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16.05.2017

15:46 Uhr

ZDF vor Ausstieg aus Rechtepoker

Es gibt kein Grundrecht auf Champions League

VonAlexander Möthe

Die Champions League im Free-TV – das war einmal. Die Fußball-Eliteklasse verschwindet hinter der Bezahlschranke, entweder gleich, sonst in absehbarer Zeit. Und das ist auch eindeutig richtig so. Ein Kommentar.

Die Ausschreibung der Übertragungsrechte für die Champions League drängt den Fußball ins Pay-TV – zurecht. dpa

Finale nicht mehr frei

Die Ausschreibung der Übertragungsrechte für die Champions League drängt den Fußball ins Pay-TV – zurecht.

DüsseldorfDer Profifußball, er droht hinter der Bezahlschranke zu verschwinden. „Bild“ und „Kicker“ berichten unisono, dass im laufenden Ausschreibungsverfahren für die Übertragungsrechte der Champions League für das ZDF die Schmerzgrenze erreicht ist. Aus, Ende, vorbei – keine Königsklasse mehr im Free-TV. Gegen die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt bieten die Sendergruppe Sky und der Streamingdienst Dazn.

Das ZDF hat vorerst dementiert, doch es ist unwahrscheinlich, dass sich das gebührenfinanzierte Zweite Deutsche Fernsehen jetzt noch auf ein Wettbieten mit den Privaten einlässt. Das Gebot liegt bereits bei 70 Millionen Euro jährlich und damit mehr als 15 Millionen Euro höher als bei der vergangenen Rechtevergabe. Die Uefa, sie möchte für drei Jahre insgesamt 600 Millionen Euro sehen. Die Rechtepakete könnten dann Sky und Dazn in unterschiedlicher Gewichtung unter sich aufteilen. Und man muss sagen: Das ist richtig so.

Wenn über Entwicklungen im Vereinsfußball gesprochen wird – egal, ob sportlich oder wirtschaftlich –, wird meist der Begriff „Verhältnis“ bemüht. Es herrschen spanische Verhältnisse, wenn wenige Spitzenklubs den gesamten Ligabetrieb dominieren. Dies gilt als wenig erstrebenswert, da für die Zuschauer unattraktiv. Die Vereine hingegen gieren nach englischen Verhältnissen: Klubs, die aus der TV- und Eigenvermarktung so viel Geld ziehen, dass selbst die Abstiegskandidaten der Premier League über höhere Einnahmen verfügen können als der Großteil der Bundesligisten.

TV-Rechte im Fußball: Bald keine Champions League mehr im ZDF?

TV-Rechte im Fußball

Bald keine Champions League mehr im ZDF?

Der Pay-TV-Sender Sky gilt als Favorit in den Verhandlungen über die TV-Rechte in der Champions League. Medienberichten zufolge sind die gehandelten Summen zu hoch für das ZDF. Verschwindet Top-Fußball im Pay-TV?

Einer der Schlüssel dazu: Die Engländer verkaufen die Übertragungsrechte an Sender, die sie nicht über Werbung oder öffentliche Mittel finanzieren, wie in Deutschland, sondern die sie weiterkaufen – an uns, die Endverbraucher. Das Pay-TV-Prinzip ist in weiten Teilen der westlichen Welt eine Selbstverständlichkeit. Egal ob Filme, aktuelle Serien oder Sport: Wenn ich etwas sehen möchte, muss ich dafür zahlen.

In Deutschland hat sich über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die über die im Rundfunkstaatsvertrag garantierte Grundversorgung eine andere Fernsehkultur entwickelt. Dabei handelt es sich mehr um die Illusion von „Free-TV“, da inzwischen jeder Haushalt die Gebühr zwangsverordnet bekommt, jedoch keinerlei Möglichkeit der Programmgestaltung hat. Natürlich lässt sich da argumentieren: Wenn ich schon zahle, will ich auch Fußball sehen! Aber Fußball gibt es ja auch weiterhin. Länderspiele, Großturniere, derzeit noch den DFB-Pokal.

Champions League: Was 2017 im Geldtopf der Uefa liegt

Finanz-Spektakel

Mit dem Start in die K.o.-Phase der Champions League geht auch das Rennen um zweistellige Millionenbeträge für die Klubs weiter. Was die Vereine in der Königsklasse verdienen können und was die deutschen Klubs schon erreicht haben.
Quelle: dpa

Achtelfinale

Für das Erreichen des Achtelfinals hatten alle Vereine bereits zusätzlich zu den 12,7 Millionen Euro Startgeld einen Bonus von sechs Millionen Euro bekommen.

