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10.03.2006

08:48 Uhr

WM-Teilnehmer im Porträt

Ukraine – Die Stürmer sind die Stars

Trainer Oleg Blochin kann bei der Verwirklichung seiner WM-Ziele auf Europas Fußballer des Jahres Andrej Schewtschenko und auf Bundesligalegionär Andrej Woronin zurückgreifen.

Das ukrainische Team. BILD VERGRÖSSERN: Bitte klicken sie auf das Pluszeichen. Foto: afp

Das ukrainische Team. BILD VERGRÖSSERN: Bitte klicken sie auf das Pluszeichen. Foto: afp

HB DÜSSELDORF. Dass die Ukraine bis 2006 nie an einer WM-Endrunde teilgenommen hat, ist letztlich nur bedingt richtig: Der jungen Republik steht zwar in Deutschland ihr World-Cup-Debüt als eigenständige Nation bevor, dennoch hat die Ukraine in den 70er und 80er Jahren die WM-Geschichte nachhaltig geprägt. Denn die Nationalmannschaft der Sowjetunion war bis zu ihrem Zusammenbruch eine um den ein oder anderen Spieler ergänzte Auswahl des ukrainischen Spitzenklubs Dynamo Kiew.

Der Talentschmiede aus der Hauptstadt entsprang auch der größte Fußballer: Oleg Blochin, der mit Dynamo zweimal den Europapokal der Pokalsieger gewann und 16 Jahre lang für die Sowjet-Auswahl spielte. Jetzt ist Blochin Trainer der ukrainischen Erfolgstruppe, sein legitimer Nachfolger als Spieler scheint in Stürmerstar Andrej Schewtschenko vom AC Mailand gefunden - "Sheva" soll für den nächsten Freudentaumel des fußballverrückten 47,4-Millionen-Volkes sorgen.

Schon der Jubel nach dem 1:1 gegen Georgien in Tiflis am 3. September 2005, das der Ukraine als erster Mannschaft nach Gastgeber Deutschland das WM-Ticket sicherte, kannte in Kiew, Dnjepropetrowsk und Donezk keine Grenzen. "Dieses Glücksgefühl sollte jeder Fußballer wenigstens einmal in seinem Leben spüren. Es ist ein Traum", jubelte der sonst so coole Schewtschenko nach dem Coup. Und der soll tunlichst nicht in der Vorrunde beendet sein: Spanien ist der stärkste Gruppegegner, Saudi-Arabien und Tunesien durchaus schlagbar. "Ich weiß, die Leute denken jetzt, ich bin wahnsinnig. Aber ich glaube fest, dass wir jetzt auch die Chance haben, die WM zu gewinnen. Schließlich haben mich viele Leute auch einen Abenteurer genannt, als ich versprochen habe, die Ukraine zur WM zu führen", erklärte Blochin nach der WM-Qualifikation.



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Sollte die Ukraine zumindest das Viertelfinale erreichen, wäre es der größte Erfolg einer Mannschaft aus der ehemaligen Sowjetunion seit 1970. Damals erreichte die UdSSR zum vierten und bis dahin letzten Mal die Runde der letzten Acht, der größte Erfolg datiert aus dem Jahr 1966, als in England Platz vier heraussprang. 1986 gingen die Sowjets als Mitfavorit ins Rennen - und boten mit einem starken Kiew-Block um den überragenden Stürmer und späteren Deutschland-Legionär Igor Belanow (Mönchengladbach, Braunschweig) mitreißenden Fußball, ehe sie im Achtelfinale ebenso knapp wie überraschend an Belgien scheiterten. Während Russland nach dem Ende der UdSSR zwar 1994 und 2002 das Endrunden-Ticket buchte, dabei aber jeweils das Achtelfinale verpasste, blieb die Ukraine jeweils in der Qualifikation hängen, vor vier Jahren allerdings erst auf der Zielgeraden in den Play-offs gegen den späteren Vizeweltmeister Deutschland.

Der Sprung zur ersten Endrunden-Teilnahme gelang ungleich beeindruckender: Die vorzeitige Qualifikation in der "Todesgruppe" mit Europameister Griechenland, dem WM-Dritten Türkei sowie den starken Dänen lässt darauf schließen, welches Potenzial in der Truppe steckt. Vor allem das Kollektiv beeindruckt: Trotz der hochkarätigen Legionäre spielt der Löwenanteil der Mannschaft noch in heimischen Gefilden bei den Spitzenklubs aus Kiew, Dnjepropetrowsk und Donezk. Lediglich in Sachen Sturm setzt Blochin auf die geballte Legionärskraft: Leverkusens Andrej Woronin bildet mit Superstar Schewtschenko ein Duo, das an guten Tagen kaum zu stoppen ist. Aufgrund von Hüftproblemen musste Trainer Blochin den Verteidiger Sergej Fjodorow aus dem WM-Kader nehmen. Für ihn rückt der 21-jährige Alexander Jazenko ins Team.

Land:
Lage/Größe: Ost-Europa - (Weltrang: 43): 603 700 qkm
Bevölkerung: 47 425 336 Einwohner
Hauptstadt: Kiew - 2,6 Mio. Einwohner
Staatsform: Präsidialrepublik
Präsident: Viktor Juschtschenko
Bruttoinlandsprodukt, Dollar pro Kopf: 2004:1374 US$
Landessprache: Ukrainisch

Fußball:
Football Federation of Ukraine (FFU)
Präsident: Grigori Surkis
Nationaltrainer: Oleg Blochin
Gründungsjahr: 1991
FIFA-Mitglied seit: 1992

WM-Bilanz:
bisher keine Endrunden-Teilnahme

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