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11.11.2015

07:48 Uhr

WM-Skandal 2006

Diese drei Fragen muss der DFB beantworten

VonThomas Schmitt

Die dubiose Millionenzahlung vor der WM 2006 bringt den deutschen Fußball in Not. Die Aufklärung stockt – auch weil die Ermittler mit im Sumpf stecken. Warum die DFB-Fürsten eine Palastrevolution anzetteln müssen.

Für den DFB-Präsidenten wird die Luft immer dünner. dpa

Wolfgang Niersbach

Für den DFB-Präsidenten wird die Luft immer dünner.

DüsseldorfEs kommt Licht in den Sumpf rund um die WM 2006, aber nur scheibchenweise und ganz langsam. Extrem wichtig war daher, dass die Staatsanwälte und die Steuerfahnder nun Fahrt in die Sache gebracht haben. Denn die DFB-Spitze ist offenbar nicht in der Lage, den Skandal aufzuklären – zu tief stecken die Akteure und ihre Helfer mitten im WM-Schlamm.

Die nächste Chance, für mehr Sauberkeit im deutschen Fußball zu sorgen, ergibt sich nun am Montag. Da tritt das Präsidium des DFB zu einer Sondersitzung zusammen. Es ist als ausführendes Organ die Exekutive des Verbandes. Zwar kann der Präsident Wolfgang Niersbach nicht entlassen werden, doch er muss sich den – hoffentlich kritischen - Fragen von 15 Herren und einer Frau stellen.

Zwar schätzen Beobachter, dass es am Montag noch nicht zu einer Palastrevolution im DFB gegen Niersbach kommen wird. Wahrscheinlicher sei, dass das Gremium eine Vorstandssitzung oder sogar einen außerordentlichen Bundestag einberuft. Doch damit entzögen sich die DFB-Fürsten nur ihrer Verantwortung für den deutschen Fußball, weil sie damit nur auf Zeit spielten.

Nach den Statuten kann das Präsidium Niersbach zwar nicht entlassen. Denn der Präsident wird vom Bundestag gewählt und kann nur vom DFB-Vorstand, in dem die Vertreter aller Regional- und Landesverbände sowie des Ligaverbandes sitzen, von seinen Aufgaben entbunden werden.

Das Präsidium des DFB

Wer sitzt im DFB-Präsidium?

Laut DFB-Satzung gehören dem Präsidium der Präsident, der Schatzmeister, der Ligapräsident und der Vorsitzende der Regional- und Landesverbände an. Der Ligaverband entsendet zudem drei, die Regional- und Landesverbände weitere sechs Vertreter.
Quelle: http://www.dfb.de/verbandsstruktur/praesidium

Wer wird berufen?

Neben dem Generalsekretär und den Ehrenpräsidenten (derzeit nur Egidius Braun) gehören auf Berufung des Präsidiums auch ein Vertreter der Nationalmannschaft (Oliver Bierhoff) und der Sportdirektor (Hansi Flick) dem Gremium an. Derzeit hat das DFB-Präsidium 16 aktive Mitglieder plus einen Ehrenpräsidenten.

Die Aufgaben

Das DFB-Präsidium ist quasi die Regierung des Fußballverbandes. Es führt die Geschäfte und setzt die Beschlüsse des „Parlaments“, des DFB-Bundestages, um.

Präsidenten

Ehrenpräsident Egidius Braun und Präsident Wolfgang Niersbach (bis zu seinem Rücktritt im November 2015)

Wichtige Vizepräsidenten

Rainer Koch, 1. Vizepräsident (Präsidiumsmitglied für Amateurfußball und Angelegenheiten der Regional- und Landesverbände), er leitet das Ressort für Rechts- und Satzungsfragen, Reinhard Grindel (Rotenburg/Wümme), Schatzmeister, Peter Frymuth (Düsseldorf), Vizepräsident für das neu geschaffene Ressort Spielbetrieb und Fußballentwicklung, Ronny Zimmermann (Wiesloch), Vizepräsident für Qualifizierung und Eugen Gehlenborg (Garrel), Vizepräsident für sozial- und gesellschaftspolitische Aufgaben

Die Liga-Vertreter

Reinhard Rauball, 1. Vizepräsident kraft seines Amtes als Präsident des Ligaverbandes
Vizepräsident Christian Seifert (Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung), Peter Peters und Harald Strutz.

Wichtige DFB-Funktionäre

Generalsekretär Helmut Sandrock, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Sportdirektor Hansi Flick

Allerdings würde ein Vertrauensentzug des Präsidiums Niersbach faktisch zu einem Rücktritt zwingen. Ruhen lassen, bis die Vorwürfe geklärt sind, kann der DFB-Boss sein Amt nach den Statuten nicht. Doch dafür könnte schneller als gedacht womöglich die Ethikkommission der Fifa mit einer Suspendierung sorgen.

Die viel beschäftigten Ordnungshüter des Weltverbandes „beobachten die Lage in Deutschland“, wie sie mitteilten. Details werden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht veröffentlicht. Eine provisorische 90-Tage-Sperre – so wie bei Uefa-Chef Michel Platini und Fifa-Präsident Sepp Blatter – könnte aber ein vorläufiges Strafmaß sein.

Folgende drei Fragen muss das DFB-Präsidium Niersbach nun stellen:

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