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10.03.2006

20:19 Uhr

WM-Teilnehmer im Porträt

Costa Rica – Immer für eine Überraschung gut

Das kleine Costa Rica steht selten im Mittelpunkt des Weltinteresses. Am 9. Juni 2006 dürfte sich dies schlagartig ändern: Als deutscher Gruppengegner trifft das mittelamerikanische Land im WM-Eröffnungsspiel auf die Elf des Gastgebers.

Das Team Costa Rica. BILD VERGRÖSSERN: Bitte klicken sie auf das Pluszeichen. Foto: afp

Das Team Costa Rica. BILD VERGRÖSSERN: Bitte klicken sie auf das Pluszeichen. Foto: afp

HB DÜSSELDORF. Auch wenn Costa Rica in seinem ersten Spiel gegen den dreimaligen Weltmeister krasser Außenseiter ist, ist es doch Sinnbild dafür, dass sich die Vier-Millionen-Nation in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten in der Fußball-Weltspitze etabliert hat. Rang 21 in der FIFA-Weltrangliste (Dezember 2005) nur knapp hinter Deutschland unterstreicht dies.

Dabei dauerte der Weg unter die Platzhirsche der Fußballwelt erstaunlich lange. Die bis 1989 ausgespielte Zentralamerika-Meisterschaft gewann Costa Rica zehnmal, brauchte aber bis 1990, um sich erstmals für eine WM-Endrunde zu qualifizieren. In Italien avancierten die Costaricaner zum Überraschungsteam, bezwangen in der Vorrunden Schottland und Schweden, scheiterten erst im Achtelfinale mit 1:4 an Brasilien. Nach zwei verpassten Endrunden gelang 2002 der Sprung nach Korea und Japan, und auch dort überzeugten die Mittelamerikaner trotz Vorrunden-Aus : Nach einem 2:0 gegen China und einem 1:1 gegen den späteren WM-Dritten Türkei war erst Brasilien (2:5) im letzten Gruppenspiel eine Nummer zu groß.

Trotz der starken Vorstellung vor vier Jahren reisen die Costaricaner eher mit bescheidenen Zielen nach Deutschland: "Wir sind wieder dabei, Gott sei Dank. Jetzt werden wir uns gezielt auf die WM vorbereiten, um wieder für eine Überraschung zu sorgen", erklärte der in Brasilien geborene Alexandre Guimaraes. Im Klartext: Gut präsentieren, wenn möglich die "Großen" ein wenig ärgern. Deutschland sollte also gewarnt sein, obwohl Costa Rica in der Qualifikation doch einige Schwächen offenbarte. Als Gruppendritter hinter den USA und Mexiko sicherte sich die Truppe das letzte direkte Ticket nach Deutschland, kassierte in der letzten Gruppenphase vier Niederlagen, darunter ein 1:3 gegen Guatemala, nachdem es schon in der Runde davor zwei Pleiten, unter anderem eine peinliche 2:5-Heimniederlage gegen Honduras, gegeben hatte.



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Nach dem Abgang der letzten Spieler aus "Generation 1990" wie Angreifer Hernan Medford oder Keeper Luis Gabelo Conejo tritt Costa Rica nun mit einer recht ausgewogenen Mischung aus routinierten Spieler und jungen Akteuren an. Die bekanntesten Akteure sind Spielmacher Walter Centeno (Deportivo Saprissa), in Europa schon bei AEK Athen aktiv, Abwehrrecke Gilberto Martinez von Brescia Calcio und vor allem Paolo Wanchope. Der Wandervogel hat trotz seiner erst 29 Jahre schon immense Erfahrung vorzuweisen, kickte in Europa bei Derby County, West Ham United, Manchester City und dem FC Malaga und soll in Deutschland den Leitwolf mimen: "Natürlich stehen gerade die erfahrenen Spieler in der Verantwortung", bestätigt Wanchope, der sein erstes Länderspiel im Alter von 18 Jahren bestritt und schon einmal an seinen letzten Auftritt denkt. "Die Einsätze für die Nationalmannschaft haben mich mit Stolz erfüllt und mich glücklich gemacht. Am Tag meiner letzten Partie für mein Land werde ich sicherlich sehr traurig sein."

Überraschend nicht mit zur WM nach Deutschland reist Norwegen-Legionär Roy Miller. Der Linksverteidiger, der beim Erstligisten Bodö Glimt unter Vertrag steht, wurde von Trainer Guimaraes als letzter Spieler aus dem erweiterten Kader getrichen.

Die Marschroute in Deutschland ist unterdessen klar: Soll die Vorrunde überstanden werden, muss neben dem "Mit-Außenseiter" Ecuador zumindest gegen eine der europäischen Mannschaften gepunktet werden. Deutschland oder Polen - Costa Rica kann nun zeigen, was wirklich in ihm steckt.

Land:


Lage/Größe: Mittelamerika - (Weltrang 126): 51 100 qkm
Bevölkerung: 4 016 173 Einwohner
Hauptstadt: San José - 330 000 Einwohner
Staatsform: Präsidialrepublik
Staatspräsident und Regierungschef: Abel Pacheco
Bruttoinlandsprodukt (BIP), Dollar pro Kopf: 2004: 4 308 US$
Landessprache: Spanisch

Fußball:
Federación Costarricense de Fútbol
Präsident: Hermes Navarro Vargas
Nationaltrainer: Alexander Guimaraes
Gründungsjahr: 1921
FIFA-Mitglied seit: 1921

WM-Bilanz:

1990: Achtelfinale
2002: Vorrunde

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