Bayern München

Startgeld: 12,7 Millionen Euro
Punkteprämie: 6,0 Millionen Euro
Achtelfinale: 6,0 Millionen Euro
Gesamtsumme: 24,7 Millionen Euro

Borussia Dortmund

Startgeld: 12,7 Millionen Euro
Punkteprämie: 7,0 Millionen Euro
Achtelfinale: 6,0 Millionen Euro
Gesamtsumme: 25,7 Millionen Euro

Bayer Leverkusen

Startgeld: 12,7 Millionen Euro
Punkteprämie: 5,0 Millionen Euro
Achtelfinale: 6,0 Millionen Euro
Gesamtsumme: 23,7 Millionen Euro

Borussia Mönchengladbach

Startgeld: 12,7 Millionen Euro
Punkteprämie: 2,0 Millionen Euro
Europa League: 0,75 Millionen Euro
Gesamtsumme: 17,95 Millionen Euro

Viertelfinale

Der Einzug ins Viertelfinale der Fußball-Königsklasse würde den verbliebenen deutschen Vertretern, Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen, weitere je 6,5 Millionen Euro einbringen.

Halbfinale

Prämien Halbfinale 7,5 Millionen
Prämie Finalverlierer 11 Millionen
Prämie Finalsieger 15,5 Millionen

Bis zum Finale

Die Beträge steigern sich in jeder Runde. Der Sieger des Finals am 3. Juni in Cardiff kassiert insgesamt weitere 23 Millionen Euro.

Marktpool

Nicht berücksichtigt sind in dieser Auflistung die Einnahmen aus dem sogenannten Marktpool. Insgesamt 507 Millionen Euro verteilt die UEFA abhängig von ihren Erlösen aus dem jeweiligen nationalen TV-Markt und den Erfolgen der Clubs aus einem Land.

Gesamtsumme

Prämienzahlungen der Uefa an die Teilnehmer der Champions League insgesamt: 1,319 Milliarden Euro.

Daraus ein Grundrecht auf Champions-League-Spiele abzuleiten, wäre aber grundfalsch. Natürlich weckt ein Champions-League-Finale mit deutscher Beteiligung öffentliches Interesse und sollte daher auch frei übertragen werden. Das heißt aber nicht, dass das bei ARD und ZDF geschehen muss. Und es heißt auch nicht, dass das ZDF jede Summe mitbieten muss, nur um die persönlichen Vorlieben einer Gruppe Fußballfans zu erfüllen. Es gibt in Deutschland immer noch weitaus mehr Menschen, die sich nicht für die einzelnen Partien von Borussia Dortmund, dem FC Bayern München oder auch Bayer Leverkusen interessieren, als umgekehrt.

Mit dem Geld, was sich das ZDF jetzt wahrscheinlich spart, sollte das Zweite sich allerdings einem anderen Teil des Grundversorgungsauftrags annehmen: dem Breitensport. Wieder mehr Zeit für Leichtathletik, Länderspiele von Nationalmannschaften anderer Sportarten, Turnen, Ringen – die Liste potenzieller Einsatzgebiete ist lang.

Kommentare (4)

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Herr Grutte Pier

16.05.2017, 17:13 Uhr

richtig so - wer sich schwitzende Millionäre bei der "Arbeit" ansehen möchte, soll dies selbst finanzieren und nicht die Masse der Allgemeinheit dafür Wahnsinnsbeträge zahlen lassen.

Der zweite Schritt wäre, die künstlich aufgeblasenen und überproportional teureren GEZ-Sender grundsätzlich auf ein Bezahlmodell umzustellen. Für eine (minimal) Grundversorgung, könnte man einen allgemeinen Beitrag beibehalten. Aber ARD + ZDF mit zig "Spartenkanälen" usw. / usf. sind heute zu einem Selbstbedienungsladen verkommen, der politisch weder "neutral" berichtet noch effizent, d.h. zu überschaubaren Kosten "arbeitet".

Herr Johannes Fritzsche

16.05.2017, 18:53 Uhr

So schreibt jemand, der als Journalist ein fettes Gehalt bezieht und sich nicht um Sozialschwache schert, die vielleicht auch mal ein Championsleague-Spiel sehen wollen und sich keinen Bezahlsender leisten können. Soziale Kälte nennt man das wohl.

Herr Michael Berger

17.05.2017, 09:25 Uhr

Richtig. Danke für den guten Kommentar Herr Möthe!

Eine sinnvolle Alternative wäre, die eingesparten Kosten durch eine Senkung des Rundfunkbeitrags an die Bürger zurück zu geben.

Ausnahmsweise stimme ich auch Grutte Pier zu, dass eine Reduzierung auf das "Wesentliche" dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut tun würde, wobei das ZDF ja schon jetzt der wesentlich billigere Teil der Senderanstalten ist.

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