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10.03.2006

12:36 Uhr

WM-Teilnehmer im Porträt

Spanien – Die schwierigen Zauberer

Schon seit Jahren plagt die spanische Auswahl das immer gleiche Problem: Aus einer Ansammlung herausragender Spieler erwächst keine funktionierende Mannschaft. Dieses Mal soll alles anders werden.

Das spanische Team. BILD VERGRÖSSERN: Bitte klicken sie auf das Pluszeichen. Foto: afp

Das spanische Team. BILD VERGRÖSSERN: Bitte klicken sie auf das Pluszeichen. Foto: afp

HB DÜSSELDORF. Was musste die stolze spanische Nation in mittlerweile 76 Jahren WM-Historie nicht alles erdulden: Seit dem Fifa-Beitritt 1904 gehören die Iberer zur Beletage des europäischen, wenn nicht Weltfußballs. Doch während spanische Vereine - allen voran die Top-Klubs aus Madrid und Barcelona - so ziemlich alles gewinnen konnten, was es zu gewinnen gab, spielt die "Seleccion" nur die zweite Geige. Mit einer gerade offensiv äußerst schlagkräftigen Truppe soll 2006 in Deutschland endlich der ersehnte Erfolg gelingen.

Auf dem beschwerlichen Weg nach Deutschland wurde das große Problem deutlich, das die mit Assen gespickte Mannschaft schon seit Jahren plagt: Dieselben Spieler, die bei Real Madrid oder dem FC Barcelona zu den Leistungsträgern zählen, tun sich gemeinsam schwer und bilden im National- Dress allenfalls ein mittelmäßiges Team.

Nur einmal (1950) konnte die so stolze Fußballnation bei einer Enrdunde unter die besten Vier vordringen, ansonsten sah es meist düster aus: Die große Generation der 60er Jahre um Amaro Amancio und Paco Gento, die 1964 mit dem Europameister-Titel den größten Erfolg der Spanier feiern konnte, kam in Chile und England nicht wie erhofft zum Zug. Die 70er Jahre waren aus spanischer Sicht ein Totalausfall. Selbst 1982 kam Spanien als WM-Gastgeber nicht über die zweite Finalrunde hinaus. Und als 1986 durchaus die Qualität zum großen Wurf vorhanden war, entzauberte eine starke "Seleccion" um Stürmerstar Emilio Butragueno zwar im Achtelfinale Dänemark mit 5:1, musste sich dann aber in der Runde der letzten Acht im Elfmeterschießen Überraschungsteam Belgien geschlagen geben. Der Tiefpunkt war letztlich mit dem Vorrunden-Aus 1998 erreicht, vier Jahre später reichte es immerhin bis zum Viertelfinale.



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Die Misserfolge der Nationalmannschaft haben diverse Gründe: Bei allem Spielerpotenzial fehlt Spanien seit Jahren der bestimmende Mann im Mittelfeld. Zum anderen gelang es bislang nicht, die verschiedenen "Grüppchen" im Land unter einen Hut zu bringen. Die Katalanen um die Kicker vom FC Barcelona, die Kastilier mit den Stars von Real und Atletico Madrid, die Basken aus Bilbao und San Sebastian - als Resultat der Franco-Ära ist ein gemeinsamer Nationalstolz in Spanien nur rudimentär ausgeprägt, was sich auch auf den Fußball überträgt. Dass Spieler wie Oleguer vom FC Barcelona nur für die katalanische Auswahl auflaufen wollen, spricht Bände.

Und dennoch ist die Erwartungshaltung vor der WM 2006 riesig: "Wir fahren zur Weltmeisterschaft, um den Titel zu holen", betont Kapitän Raul trotz einer Qualifikation, die zwar ohne Niederlage, aber keineswegs überzeugend verlief. Erst beim 5:1 im Play-off gegen die Slowakei bot Spaniens Nationalelf den Fußball, den man von ihr erwarten kann. "Ich denke, dass Spanien in der derzeitigen Form jeden Gegner schlagen kann", sagt Trainer Luis Aragones, der seit seinem Amtsantritt 2004 noch keine Niederlage hinnehmen musste. Und in der Tat ist die "Seleccion" gerade in der Offensive stark besetzt: Ob Luis Garcia, Fernando Morientes (beide Liverpool), Jose Antonio Reyes (Arsenal), Raul (Real Madrid) oder auch Fernando Torres (Atletico Madrid) - Aragones' Angebot an Topstürmer ist beeindruckend. Gerade von Torres, dem besten spanischen Torjäger in der Qualifikation, versprechen sich die Iberer in Deutschland viel. "El Nino", das Kind, wie sie ihn in Madrid liebevoll nennen, steht vor seinem Durchbruchg in die absolute Weltspitze, soll auf Dauer Rekord-Torjäger Raul ablösen. "Er kann einer der größten Spieler Spaniens aller Zeiten werden", sagt Alfredo di Stefano, der einstige Star von Stadtrivale Real - ein größeres Lob kann es also kaum geben.

Land:
Lage/Größe: Südwest-Europa (Weltrang: 50): 504 782 qkm
Bevölkerung: 40 341 462 Einwohner
Hauptstadt: Madrid - 3 Mio. Einwohner
Staatsform: Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt: König Juan Carlos
Ministerpräsident: José Luis Rodriguez Zapatero
Bruttoinlandsprodukt, Dollar pro Kopf: 2004: 22 664 US$
Landessprache: Spanisch, Katalanisch (regional), Galicisch
(regional), Baskisch (regional)

Fußball:
Real Federación Española de Fútbol (RFEF)
Präsident: Angel Maria Villar Llona
Trainer: Luis Aragones
Gründungsjahr: 1913
FIFA-Mitglied seit: 1904

WM-Bilanz:
1934: Viertelfinale
1950: Vierter
1962: Vorrunde
1966: Vorrunde
1978: Vorrunde
1982: Zwischenrunde
1986: Viertelfinale
1990: Achtelfinale
1994: Viertelfinale
1998: Vorrunde
2002: Viertelfinale

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