiteren Befragungen nicht zu beeinträchtigen, werde ich mich anders als andere Beteiligte, deren Verhalten ich teilweise als unsäglich empfinde, derzeit nicht weiter äußern. Damit entspreche ich auch einer Bitte der externen Untersuchungskommission.“

„Es sind Güteanträge, daraus kann man schon ersehen, dass es unsere Intention ist, jetzt nicht öffentlich gegen einzelne Personen vorzugehen“, sagte Koch weiter. Der DFB sei eine gemeinnützige Organisation, ein eingetragener Verein. Deshalb seien Vizepräsident Reinhard Rauball und er in der Pflicht, mögliche Ansprüche durchzusetzen.

Laut „SZ“ wurden die Anträge Ende 2015 abgegeben. Diese richten sich gegen den früheren Organisationskomitee-Chef Beckenbauer, die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach, Ex-DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, den weiteren früheren OK-Vize Fedor Radmann, den Testamentsvollstrecker von Robert Louis-Dreyfus sowie die FIFA. „Mit der Wahrung seiner Interessen“ beauftragte der DFB die Berliner Kanzlei Giesen Heidbrink.

Im Zentrum der Sommermärchen-Affäre steht eine ungeklärte Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro, die der frühere Adidas-Chef Louis-Dreyfus zunächst im Auftrag der deutschen WM-Macher an die FIFA geleistet hat und die dann kurz vor der WM falsch deklariert an den Franzosen zurückgezahlt wurde.

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