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11.11.2015

12:46 Uhr

WM-Skandal

Rauball erwartet langwierige Aufklärung

Quelle:dpa

Der amtierende Interims-Verbandschef Reinhard Rauball mahnt in der DFB-Krise zu Geduld. Auf Malta wurden im Zusammenhang mit der WM-Affäre Büroräume durchsucht. Und Rummenigge tadelt die DFB-Spitze wegen Beckenbauer.

Nach dem Rücktritt Niersbachs führt DFB-Vize Reinhard Rauball gemeinsam mit Rainer Koch interimsmäßig den DFB. Foto: Arne Dedert dpa

Reinhard Rauball

Nach dem Rücktritt Niersbachs führt DFB-Vize Reinhard Rauball gemeinsam mit Rainer Koch interimsmäßig den DFB. Foto: Arne Dedert

FrankfurtLigapräsident Reinhard Rauball erwartet kein schnelles Ende der aktuellen Krise des Deutschen Fußball-Bundes. „Der DFB befindet sich derzeit in einer höchst problematischen Situation. Im Sinne unseres Sports gilt es daher, gemeinsam anzupacken - die Bundesliga genauso wie die Amateure”, sagte der 68-Jährige der „Bild”-Zeitung.

Er ergänzte: „Dafür wird deutlich mehr Zeit nötig sein, als erwartet wird.” In der kommenden Woche werde das DFB-Präsidium erstmals ohne den zurückgetretenen Wolfgang Niersbach tagen „und über die nächsten Schritte beraten”, sagte Rauball.

Nach dem Rücktritt Niersbachs führt DFB-Vize Rauball gemeinsam mit seinem Kollegen Rainer Koch interimsmäßig den DFB. Als künftiger Verbandschef aber steht der Präsident des Bundesligisten Borussia Dortmund nicht zur Verfügung. Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen haben ihre Kandidaturen für das Spitzenamt ausgeschlossen.

Aktuell gelten Koch und DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel als aussichtsreichste Bewerber um das vakante Amt in der Frankfurter Verbandszentrale. Dort verabschiedete sich am Mittwoch Niersbach zwei Tage nach seinem Rücktritt nach Informationen von www.sport1.de in einer „hoch emotionalen Rede” von seinen Mitarbeitern.

Niersbach hatte die „politische Verantwortung” für den Skandal um die Vergabe der WM 2006 an Deutschland übernommen und am Montag seinen Rücktritt erklärt. Im Zusammenhang mit der Affäre und nach Berichten über eine mögliche Verwicklung Maltas untersuchte die Polizei laut Medien die Büros des Fußballverbands der Mittelmeerinsel.

WM Vergaben: Was lief schief?

Alles gekauft?

Gekaufte Stimmen bei der Fußball-WM 2006? Angesichts der alles andere als rühmlichen Geschichte der WM-Vergaben beim Weltverband Fifa wäre das eigentlich kaum noch überraschend. Die Agentur SID listet die vergangenen fünf Endrunden auf – welche war sauber, welche nicht? Viele WM-Endrunden stehen im Zwielicht.

WM 1998 Frankreich

In den US-Protokollen der Vernehmung des „Whistleblowers“ Chuck Blazer taucht die Endrunde in Verbindung mit einem sogenannten „Mitverschwörer Nummer eins“ auf. Dieser soll mit Blazer in den frühen 90er-Jahren nach Marokko gereist sein, wo Schmiergeld angeboten und akzeptiert worden sein soll.

Warners Rolle

Vermutlich ist der Mitverschwörer Blazers ehemaliger Boss Jack Warner, Ex-Präsident des Verbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik Concacaf und immer mittendrin, wenn es um Schmiergeld geht. Dennoch siegte bei der Vergabe-Abstimmung des Fifa-Exekutivkomitees, in dem zumindest Warner an jenem 2. Juli 1992 saß, am Ende Frankreich.

WM 2002 Südkorea und Japan

Die WM in Fernost war lange frei vom Korruptionsverdacht – aber auch hier sollen Stimmen gekauft worden sein. Unter anderem hat der südamerikanische Kontinentalverband Conmebol seine Unterstützung für 1,5 Millionen Euro verkauft haben. Die angebliche Zahlung ist allerdings auf das Jahr 2000, also vier Jahre nach der Vergabe datiert.

Verdächtige

Der damalige Conmebol-Präsident Nicolás Leoz gehört zu den insgesamt 14 von der US-Justiz verdächtigen Ex-Funktionären. Zudem sollen die Entscheider im Fifa-Exekutivkomitee mit Geschenken regelrecht überhäuft worden sein.

Havelange

Dem ehemaligen Brasilien-Boss Ricardo Teixeira, Schwiegersohn von Ex-Fifa-Präsident João Havelange, wurde damals die Hyundai-Generalvertretung für Brasilien übertragen. Die Entscheidung fiel durch einfachen Beschluss.

WM 2006 Deutschland

Auf dem Sommermärchen liegt ein dunkler Schatten. Das Nachrichtenmagazin Spiegel hatte von schwarzen Kassen berichtet, die deutsche Steuerfahndung geht den „verschwundenen“ 6,7 Millionen Euro nach, die angeblich an die Fifa gezahlt worden sind.

Beckenbauer

Im Zentrum steht Lichtgestalt Franz Beckenbauer, der beharrlich schweigt. Laut Bild-Zeitung steht Beckenbauers Unterschrift unter einem Vertragsentwurf, der den versuchten Stimmenkauf nahelegt. Bei dem Vertragspartner soll es sich um den von der Fifa mittlerweile lebenslang gesperrten Warner handeln – es geht um erhebliche Zusagen aus Deutschland.

WM 2010 Südafrika

Für die Endrunde 2010, sagte Blazer, habe er „zusammen mit anderen Exko-Mitgliedern in Verbindung mit der Vergabe der WM an Südafrika Bestechungsgelder angenommen“. Es geht um eine dubiose Zahlung von zehn Millionen Dollar, die über ein Fífa-Konto in die Karibik geflossen war.

Blazer

Während die Fifa und der südafrikanische Verband Safa sowie die Regierung des Landes jede Beteiligung an einer Bestechung dementieren – das Geld sei für ein Entwicklungsprogramm überwiesen worden – verstand Blazer die Zahlung als Gegenleistung für die Stimmen von ihm und den „Mitverschwörern eins und drei“.

Angebot

Vom marokkanischen WM-Komitee sei ebenfalls ein Angebot gekommen – allerdings nur über eine Million Dollar. Südafrika holte sich die WM bei der Exko-Abstimmung mit 14:10 Stimmen.

WM 2014 Brasilien

Der brasilianische Verband erhielt den Zuschlag ohne Gegenkandidat am 30. Oktober 2007 unter der Führung von Ricardo Teixeira – später im Zentrum mehrerer Korruptionsvorwürfe. Ein Großteil der Milliarden-Investitionen soll auf privaten Konten gelandet sein.

Baufirmen

Spekuliert wird, dass Baufirmen das Fifa-Exekutivkomitee bestochen haben, um am Zuckerhut die lukrativen Aufträge an Land schaffen zu können.

Generalsekretär Bjorn Vassallo sagte der „Times of Malta” (Mittwoch), Beamte einer Einheit für Wirtschaftskriminalität hätten bereits am Montag die Archive nach Dokumenten durchforstet, die zur Aufklärung beitragen könnten. Der Verband arbeite mit den Behörden zusammen.

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